Brasiliens Präsident Bolsonaro | Joedson Alves/EPA-EFE/REX

Amazonas-Brände Eine Verschwörungslegende und falsche Bilder

Stand: 22.08.2019 13:36 Uhr

Präsident Bolsonaro beschuldigt ohne jeden Beleg Umweltschützer, die Feuer im Amazonas-Gebiet gelegt zu haben. Von den Bränden kursieren indes viele Fotos im Netz, die irreführend sind.

Von Patrick Gensing, ARD-faktenfinder

Tausende Feuer im Amazonasgebiet, schwarzer Regen in São Paulo: In Brasilien brennt es so heftig wie seit Jahren nicht. Farmer roden Waldflächen, wegen der Dürre greifen die Brände auf immer neue Areale über. Präsident Jair Bolsonaro reagiert mit unbelegten Behauptungen auf die Krise und beschuldigt nun Umweltschützer, die Feuer gelegt zu haben.

Patrick Gensing tagesschau.de

Der rechtsextreme Präsident wittert eine Verschwörung von Nichtregierungsorganisationen, die sich rächen wollten, weil Bolsonaro ihnen Unterstützung versagt hatte. Belege für seinen schweren Anschuldigungen nannte er allerdings nicht - und konnte auch auf Nachfrage keine präsentieren.

Bilder veraltet oder von anderen Kontinenten

In den sozialen Medien sorgt Bolsonaro damit für viel Kritik und Empörung. Unter dem Hashtag #PrayforAmazonas oder #PrayforAmazonia teilen Twitter-Konten zudem Bilder von den Bränden - allerdings sind viele davon gar nicht aktuell oder aus Brasilien. So beispielsweise ein Foto, das einen toten Affen zeigt. Wie eine Rückwärtsbildersuche zeigt, stammt dieses Foto aus dem Jahr 2017 und wurde in Asien aufgenommen. Der Fotograf Avinash Lodhi hatte mit dem Bild damals für Aufsehen gesorgt.

Auch andere Bilder von Tieren, die unter dem Feuer leiden oder den Bränden zum Opfer gefallen sind, stammen nicht aus dem Amazonas-Gebiet. So wird beispielsweise das Foto eines teilweise verbrannten Hasen geteilt, das aber im Jahr 2018 in Kalifornien aufgenommen wurde.

Screenshot twitter | Screenshot twitter

Diese Bilder stammen allesamt... Bild: Screenshot twitter

Screenshot twitter | Screenshot

...nicht von den aktuellen Bränden. Bild: Screenshot

Ein weiteres Bild, das derzeit kursiert, stammt von Waldbränden in Schweden. Andere Fotos zeigen zwar Feuer im Amazonas-Gebiet, wurde aber bereits vor 2019 aufgenommen.

Bilder prüfen

Eine Rückwärtssuche von Bildern ist nicht aufwändig, unter anderem große Suchmaschinen wie Google oder Yandex bieten eine entsprechende Funktion an. Dafür muss lediglich die entsprechende URL eingegeben oder das Bild hochgeladen werden. Die Rückwärtssuche zeigt dann, wo das Foto gegebenenfalls bereits zuvor veröffentlicht wurde.

Allerdings stoßen solche Suchmaschinen bei einigen Motiven an Grenzen - insbesondere, wenn Bilder absichtlich verfremdet wurden. Das geschieht beispielsweise oft bei Profilbildern, die für Fake-Accounts eingesetzt werden.

Besonders viele Waldbrände

In Brasilien gibt es immer wieder Feuer im Amazonasgebiet, in diesem Jahr aber besonders viele. Zwischen Januar und August gab es nach offiziellen Angaben 72.843 Waldbrände, die sich in den Bundesstaaten am Amazonas konzentrieren. Im gesamten Jahr 2018 waren es 39.759 gewesen. 

Behörden ziehen sich offenbar zurück

Laut Ivo Marusczyk, Korrespondent im ARD-Studio Südamerika, dringen wesentlich mehr Siedler, Viehzüchter, Holzfäller und Goldschürfer in bislang streng geschützte Gebiete ein - sowohl in Naturschutzgebiete wie auch die Indigenen-Reservate, genau in der jetzt besonders betroffenen Region Altamira.

Vertreter von indigenen Völkern, Kirchen und NGOs hätten ihm übereinstimmend geschildert, dass seit Anfang 2019 keine Kontrollen mehr stattfinden, dass die IBAMA (Umweltbehörde) und die FUNAI (Behörde für Indigenen) weitgehend entmachtet wurden und ihren Aufgaben nicht mehr nachkommen. Die Força Nacional, eine Spezialeinheit der Polizei, habe gar nicht mehr auf ihre Anzeigen reagiert, hätten Indigene ihm berichtet, so Marusczyk.

Wissenschaftliche Daten als Lügen bezeichnet

Die Abholzung des Regenwaldes nahm indes deutlich zu, wie aus einem Bericht des brasilianischen Weltraumforschungsinstituts INPE im Juni hervorging. Umweltschützer sehen darin den Grund für die Zunahme der Waldbrände in der Amazonas-Region. Der WWF wies darauf hin, dass die "Nutzung von Feuer" eine der "Techniken für Baumrodungen" sei. Bolsonaro hatte die INPE-Daten hingegen als Lügen bezeichnet und den Direktor des Instituts gefeuert

Großgrundbesitzer und Farmer riefen daraufhin im Südwesten des Bundesstaates Pará zudem einen "Tag des Feuers" aus und steckten in einer koordinierten Aktion große Flächen entlang der Landstraße BR-163 in Brand, wie die Zeitung "Folha de S. Paulo" dokumentierte. Sie seien durch Aussagen von Präsident Bolsonaro gegen Umweltschützer ermutigt worden.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 21. August 2019 um 22:15 Uhr.

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KOMMENTARE

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zeroo 22.08.2019 • 14:08 Uhr

Bundesregierung muss handeln und Sojaeinfuhr unterbinden

Handel muss jetzt vorallem die Bundesregierung und keinen Soja als Futtermittel mehr einführen. Soja sollte nicht als Futtermittel verwendet werden, denn durch den Anbau von Soja wird der Regenwald beeinträchtigt. Statt Soja kann man aber auch Mehlwürmer verfüttern. In den Niederlanden gibt es bereits 25 Betriebe, die Insekten produzieren. Die Niederlande erwarten einen Boom bei der Produktion von Insekten als Tierfutter. In einer Fabrik in Bergen op Zoom können Proteine produziert werden, um rund fünf Millionen Lachse ein Jahr lang zu ernähren. Dies kann ein Beitrag zu einer nachhaltigen Produktion von Fisch, Fleisch und Eiern. Vom Transport her sind die Niederlande als Nachbarland auch nicht alzu weit weg. Der grosse Vorteil ist auch, dass die Mehlwürmer so gut wie keinen Platz benötigen. Statt den Soja als Futtermittel zu verwenden, können auf der freiwerdenden Fläche Wälder entstehen und so CO2 speichern. Der platzsparende Einsatz von Mehlwürmern ist ein Gewinn fürs Klima.