Joe Biden, Präsidentschaftskandidat der Demokraten, winkt während des Parteitages der US-Demokraten | Bildquelle: dpa

Manipulationen im US-Wahlkampf Video soll schlafenden Biden zeigen

Stand: 03.09.2020 14:39 Uhr

Im US-Wahlkampf ist ein manipuliertes Video aufgetaucht, das einen schlafenden Joe Biden zeigt - und dass bei einem Interview. Sogar ein hochrangiger Mitarbeiter im Weißen Haus teilte das Video auf Twitter.

Von Patrick Gensing, ARD-faktenfinder

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden ist mit einem manipulierten Video attackiert worden. Darin wird ein scheinbar schlafender Biden bei einem Interview gezeigt - offenkundig mit dem Ziel, ihn lächerlich zu machen.

Hunderttausende Nutzerinnen und Nutzer schauten sich das Video an und verbreiteten es weiter. Sogar der Social-Media-Direktor im Weißen Haus teilte das manipulierte Material. Mittlerweile hat Twitter das Video mit einem Hinweis versehen bzw. aus anderen Quellen gelöscht. Es taucht aber auch auf anderen sozialen Netzwerken und in Messenger-Gruppen auf.

Manipuliertes Video mit Joe Biden | Bildquelle: Screenshot Twitter
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Manipuliertes Video, das den schlafenden Joe Biden zeigen soll.

Screenshot twitter | Bildquelle: Screenshot Twitter
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Auch ein hochrangiger Mitarbeiter aus dem Weißen Haus teilte das Video.

Material aus zwei Videos kombiniert

In dem manipulierten Video wirkt es so, als seien Bidens Augen geschlossen - während die Moderatorin sagt: "Wachen Sie auf. Wachen Sie auf!" Zusätzlich wurde den Bildern ein Geräusch des Schnarchens hinzugefügt. Das Video besteht aus Material unterschiedlicher Quellen, die nichts miteinander zu tun haben, wie US-Medien recherchierten: Das eigentliche Schaltgespräch mit der Nachrichtensprecherin Leyla Santiago stammt aus dem Jahr 2011.

In einer lokalen Nachrichtensendung aus Kalifornien versuchte sie, den Entertainer und Aktivisten Harry Belafonte zu interviewen, der angeblich meditierte und sie aufgrund von Audioproblemen nicht hören konnte. Deshalb kann man sie in dem manipulierten Video sagen hören: "Das ist dein Weckruf, Harry".

Die Bilder von Biden stammen hingegen aus dem April 2020 - aus einem sogenannten digitalen Townhall-Meeting mit der ehemaligen Außenministerin Hillary Clinton. Die manipulierte Version verwendet Bilder von diesem Ereignis, in denen Biden zuhört und nach unten blickt. Dieses Material wurde dann in das andere Video eingefügt und mit Geräuschen unterlegt.

Screenshot youtube | Bildquelle: Screenshot youtube
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Das "Gespräch" mit Harry Belafonte lieferte den Rahmen für das manipulierte Video.

Screenshot c-span.org Joe Biden und Hillary Clinton | Bildquelle: Screenshot c-span.org
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Der vermeintlich schlafende Biden stammt aus einem Video von einem Townhall-Meeting. Biden schaut dabei nach unten.

Urheber des manipulierten Materials ist ein YouTuber, der zahlreiche weitere bearbeitete Videos verbreitet. Angeblich, um die Menschen zum Lachen zu bringen. Tatsächlich ist die angebliche Satire aber nicht zu erkennen, zudem richten sich seine Videos stets gegen Biden, während er in einem anderen Video als glühender Anhänger von Trump auftritt.

Weitere manipulierte Videos

Auch die demokratische Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, ist bereits mit manipulierten Videos attackiert worden. Anfang August tauchte Material auf, das von einer Pressekonferenz im Mai stammt. Allerdings wurde die Geschwindigkeit verlangsamt - eine simple, aber effektive Manipulation. Dadurch wirkten die Aussagen von Pelosi, als sei sie betrunken oder stehe unter Drogen.

Im Vergleich zum Originalvideo erscheint Pelosis Aussprache plötzlich undeutlich. Da man sie an einem Glas Wasser nippen sieht, wurde in verschiedenen Kommentaren spekuliert, sie sei wohl betrunken.

Ein weiteres irreführendes Video hatte US-Präsident Donald Trump im Mai 2019 auf Twitter verbreitet, auch dieses Material wurde verlangsamt, um Pelosi unbeholfen oder betrunken wirken zu lassen.

Gegner sollen lächerlich gemacht werden

Viel wird über die Gefahr durch komplexe Deepfakes spekuliert, die allerdings noch immer aufwendiger zu produzieren sind. Im Gegensatz dazu gibt es einfache Methoden, um Videos zu manipulieren. Und auch wenn sich leicht beweisen lässt, dass Pelosi tatsächlich deutlich und flüssig gesprochen und Biden kein Interview verschlafen hat, bleibt das manipulierte Material in der digitalen Welt, um politische Gegner im Rahmen einer Kampagne zu beschädigen.

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Patrick Gensing, tagesschau.de

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