Leichnam vor Knesset aufgebahrt Tausende erweisen Scharon letzte Ehre

Stand: 12.01.2014 16:37 Uhr

Viele beteten. Manche weinten. Und einige salutierten sogar: Tausende Israelis haben am Sarg Abschied von Ariel Scharon genommen. Premierminister Netanjahu würdigte ihn als "großen Anführer und mutigen Kommandeur".

Von Tim Aßmann, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv

Tausende kamen, um Ariel Scharon die letzte Ehre zu erweisen. Nachdem die Zeremonie mit einer Kranzniederlegung durch Staatspräsident Schimon Peres begonnen hatte, bildete sich eine Schlange vor Israels Parlament, der Knesset. Einige der Trauernden salutierten vor dem Sarg. Manche beteten. Manche weinten. Flankiert von vier bewaffneten Soldaten und zwei Rabbinern stand der Sarg auf dem Vorplatz - bedeckt von einer israelischen Fahne.

Das Land trauert um einen Mann, der zeitlebens polarisierte, zunächst als eigenmächtiger Offizier, später als durchsetzungsstarker Politiker. "Wir haben einen ganz Großen verloren", meinte eine Frau aus Jerusalem. "Scharon war einer aus der Gründergeneration Israels, die nun fast verschwunden ist. Er hat viel für diesen Staat getan. Er hat diesem Land sein Leben gewidmet."

Schimon Peres vor dem Sarg Ariel Scharons.
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Schimon Peres legt einen Kranz vor dem Sarg Ariel Scharons nieder.

"Wir alle spüren eine Leere"

Israels Premier Netanjahu würdigte Scharon als großen Anführer und mutigen Kommandeur. Das Kabinett legte eine Schweigeminute ein. Die Nachricht von Scharons Tod war für das Land nicht überraschend gekommen, aber nun gibt es kein anderes Thema, weder in den Zeitungen noch im Fernsehen.

Von 2001 bis zu seinem Schlaganfall 2006, der ihn ins Koma fallen ließ, war Ariel Scharon Premierminister. Nachfolger wurde Ehud Olmert. So wie er sehen den Verstorbenen heute viele im Land. „Ariel konnte entschlossen, hart und manchmal auch grausam sein", so Olmert. "An erster Stelle wusste er aber, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Er war ein Anführer. Es gab vor ihm nicht viele wie ihn. Zurzeit gibt es auch keinen, und vielleicht wird es auch keinen mehr geben.“

Israel nimmt Abschied von Scharon
tagesschau 16:15 Uhr, 12.01.2014, Markus Rosch, ARD Tel Aviv

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Was dieser Tage in Israel überwiegt, das ist die Erinnerung an einen Politiker mit dem unbedingten Willen zu führen - ein solcher Politiker fehlt aktuell. Auch deshalb ist die Trauer so groß, meint ein Mann aus Tel Aviv: "Wir alle empfinden Ariel Scharon als eine Art Vater und haben das Gefühl, dass es keinen Ersatz für ihn gibt. Ich glaube, das lässt uns alle eine gewisse Leere spüren."

Scharons Sarg vor Knesset aufgebahrt
T. Aßmann, ARD Tel Aviv
12.01.2014 15:37 Uhr

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Scharon und die Palästinenser

Bei den Palästinensern war Scharon verhasst. Daran änderte auch der von ihm verordnete Abzug aus dem Gaza-Streifen 2005 nichts. Scharon setzte im Umgang mit den Palästinensern auf militärische Härte, er galt als Vater der jüdischen Siedlerbewegung in den besetzten Gebieten. In Erinnerung bleibt sein provokanter Spaziergang auf den Jerusalemer Tempelberg. Es folgte die zweite Intifada mit insgesamt knapp viertausend Toten auf beiden Seiten.

Was ebenfalls bleibt: 1982 massakrierten libanesische Milizen in Beirut palästinensische Flüchtlinge. Israels Militär schaute dabei zu. Scharon musste deshalb als Verteidigungsminister zurücktreten. In den palästinensischen Gebieten löste Scharons Tod teils sogar offene Freude aus.

Steinmeier auf dem Weg nach Israel

Israel wird nun mit einer Gedenkfeier in der Knesset Abschied von Scharon nehmen. Danach wird er auf seiner Farm im Süden des Landes beigesetzt. Zu den Trauerfeierlichkeiten werden Staatsgäste aus aller Welt erwartet. Aus Deutschland kommt Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der am Abend zu einem schon vorher geplanten Besuch in der Region erwartet wird.

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Zum Tod von Ariel Scharon: Das Leben des ehemaligen israelischen Premierministers

Das Leben des ehemaligen israelischen Premierministers

Ariel Scharon während des Sechstagekrieges

Ariel Scharon während des Sechstagekrieges im Juni 1967 auf der Sinai-Halbinsel. Der 1928 in einem Dorf bei Tel Aviv geborene Sohn osteuropäischer Einwanderer schlug nach dem Studium eine militärische Karriere ein.

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