Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen hebt während der Zeremonien am Nationalfeiertag den Daumen | EPA

Konflikt um "Wiedervereinigung" Taiwan will sich Druck aus Peking nicht beugen

Stand: 10.10.2021 11:53 Uhr

Taiwan ist einer der großen Konfliktherde der Welt - und die Situation verschärft sich. Nachdem die Führung in Peking gestern erneut sehr deutlich gemacht hat, dass sie Taiwan als Teil Chinas ansieht, kam nun eine deutliche Antwort aus Taipeh.

Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen hat die Forderung von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping zur "Wiedervereinigung" zurückgewiesen. "Es sollte absolut keinerlei Illusionen geben, dass sich das taiwanische Volk Druck beugen wird", sagte Tsai in einer Rede zum Nationalfeiertag in der Hauptstadt Taipeh.

Die Inselrepublik werde ihre Verteidigung ausbauen, um sicherzustellen, dass niemand Taiwan zwingen könne, den Weg zu nehmen, den Peking vorzeichne. Dieser biete "weder ein freies und demokratisches Leben, noch Souveränität" für die 23 Millionen Taiwaner.

Xi: Könnte "ein böses Ende" nehmen

Die Präsidentin reagierte auf den Aufruf von Chinas Staats- und Parteichef vom Vortag, sich der kommunistischen Volksrepublik anzuschließen. Die kommunistische Führung in Peking droht mit einer gewaltsamen Eroberung Taiwans, das als "untrennbarer Teil" der Volksrepublik angesehen wird.

"Die vollständige Wiedervereinigung unseres Landes wird und kann verwirklicht werden", so Chinas Staats- und Parteichef Xi gestern. Eine Vereinigung mit "friedlichen Mitteln" diene am besten der Nation. Er warnte aber, dass eine Abspaltung Taiwans "ein böses Ende" nehmen werde. Xi warnte zudem vor einer ausländischen Einflussnahme: "Die Taiwan-Frage ist eine rein innere Angelegenheit Chinas, die keine Einmischung von außen zulässt."

Militärparade zum Nationalfeiertag in Taiwan. | EPA

Ein deutliches Symbol: Militärparade zum Nationalfeiertag in Taiwan. Bild: EPA

Flugzeuge Richtung Taiwan geschickt

Der Taiwan-Konflikt geht auf den chinesischen Bürgerkrieg zurück. 1949 vertrieben die Kommunisten unter Führung von Mao Zedong die bis dahin in China regierenden Nationalisten nach Taiwan. Die Insel regiert sich seitdem selbst und hat sich seit den 1980er-Jahren zu einer lebendigen Demokratie entwickelt, während die Volksrepublik China eine Diktatur ist.

Die Regierung in Peking hat nie ausgeschlossen, Taiwan mit Militärgewalt unter ihre Kontrolle zu bringen. Vergangene Woche schickte die Volksrepublik 149 mal Flugzeuge in Richtung Taiwan, bei der größten Aktion dieser Art waren es 52 Maschinen auf einmal.

Gleiches Schicksal wie Hongkong?

Umfragen zeigen, dass der Großteil der taiwanesischen Bevölkerung nicht von Peking regiert werden will. Die meisten Taiwaner sind für die Aufrechterhaltung des Status quo. Vor allem unter jungen Menschen nehmen aber nationalistischere Einstellungen zu. Viele von ihnen befürchten, dass Taiwan dasselbe Schicksal wie Hongkong drohen könne, sollte der chinesische Einfluss zunehmen.

In der ehemals britischen Kronkolonie Hongkong war den Menschen bei der Rückgabe an China 1997 weitgehende Autonomie zugesichert worden. Der in Hongkong lange verfolgte Grundsatz "Ein Land, zwei Systeme" ist aus Sicht von Kritikern inzwischen jedoch durch "ein Land, ein System" ersetzt worden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Oktober 2021 um 11 :00 Uhr sowie die tagesschau am 09. Oktober 2021 um 20:00 Uhr.

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Moderation 10.10.2021 • 20:40 Uhr

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