Zerstörte Häuser in Kiew | dpa

Russischer Angriffskrieg Ukraine rechnet mit weiterer Offensive

Stand: 28.11.2022 16:01 Uhr

Nach dem Beschuss von Energieinfrastruktur geht die ukrainische Regierung von einer erneuten Welle russischer Angriffe aus. Einer Armeesprecherin zufolge deutet darauf ein Kriegsschiff im Schwarzen Meer hin.

Von Stephan Laack, WDR, zzt. Köln

Die Ukraine hat sich noch nicht vollständig von den russischen Angriffen auf die Energieinfrastruktur erholt, da droht möglicherweise eine neue Angriffswelle. Davon geht zumindest die Regierung in Kiew aus. Schon in der Nacht hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Bevölkerung gewarnt und gleichzeitig zum Zusammenhalt aufgerufen.

Mit Blick auf die russischen Truppen sagte Selenskyj: "Solange sie Raketen haben, werden sie sich leider nicht beruhigen. Aber wir haben die Fähigkeit, einander zu helfen und uns um diejenigen zu kümmern, die die größten Schwierigkeiten haben." Das betreffe ältere Menschen, Familien mit Kindern, "diejenigen, denen der Krieg ihr Zuhause und ihre Verwandten genommen hat." Gegenseitige Hilfe sei "eines der Elemente des Schutzes vor Terror und unsere Stärke", so der ukrainische Präsident.

Kriegsschiff sei ins Schwarze Meer verlegt worden

Selenskyj sagte zudem, dass die angebrochene Woche genau so schwierig werden könnte wie die vergangene - man bereite sich auf neue russische Angriffe vor. Eine Armeesprecherin wurde noch konkreter: Kürzlich sei ein russisches Kriegsschiff mit Raketen an Bord ins Schwarze Meer verlegt worden. Dies deute darauf hin, dass die Vorbereitungen für einen Angriff im vollen Gange seien. Es sei sehr wahrscheinlich, dass der Beginn der Woche von einem solchen Angriff geprägt sei.

Nach Angaben des staatlichen Stromversorgers Ukrenergo haben immer noch 27 Prozent der Haushalte Probleme mit der Stromversorgung. Weiterhin kommt es in der gesamten Ukraine immer wieder zu Notabschaltungen.

Botschafter fordert weitere Waffenlieferungen

Der neue ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksij Makejew, forderte im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF weitere Unterstützung aus Deutschland - sowohl humanitäre als auch militärische.

"Heute wird sehr viel davon gesprochen, dass den Menschen geholfen werden muss und wir brauchen Generatoren und Auto-Transformatoren, die von russischen Angriffen besonders betroffen sind", so Makejew. Man müsse aber auch die Gründe dieser schwierigen Situation bekämpfen - "und das sind russische Angriffe." Die Ukraine brauche Luftabwehrsysteme und Waffen, "um uns und den Frieden in Europa zu schützen."

Berater rechnet "jeden Moment" mit Angriff

Der Berater des ukrainischen Innenministers, Wadym Denysenko, geht davon aus, dass seinem Land nicht viel Zeit bleibt, um Luft zu holen - das hätten die Erfahrungen aus der Vergangenheit gelehrt.

"In allen Wochen zuvor haben wir gesehen, dass sie durchschnittlich sieben bis 14 Tage brauchen, um einen so massiven Raketenangriff vorzubereiten. Deshalb müssen wir uns ab heute leider darauf einstellen, dass die Russen jeden Moment diesen massiven Angriff starten werden."

Streit zwischen Klitschko und Selenskyj

Der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko hat im Streit mit Präsident Selenskyj zur Einheit aufgerufen. Im Interview mit einer ukrainischen Nachrichtenagentur sagte er, wenn der Krieg vorbei sei, könne man Innenpolitik spielen. Jetzt sei jedoch die Einigkeit aller für einen Sieg nötig.

Selenskyj hatte ihn indirekt in der vergangenen Woche wegen seines Krisenmanagements kritisiert und unter anderem bemängelt, es gebe nicht genügend Wärmestuben in der ukrainischen Hauptstadt. Klitschko hatte angekündigt, den Problemen schnell auf den Grund zu gehen.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 28. November 2022 um 16:34 Uhr.