Der belarusische Machthaber Lukaschenko und der russische Präsident Putin auf einer Yacht bei ihrem Treffen in Sotschi | dpa

Nach Gipfel in Sotschi Russland gibt Belarus weiter Kredit

Stand: 29.05.2021 21:18 Uhr

Während die USA neue Sanktionen gegen Belarus verhängen, gewährt Russland dem Land einen neuen Kredit. In Warschau riefen die Eltern des inhaftierten Bloggers Protasewitsch den Westen zu Hilfe auf.

Russland will das international weitgehend isolierte Land Belarus bis Ende Juni mit einem weiteren Kredit in Höhe von 500 Millionen US-Dollar unterstützen.

Das sei bei einem Treffen des belarusischen Machthabers Alexander Lukaschenko mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vereinbart worden, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow laut der Agentur Interfax.

Es handele sich um die zweite Tranche eines Kredits, der noch vor der international heftig kritisierten Zwangslandung eines Passagierflugzeugs am vergangenen Sonntag in Minsk beschlossen worden sei.

Zuvor hatten die USA neue Sanktionen gegen Belarus verhängt. Die Vereinigten Staaten erklärten, in Absprache mit der EU und weiteren Partnern gezielte Sanktionen gegen "Schlüsselfiguren des Regimes" vorzubereiten.

Kreml will Flugzeugvorfall "genau untersuchen"

Die Konfrontation zwischen Belarus und dem Westen hatte sich zugespitzt, weil Lukaschenko am vergangenen Sonntag eine Ryanair-Passagiermaschine auf den Boden bringen ließ, um einen seiner Gegner festnehmen zu lassen.

Der Blogger Roman Protasewitsch sitzt seither in Haft, ebenso wie seine Freundin Sofia Sapega, eine Russin. Sapegas Schicksal sei Russland "nicht egal", sagte Kremlsprecher Peskow. Gleichzeitig betonte er, dass die 23-Jährige zwar russische Staatsbürgerin sei, aber eine Aufenthaltsgenehmigung in Belarus habe.

Man müsse die Situation genau untersuchen und dürfe keine voreiligen Schlüsse ziehen, so Peskow weiter. Offenbar gehe es in den europäischen Hauptstädten aber nicht um eine Klärung der Umstände, sondern es würden Entscheidungen basierend auf Emotionen gefällt, sagte Peskow weiter.

Appell von Protasewitschs Eltern

Protasswitschs Eltern riefen bei einer Demonstration in Warschau den Westen zur Hilfe auf. Sie appelliere an alle EU-Länder sowie die USA, "uns bei der Befreiung Romans" und von dessen Partnerin Sapega zu helfen, sagte Protassewitschs Mutter Natalia bei der Kundgebung. "Wir wollen in einem freien Land leben, in einem Land, in dem jeder das Recht hat, seine Überzeugungen auszudrücken", fügte Protasewitschs Vater Dmitri hinzu.

An der Solidaritätskundgebung für die belarusische Opposition in der polnischen Hauptstadt nahmen Hunderte Menschen teil. Die Menge rief "Lang lebe Belarus!" und hielt Fahnen mit den rot-weißen Farben der belarusischen Opposition hoch. Auf Spruchbändern wurde Belarus unter anderem als "Nordkorea in der Mitte Europas" bezeichnet.

Auch die ins EU-Land Litauen geflüchtete Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja forderte Solidarität mit Protassewitsch, Sapega und anderen politischen Gefangenen. Weltweit versammelten sich Menschen zu Kundgebungen, unter anderem auch in Berlin. Auch in der belarusischen Hauptstadt Minsk gingen mehrere Dutzend Menschen gegen Machthaber Lukaschenko auf die Straße.