Netanyahu beim Sultan von Oman | dpa
Hintergrund

Israel und die Emirate Langsame Annäherung

Stand: 14.08.2020 01:13 Uhr

Die Beziehung zwischen Israel und den Golfstaaten ist bereits in den vergangenen Jahren enger geworden. Nach und nach haben sich inoffizielle Verbindungen etabliert. Das liegt auch an einem gemeinsamen Feind. 

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Seit Jahren schon gibt es Kontakte zwischen einigen Golfstaaten und Israel, meist im Geheimen. Was sie einander näher bringt, ist der Iran. Die Golf-Araber empfinden das Auftreten des Iran in der Region als aggressiv und bedrohlich - eine Einschätzung, die sie mit den Israelis teilen.

Carsten Kühntopp ARD-Studio Kairo

Bereits vor rund zehn Jahren warnte Mohammed bin Zayed, Kronprinz von Abu Dhabi, vor einer "Appeasement-Politik" gegenüber dem Iran. Über den damaligen iranischen Präsidenten sagte Mohammed: "Ahmadinedschad ist Hitler".

Ohne Anerkennung Israels keine internationale Akzeptanz

Seit einiger Zeit geben sich einige Golfstaaten immer weniger Mühe, die Annäherung an Israel unter der Decke zu halten. So reiste die israelische Sportministerin Miri Regev gemeinsam mit israelischen Athleten im Oktober vor zwei Jahren zum "Abu Dhabi Grand Slam", ganz offiziell. Als der israelische Judoka Sagi Muki bei dem Turnier Gold holte, gab es bei der Siegerehrung einen historischen Moment: "HaTikva", "die Hoffnung", die israelische Nationalhymne, wohl erstmals zu hören in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Für die Golf-Araber war und ist es stets ein Dilemma: Einerseits erkennen sie den Staat Israel offiziell nicht an. Andererseits möchten Städte wie Dubai, Doha und Abu Dhabi globale Drehkreuze sein. Man will große Sportturniere ausrichten und Sitz internationaler Organisationen werden. Aber das klappt letztlich nur, wenn die Gastländer auch Israel akzeptieren.

Der Präsident des Ring-, Judo- und Kickboxverbandes der Emirate, Mohamed Bin Tha'loob Al Derai, und die israelische Sportministerin Miri Regev beim "Abu Dhabi Grand Slam" 2018 | AP

Die damalige israelische Sportministerin Regev besuchte mit einer Delegation von Judoka 2018 den Abu Dhabi Grand Slam. Bild: AP

Inoffizielle diplomatische Beziehungen

Im Oktober 2018 sprach Yousuf bin Alawi bin Abdullah, der Außenminister des Oman, etwas aus, das wie eine Selbstverständlichkeit klang, aber keine war: "Israel ist ein Staat in dieser Region, und wir alle verstehen das. Auch die Welt ist sich dessen bewusst. Und vielleicht ist es jetzt an der Zeit, dass Israel wie alle anderen (Staaten) auch behandelt wird - und auch dieselben Verpflichtungen trägt."

Bin Abdullah äußerte sich auf einer internationalen Sicherheitskonferenz in Bahrain. Einen Tag zuvor war der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu von einem Besuch in Maskat, der Hauptstadt des Oman, zurückgekehrt. Dort hatte ihn der damalige Sultan Qabus empfangen, Netanyahu blieb sogar über Nacht. Es war der erste Besuch eines israelischen Regierungschefs im Oman seit 22 Jahren.

Längst ist es nicht mehr völlig ausgeschlossen, in einem Golfstaat auf einen Israeli zu treffen. So unterhielt Israel mehrere Jahre lang Handelsbüros in Katar und im Oman. In Abu Dhabi gibt es eine diplomatische Vertretung Israels bei der "Internationalen Organisation für erneuerbare Energien", kurz IRENA, die dort ansässig ist. Und bei der ins kommende Jahr verschobenen Weltausstellung "Expo2020" in Dubai wird es auch einen israelischen Pavillon geben - das war schon vor der gestern verkündeten Einigung klar.

Israelische Spionagesoftware beliebt am Golf

Allerdings machten einige Kontakte zwischen Golf-Arabern und Israelis auch unangenehme Schlagzeilen. So hatten die Saudis die Software, mit der sie das Handy des später getöteten Journalisten Jamal Khashoggi ausspionierten, von der israelischen Firma NSO Group gekauft. Die Vereinigten Arabischen Emirate setzten dieses Programm gegen den emiratischen Menschenrechtler Ahmed Mansoor ein.

Und das System "Falcon Eye", das vor vier Jahren in den Emiraten installiert wurde, um den öffentlichen Raum dort vollständig zu überwachen, bestellte Abu Dhabi bei der Firma des ehemaligen israelischen Geheimdienstlers Mati Kochavi. Einige Jahre zuvor hatte Kochavi bereits den Auftrag erhalten, ein Sicherheitssystem zum Schutz der Öl- und Gasförderanlagen in Abu Dhabi einzurichten.

Über dieses Thema berichtete am 14. August 2020 die tagesschau um 04:57 Uhr und Deutschlandfunk um 06:23 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen".