Fragen und Antworten

Astronaut Alexander Gerst formt kurz vor Start seiner Weltraummission mit seinen Händen ein Herz. | Bildquelle: dpa

"Sojus" und die Folgen Was die Panne für Gerst bedeutet

Stand: 12.10.2018 16:07 Uhr

Nach der "Sojus"-Panne fehlen ISS-Kommandant Gerst zwei Astronauten-Kollegen. Bemannte Raketenstarts sind zudem ausgesetzt. Was bedeutet das?

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Von Juliane Fliegenschmidt, ARD-Studio Moskau

Was bedeutet der "Sojus"-Fehlstart für die Versorgung der Astronauten?

Essen, Trinken und Sauerstoff gibt es auf der Internationalen Raumstation ISS ausreichend. Die "Sojus"-Rakete sollte nur den russischen Kosmonauten Alexej Owtschinin und den US-Astronauten Nick Hague zur ISS bringen. Versorgungsprobleme seien deshalb nicht absehbar, so Marco Trovatello, Pressesprecher am Europäischen Astronautenzentrum. Es gibt genug Nahrung für die nächsten Monate, insbesondere da nun statt der vorgesehenen fünf Astronauten nur drei auf der Raumstation leben. Und die ISS wird nicht nur von "Sojus"-Raketen versorgt: Versorgungs- und Materialflüge bieten inzwischen mehrere unterschiedliche Firmen und Raumfahrtagenturen an. So fliegt beispielsweise das "Dragon"-Raumschiff der privaten amerikanischen Firma Space X zur ISS.

Sojus-Absturz | Bildquelle: dpa
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Notgelandete Raumkapsel "Sojus": Auswirkungen auf Außenbordeinsätze der ISS.

Ist die wissenschaftliche Arbeit beeinträchtigt?

Das ist nach dem Fehlstart das größte Problem für die Besatzung auf der ISS: Es fehlen einfach Kollegen für die vielen hundert Experimente. Astronautenzeit - so nennen die Raumfahrtexperten die Zeit, die Wissenschaftler auf der Erde quasi für ihre Experimente buchen können - ist äußerst kostbar.

Gerst und seine Kollegen haben nur eine Stunde Freizeit an Wochentagen. Die kann man ihnen nicht auch noch wegnehmen. Jetzt erstellen die ESA-Raumfahrtexperten auf der Erde eine Prioritätenliste, um zu entscheiden, welches der 300 internationalen Projekte aufgeschoben werden könnte.

Gerst wird deshalb wohl nicht aus der ISS in den Weltraum aussteigen. Eigentlich waren Außenbordeinsätze am 19. und 25. Oktober gemeinsam mit seinem US-Kollegen Hague geplant. Sie sollten neue Batterien an einem Teil der ISS montieren. Selbst wenn er mit einem anderen Kollegen den Weltraumspaziergang vornehmen könnte - zurück in der Raumstation bliebe dann nur noch ein Astronaut. Das sei als Sicherung zu wenig, so die ESA.

Wie kommt Gerst zurück auf die Erde?

Eigentlich sollte Gerst ein halbes Jahr auf der ISS bleiben. Über eine Verlängerung des Aufenthalts ist noch nicht endgültig entschieden. Aber es erscheint sehr wahrscheinlich, dass er und seine beiden Kollegen, der Russe Sergej Prokopjew und die Amerikanerin Serena Aunon-Chancellor, nicht wie ursprünglich geplant am 13. Dezember zurückfliegen. Länger zu bleiben, ist für die Astronauten auch kein Problem. Der US-Astronaut Scott Kelly und der russische Kosmonaut Michael Kornijenko waren beide ab März 2015 für knapp ein Jahr auf der ISS.

Begrenzt ist der Aufenthalt durch Gersts "Sojus"-Kapsel: Die drei Astronauten müssen den Rückweg wieder mit ihrer Kapsel antreten, die an der ISS angedockt ist. Doch sie hat eine Art Mindesthaltbarkeitsdatum: rund 200 Tage. So lange gilt die Zertifizierung. Ein wenig könne man diese Zeit überziehen, aber nicht zu sehr. Deshalb gehen Experten davon aus, dass die Crew im Januar zurückkehren muss.

Kann die ISS auch ohne Besatzung durchs All fliegen?

Dass es so kommt, ist erst einmal spekulativ. Bisher ist noch nicht geklärt, wie lange die Untersuchungen des "Sojus"-Fehlstarts dauern. Ursprünglich sollten am 20. Dezember drei neue Besatzungsmitglieder mit einer "Sojus"-Rakete zur ISS kommen. Sollte dieser Flug nicht stattfinden können und Gerst sowie die beiden weiteren Astronauten zurückkommen müssen, würde man die ISS auch unbemannt lassen können, meint die ESA. Allerdings war das bisher nur ganz am Anfang, als die Raumstation im Aufbau war, der Fall.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 11. Oktober 2018 um 22:15 Uhr.

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