Fragen und Antworten

US-Präsident Donald Trump am Telefon im Weißen Haus, Archivbild | Bildquelle: AP

Gespräche im Weißen Haus Der Präsident am Telefon - wer hört mit?

Stand: 27.09.2019 21:23 Uhr

Wer hört eigentlich mit, wenn der US-Präsident mit anderen Staatsoberhäuptern telefoniert? Und warum gibt es keine Aufnahmen von den Gesprächen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

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Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Was passiert, wenn der US-Präsident mit einem anderen Staatsoberhaupt telefoniert?

Wenn der US-Präsident mit dem Regierungschef eines anderen Landes telefoniert, dann hören in der Regel einige seiner engsten Mitarbeiter und natürlich die Übersetzer mit - manchmal auch der Vizepräsident oder bestimmte Minister. Die sitzen dann alle im Situation Room, einem besonders abhörsicheren Konferenzraum im West Wing des Weißen Hauses.

Das Telefonat des Präsidenten erfolgt ebenfalls über eine spezielle abhörsichere Leitung und es wird nicht mitgeschnitten. Stattdessen gibt es drei besonders vertrauenswürdige Mitarbeiter, die eifrig mitschreiben und versuchen, so viele Sätze wie möglich wörtlich zu notieren. Nach dem Telefonat gleichen sie ihre Notizen ab und verfassen ein Transkript. Das ist dann zwar keine wortwörtliche Abschrift, aber eine möglichst genaue Inhaltswiedergabe des Telefonats.

Was passiert mit dem Transkript? Wer bekommt es zu sehen?

Das Transkript des Präsidenten-Telefonats geht an das Büro des Nationalen Sicherheitsberaters. Dort wird entschieden, ob das endgültige Memo viel Wortlaut behalten soll oder ob es eher eine abstrakte Inhaltsangabe wird.

Das fertige Memo wird dann an Regierungsverantwortliche wie Minister, Botschafter oder Geheimdienstmitarbeiter verteilt, die über den Inhalt des Telefonats Bescheid wissen sollten. Wenn es um ein Gespräch mit einem ausländischen Regierungschef geht, wird meist auch der Geheimdienst CIA informiert.

Alles in allem erfahren also regelmäßig zwischen 20 und 30 Regierungsmitarbeiter, was der Präsident mit anderen Regierungschefs bespricht.

Kann Trump auch mal sagen, dass zwischendurch alle weghören sollen?

Theoretisch könnte er das natürlich. Aber das wäre extrem ungewöhnlich. Als bekannt wurde, dass Donald Trump bei einem Treffen mit Wladimir Putin in Helsinki darauf bestand, mit Putin und der Übersetzerin allein zu sein, sorgte dies für erhebliche Aufregung in Washington. Weil niemand, nicht einmal seine engsten Mitarbeiter, wussten, was Trump mit Putin besprochen hatte. Und Trump selbst wollte anschließend keine genaue Auskunft darüber geben.

Warum gibt es keinen Audiomitschnitt der Präsidenten-Telefonate?

Einen Audiomitschnitt der Telefonate des Präsidenten gibt es nicht. Die Gefahr wäre viel zu groß, dass solche Mitschnitte dann doch Beine bekommen und in den Medien landen. Anfang der 1970er-Jahre ließ der damalige US-Präsident Richard Nixon all seine Telefonate und Gespräche mitschneiden. Das wurde ihm dann in der Watergate-Affaire zum Verhängnis. Spätestens seitdem gilt: keine Audio-Mitschnitte im West Wing.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 28. September 2019 um 01:13 Uhr, 02:16 Uhr und 07:17 Uhr.

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