Fragen und Antworten

Ein Wähler gibt bei den Vorwahlen in New Hampshire seine Stimme ab.  | Bildquelle: dpa

Die wichtigsten Ereignisse Wie funktionieren die US-Vorwahlen?

Stand: 12.02.2020 11:11 Uhr

Die US-Vorwahlen sind komplex und ziehen sich über Monate hin. Wer wählt wen und nach welchem Modus? Warum begannen sie in Iowa? tagesschau.de gibt einen Überblick über die wichtigsten Schritte bis zur Kür der Kandidaten.

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Was ist ein Caucus?

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Vorwahlen: Caucus und Primary. Diese dienen dazu, den Präsidentschaftskandidaten einer Partei zu bestimmen.

Die Vorwahl im US-Bundesstaat Iowa ist traditionell die erste - sowohl bei den Republikanern als auch bei den Demokraten: Dabei stimmen die Mitglieder darüber ab, wen sie als Präsidentschaftskandidaten ihrer Partei sehen wollen. Die Entscheidung fällt nicht in Wahllokalen, sondern bei "Caucuses" - aberhunderten kleinen Parteiversammlungen. An fast 1700 Orten finden solche Treffen statt - zum Teil in ganz kleiner Runde, etwa in Cafés, Schulen, Kirchen, Gemeindezentren, Sporthallen oder Büchereien.

Republikaner wählen geheim, Demokraten offen

Die Versammlungen werden von den Parteien organisiert und nicht von der Wahlkommission. Bei den Republikanern versammeln sich die Parteimitglieder, hören sich kurze Reden von Unterstützern der verschiedenen Anwärter an und füllen dann die Stimmzettel aus - die Wahl ist also geheim. Die abgegeben Stimmen werden proportional auf die 30 Delegierten verteilt, die Iowa zum Parteitag der Republikaner schickt, bei dem dann der Präsidentschaftskandidat nominiert wird.

Bei den "Caucus"-Treffen der Demokraten gibt es meist zuerst Reden von Unterstützern der Kandidaten. Dann teilen sich die Anwesenden im Raum auf - es ist also keine geheime Stimmzettelwahl: Entweder sie begeben sich zur Gruppe eines Kandidaten oder in die Ecke der "Unentschiedenen". Damit die Stimmen gelten, muss eine Gruppe mindestens 15 Prozent der Anwesenden auf sich vereinen. Wer in einer Gruppe endet, die das nicht erfüllt, kann in einer weiteren Runde in das Lager eines anderen Kandidaten wechseln. Danach wird ausgezählt. Nur wer physisch an einer solchen Versammlung teilnimmt und bis zum Schluss bleibt, dessen Stimme zählt. Die so abgegebenen Stimmen werden dann ebenfalls proportional auf die 41 Landesdelegierten für den demokratischen Parteitag verteilt.

Programmierfehler führt zu Vorwahl-Panne

Nach der Vorwahl im US-Bundesstaat Iowa konnten die Demokraten zunächst kein Abstimmungsergebnis bekanntgeben. Bei der Auszählung hatten sie erstmals eine App verwendet, bei der die Dateneingabe zwar funktioniert habe - nicht aber die Meldung dieser Daten, wie die Demokraten später mitteilten. Hintergrund sei ein inzwischen behobener Programmierfehler.

Weil die Ergebnisse der einzelnen Parteiversammlungen wegen der Panne analog weitergegeben werden mussten, lagen teilweise auch Stunden nach Ende der Vorwahlen vom Montag keine Daten vor. Nach Angaben aus Parteikreisen wurde kurz vor zwei Uhr morgens beschlossen, Wahlhelfer zu den Häusern jener Parteiverantwortlichen aus den einzelnen Wahlkreisen zu schicken, die ihre Zahlen noch nicht an die Parteizentrale weitergeleitet hatten.

Iowa als Trendsetter

Traditionell findet der erste Caucus in Iowa statt. Der Bundesstaat hat nur drei Millionen Einwohner, die Wähler sind zum überwiegenden Teil weiß und sehr religiös. Dennoch geht von dem Bundesstaat immer eine wichtige Signalwirkung aus. Bei den Demokraten war in den letzten drei Vorwahlen der Sieger aus Iowa letztlich auch der Präsidentschaftskandidat der Partei. 2008 hatte Barack Obama überraschend gegen Hillary Clinton gewonnen - und wurde später auch Präsident. 2016 setzte sich bei den Demokraten Hillary Clinton mit knappem Vorsprung vor Bernie Sanders durch - bei den Republikanern siegte Ted Cruz in Iowa vor Donald Trump.

Wie funktionieren die Primaries?

Die meisten der US-Staaten entscheiden jedoch nicht per Caucus, sondern per Primary. Dieser wird von dem jeweiligen Bundesstaat organisiert. Deshalb entfällt das Diskutieren - wie es in Iowa üblich ist - vor der Abstimmung. Im Gegensatz zu den meisten Caucus-Staaten dürfen hier meist alle registrierten Wähler in geheimer Wahl abstimmen.

Open vs. Closed Primary

Es gibt zwei Arten von Primaries: Zum einen die Open Primary, bei der Wähler für alle Kandidaten - auch die der anderen Partei - stimmen können. Man kann allerdings nur einmal abstimmen. Bei einer Closed Primary dürfen Wähler, die etwa Mitglied einer Partei sind, nur für ihre Partei abstimmen.

Das System der Vorwahlen ist insgesamt recht komplex im Vergleich zu anderen Wahlsystemen. Überall gleich ist aber, dass damit auf einzelne Kandidaten eingeschworene Delegierte gewählt werden. Diese fahren dann zu den Nominierungsparteitagen beider Parteien im Sommer und müssen dort in den meisten Fällen ihrem Auftrag gemäß abstimmen.

Superdelegierte

Ausnahme sind die sogenannten Superdelegierten, die bei den Nominierungsparteitagen stimmberechtigt sind, aber nicht über das Caucus- oder Primary-System entsandt wurden. Dabei handelt es sich oft um ehemalige Parteigrößen, wie Ex-Präsidenten oder -Minister. Sie sind im Gegensatz zu den in den Vorwahlen gewählten Delegierten keinem Kandidaten verpflichtet.

Was verbirgt sich hinter dem Super-Tuesday?

Nach dem Start in Iowa und New Hampshire folgen die Vorwahlen in dichtem Takt. Am sogenannten Super-Tuesday stimmen mehr als ein Dutzend Bundesstaaten gleichzeitig ab. Die meisten davon liegen im Süden des Landes, wie Texas, Alabama, Georgia. Insgesamt werden dabei mehr als 1000 Delegiertenstimmen vergeben - der Tag ist also enorm wichtig für die Kandidaten.

Es gibt aber noch Dutzende weitere Tage, an denen Vorwahlen stattfinden. Insgesamt zieht sich der Prozess bis gut in den Juni.

Wahlen oft dienstags

Dass Wahlen in den USA häufig auf einen Dienstag fallen - auch Kongresswahlen, die sogenannten Midterm-Elections, finden traditionell am ersten Dienstag im November statt - hat historische Gründe: Der US-Kongress hatte den Dienstag im Jahr 1845 einheitlich für die Wahl der Wahlmänner von Präsident und Vizepräsident festgelegt.

Den Sonntag schloss man 1845 als Wahltag aus, weil dies der Tag des Herrn sei. Der Montag galt als Anreisetag, denn damals gab es nur ein Wahllokal in der jeweiligen Bezirkshauptstadt. Der Donnerstag fiel gänzlich aus, weil an dem Tag die damals ungeliebten Briten ihr Parlament wählten. Der Freitag galt als ungünstig, weil man sich auf den Samstag, den Markttag, vorbereiten musste. So entschied man sich für den Dienstag.

Wie laufen die Nominierungsparteitage ab?

Der letzte Schritt der Vorwahlen sind die Nominierungsparteitage - die sogenannten Conventions. Dabei küren die Delegierten aus allen Bundesstaaten den Kandidaten ihrer Partei. Die Zahl der Vertreter, die jeder Staat zum Wahlparteitag entsenden darf, hängt vor allem von seiner Bevölkerungsstärke ab. Die meisten Delegierten sind in ihrem Abstimmungsverhalten an die Vorwahlergebnisse aus ihrem Heimatstaat gebunden.

In vielen Staaten bekommt der Gewinner der Vorwahl alle Delegierten des Bundesstaats für den Parteitag zugesprochen. In manchen allerdings werden die Delegierten auch prozentual den Kandidaten zugesprochen.

Die Demokraten werden ihren Kandidaten oder ihre Kandidatin für die Präsidentschaftswahl im November bei ihrem Parteitag Mitte Juli in Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin offiziell nominieren.

Ende August findet der Parteitag der Republikaner in Charlotte, North Carolina, statt.

Was sind die Swing States?

Für die Präsidentschaftswahl sind die sogenannten Swing States von besonderer Bedeutung. So bezeichnet man die Bundesstaaten, die nicht eindeutig einem der beiden politischen Lager zuzuordnen sind. Darunter sind etwa Nevada, Florida, Pennsylvania - und auch Iowa. Diese Staaten sind ausschlaggebend für den Erfolg bei den Präsidentschaftswahlen.

Gekürt wird das Staatsoberhaupt der USA nicht nach Prozentanteilen, sondern nach Wahlmännerstimmen, welche die Kandidaten in den einzelnen Bundesstaaten erringen müssen. Der Sieger muss mindestens 270 der insgesamt 538 Wahlmänner auf sich vereinen. In fast allen Bundesstaaten gilt die Regel: "The winner takes it all" - der dortige Sieger bekommt alle Wahlmänner zugeteilt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. Januar 2020 um 18:40 Uhr.

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