Im Juni 2019 wütetet im brandenburgischen Jüterbog ein heftiger Waldbrand. | Bildquelle: dpa

Folgen des Klimawandels "Größte Naturkatastrophe in Deutschland"

Stand: 29.11.2019 16:30 Uhr

Hitzetote, Dürren, Waldbrände, Ernteausfälle: Der Klimawandel hat unmittelbare Folgen auch für Deutschland, warnt das Umweltbundesamt. Auch die UN machen Druck: Die Staaten hinken beim Klimaschutz hinterher.

Die Deutschen bekommen die Folgen des Klimawandels immer deutlicher zu spüren - bei der Gesundheit, beim Wetter und in der Wirtschaft. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Monitoring-Bericht, den das Umweltbundesamt in Zusammenarbeit mit rund 30 Bundes- und Landesbehörden sowie mit Universitäten und Fachverbänden erarbeitet hat.

Bundesregierung legt Studie zu Folgen der Erderwärmung vor
tagesschau 20:00 Uhr, 26.11.2019, Volker Schwenk, ARD Berlin

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze nannte die Ergebnisse des Berichts "alarmierend": "Die Folgen des Klimawandels treten immer deutlicher zu Tage."

Allem voran führt der Klimawandel laut Studie zu einer anhaltenden Erhöhung der durchschnittlichen Temperatur in Deutschland. Im Zeitraum von 1881 bis 2018 sei sie um 1,5 Grad Celsius angestiegen, allein in den vergangenen fünf Jahren um 0,3 Grad Celsius. Auch die Anzahl der sogenannten heißen Tage, an denen die Temperatur über 30 Grad Celsius ansteigt, hat zugenommen: Waren es 1951 noch drei Tage pro Jahr, gibt es mittlerweile im Durchschnitt zehn solcher Tage jährlich.

Mehr Todesfälle durch Hitze

Die Folgen wirken sich auf die Gesundheit der Bevölkerung aus. So nimmt bei hohen Temperaturen etwa der Pollenflug zu, was Allergikern und Asthmatikern schadet. Drastischer jedoch ist die Schlussfolgerung der Studie, dass mehr Hitzetage die Sterblichkeitsrate ansteigen lassen: Demnach sind im Jahr 2003 rund 7500 Menschen mehr gestorben als ohne Hitzeperiode zu erwarten gewesen wäre. In den Jahren 2006 und 2015 gab es jeweils 6000 zusätzliche Todesfälle.

Doch die höhere Lufttemperatur erhöht auch das Risiko von Extremwetter. Die durchschnittliche Oberflächentemperatur der Nordsee nimmt zu - die Folgen: Es drohen häufiger Sturmfluten und die Küstenerosion nimmt zu. Auch extreme Wetterlagen wie Starkregen oder Hitzeperioden könnten künftig öfter vorkommen, schließt sich die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger, den Prognosen des Monitoring-Berichts an. Wetterlagen, die ebenfalls Todesfälle mit sich bringen könnten.

"Es geht nicht nur um Gletscher und Eisbären"

Wirtschaftlich gesehen bringt der Klimawandel finanzielle Einbußen mit sich: Ernteausfälle drohen ebenso wie schwere Waldbrände. Niedrige Wasserstände, wie im vergangenen Jahr beispielsweise bei Elbe und Rhein, führen zu eingeschränktem Schiffsverkehr und Warentransport, außerdem drohen Probleme bei der Trinkwasserversorgung.

"Beim Klimaschutz geht es eben nicht nur um Gletscher und Eisbären, es geht auch um unsere Lebensgrundlagen hier in Deutschland", fasste Ministerin Schulze die Ergebnisse des Berichts zusammen und forderte konkrete Auswirkungen auf den Alltag. Bei Infrastruktur- oder Bauprojekten etwa müsste der Schutz vor extremen Wetterlagen und Hitzeperioden bedacht werden.

"Das ist die größte Naturkatastrophe in Deutschland, die wir in den letzten 50 Jahren hatten", hieß es von Präsidentin Krautzberger. Auch sie forderte eine bessere Vorsorge gegen den Klimawandel, beispielsweise durch ein von Bund und Ländern getragenes Sonderprogramm Klimavorsorge.

Besser gegen den Klimawandel wappnen, mehr für den Umweltschutz tun - diese Ziele hat sich auch die Große Koalition gesetzt. Erst vor rund anderthalb Wochen beschloss das Bundeskabinett das Klimapaket, das unter anderem mehr Elektromobilität und weniger CO2-Ausstoß fördern soll. Doch trotz der Beschlüsse hinkt Deutschland seinen Klimazielen hinterher. Bis zum kommenden Jahr hatte die Bundesrepublik ihren CO2-Ausstoß im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent senken wollen. Doch derzeit liegt die Prognose bei gerade einmal rund 30 Prozent.

UN-Staaten hinken Klimazielen hinterher

Doch Deutschland ist nicht das einzige Land mit Aufholbedarf, wie das UN-Umweltprogramm UNEP in einer aktuellen Studie kritisiert. Alle Staaten, die sich 2015 dem Pariser Klimaabkommen verpflichtet hatten, müssten ihre Bemühungen gegen den Klimawandel deutlich verstärken.

Kurzer Rückblick: 2015 kamen in Paris Vertreter aus mehr als 200 Ländern zusammen und vereinbarten das Klimaabkommen. Der Kernpunkt des Abkommens, dass im November 2016 in Kraft trat, bildete ein gesetztes Limit der Erderwärmung um 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter.

Doch laut der UNEP-Studie droht die Durchschnittstemperatur bis zum Ende dieses Jahrhunderts gegenüber vorindustrieller Zeit um bis zu 3,9 Grad anzusteigen - gut zwei Grad mehr als im Abkommen vereinbart.

Mehr Treibhausgase statt Reduzierung

Der Hauptgrund liegt aus Sicht der UN in dem nach wie vor zu hohen CO2-Ausstoß, hauptsächlich in den G20-Staaten. Die klimaschädlichen Emissionen müssten zwischen 2020 und 2030 jährlich um 7,6 Prozent sinken, um die Erderwärmung wie angestrebt einzugrenzen. Doch stattdessen seien die Treibhausgasemissionen im ablaufenden Jahrzehnt bislang jährlich um 1,5 Prozent angestiegen. Vergangenes Jahr sei gar ein "Rekordhoch" von 55,3 Gigatonnen CO2-Äquivalent erreicht worden.

Um den Klimawandel effektiver zu bekämpfen, müssten nun alle handeln, forderten die UN - jede Stadt, jede Region, jedes Unternehmen und jeder Mensch. Die Bevölkerung ihren "ökologischen Fußabdruck" durch Veränderungen im Alltag den Anforderungen des Klimawandels anpassen. Und die Staaten müssten aufgrund "unser gemeinsames Versagen, frühzeitig und entschlossen gegen den Klimawandel vorzugehen", "drastische Kürzungen der Emissionen" durchsetzen.

Ab Anfang Dezember beraten die UN-Mitglieder auf der Klimakonferenz in Madrid über Wege für einen besseren Klimaschutz.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, dass das 2015 in Paris vereinbarte Ziel, die Erderwärumg auf 1,5 Grad zu begrenzen, um ein Grad von der Berechnung der Unep-Studie abweicht. Das ist falsch, die Differenz beträgt mehr als zwei Grad.

Über dieses Thema berichteten am 26. November 2019 Deutschlandfunk um 11:00 Uhr in den Nachrichten und die tagesschau um 12:00 Uhr sowie um 14:00 Uhr.

Darstellung: