Sicherheitskräfte am Eingang des Gerichtsgebäudes in der Nähe von Ankara | AP

Putsch-Großprozess in der Türkei Lebenslange Haft für mehr als 30 Ex-Militärs

Stand: 07.04.2021 15:22 Uhr

250 Verhandlungstage, 497 Angeklagte: In einem der großen Prozesse um den Putschversuch in der Türkei ist das Urteil gefallen. Mehr als 30 ehemalige Militärkommandanten wurden zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt.

Von Aydogan Makasci, ARD-Studio Istanbul

Es ist der Schlussstrich unter einen Marathon-Prozess: Fast 250 Verhandlungstage seit Oktober 2017 - und Ermittlungen gegen fast 500 Angeklagte. Im Fokus: die ehemalige türkische Präsidentengarde.

Aydogan Makasci

"Das Regiment der Leibwächter des Staatspräsidiums war ein Ort, wo der Putsch geplant wurde, wo detailliert daran gearbeitet wurde, wie und an welchen Orten der Putsch durchgeführt werden soll", sagte Klägeranwalt Serhat Yilmaz.

Yilmaz war für das Präsidialamt vor Gericht erschienen, daneben hatte unter anderen auch die Intendanz des Staatssenders TRT geklagt. Dieser war in der Nacht des Putschversuchs von mehr als 100 Soldaten eingenommen wurden. Eine Nachrichtensprecherin wurde gezwungen, eine Erklärung der Putschisten zu verlesen.

200 Soldaten freigesprochen

Gegen mehr als 30 hochrangige ehemalige Kommandanten hat das Gericht nun lebenslange Haftstrafen verhängt. "Diese Prozesse sollen ihnen eine Lektion sein", sagte Klägeranwalt Alaatin Varol. "Die Täter haben die höchsten Strafen bekommen, die unsere Gesetze vorsehen. Wenn es die Todesstrafe gegeben hätte, dann hätten sie auch die bekommen."

Auch Freisprüche gab es am Ende des Tages: für rund 200 einfache Soldaten, denen nicht nachgewiesen werden konnte, am Putsch beteiligt gewesen zu sein. Angehörige oder Anwälte von ihnen wollten sich nach dem Urteil aber nicht äußern.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. April 2021 um 15:00 Uhr.