Der Autor Salman Rushdie wird auf einer Trage zu einem Hubschrauber gebracht, der ihn in ein Krankenhaus transportiert, nachdem er während eines Vortrags in der Chautauqua Institution angegriffen wurde. | dpa

Attentat auf Salman Rushdie "Dies war immer ein sicherer Ort"

Stand: 13.08.2022 21:22 Uhr

Nach dem Messerangriff auf Salman Rushdi ist das Entsetzen in den USA groß. Gegen den mutmaßlichen Attentäter wurde Mord-Anklage erhoben. Waren die Sicherheitsmaßnahmen zu gering? Die Veranstalter verteidigen sich.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Einen Tag nach der schweren Messerattacke auf Salman Rushdie ist das Entsetzen in den USA groß. "Ein Angriff auf die Rede und Gedankenfreiheit", schrieb der demokratische Mehrheitsführer Chuck Schumer auf Twitter. Die Gewalttat sei entsetzlich, so der nationale Sicherheitsberater des Weißen Hauses, Jake Sullivan.

Claudia Sarre ARD-Studio Washington

Und sofort beginnt die Debatte, wie es zu dem brutalem Angriff auf den 75-jährigen Autor kommen konnte. Nach CNN-Informationen hätten die Veranstalter der Chautaqua Institution - dem Veranstaltungsort in Upstate New York, wo Salman Rushdie auftreten sollte - eine Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen abgelehnt. Der Präsident des Zentrums, Michael Hill, bestreitet das.

Man nehme die Sicherheitsvorkehrungen sehr ernst: "Das war eine Top-Priorität für uns in den vergangenen fünf Jahren. So etwas ist noch nie passiert in der Geschichte von Chautaqua. Dies war immer ein extrem sicherer Ort, und wir werden dafür sorgen, dass es so bleibt."

Gesundheitszustand von Rushdie ist unverändert

Eigentlich wollte Rushdie in Chautaqua, nicht weit von der kanadischen Grenze, über sein Herzensthema sprechen: Schriftsteller im Exil, die wegen ihrer Meinung verfolgt und bedroht werden. Doch dazu kam es nicht. Noch während der Moderator ihn vorstellte, wurde Rushdie von einem schwarzmaskierten Attentäter attackiert und mit etlichen Messerstichen schwer verletzt.

"Ein Mann stürmte aus dem Publikum auf die Bühne, und fing an ihn zu schlagen und auf ihn einzustechen, das war nicht ganz klar. Überall war Blut, und alle waren geschockt", beschreibt der AP-Reporter Joshua Goodmann die dramatischen Ereignisse.

Rushdie wurde sofort mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen und operiert. Nun liegt er im Koma, angeschlossen an ein Beatmungsgerät. Die Verletzungen seien schwer, hieß es. Rushdie drohe ein Auge zu verlieren, Leber und Nerven im Arm seien geschädigt, aber akute Lebensgefahr bestehe nicht. Der Angreifer wurde noch an Ort und Stelle festgenommen.

Bei dem Verdächtigen handle es sich um den 24-jährigen Hadi Matar aus Fairview, New Jersey, so Eugene Staniszewski von der New Yorker Polizei. Bei den Ermittlungen arbeite man mit dem FBI und dem Sheriff vor Ort zusammen, fügte er hinzu.

Weiterhin keine Angaben zum Motiv

Matar wurde inzwischen wegen versuchtem Mord zweiten Grades und Körperverletzung zweiten Grades angeklagt. Das teilte der Bezirksstaatsanwalt von Chautauqua County, Jason Schmidt, mit. Matar sitzt in Untersuchungshaft, ohne dass derzeit eine Möglichkeit zur Freilassung gegen Kaution besteht. Zu einem Tatmotiv gibt es weiter keine Angaben. Am Abend erschien Matar vor Gericht. Sein Anwalt plädierte auf nicht schuldig.

Nach Informationen von NBC durchforsten Polizeiermittler die Social-Media-Konten des Angreifers. Darin gäbe es Hinweise, dass er mit dem schiitischen Extremismus und der iranischen Revolutionsgarde sympathisiere. Er habe beispielsweise ein Bild des iranischen Religionsführers Ayatollah Khomeini auf Facebook gepostet.

Nach der Veröffentlichung von Rushdies Buch "Die Satanischen Verse" hatte der iranische Revolutionsführer 1989 per Fatwa - einer religiösen Anweisung - zur Tötung Rushdies aufgerufen. Khomeini warf dem Autor vor, in seinem Roman den Islam, den Propheten Mohammed und den Koran beleidigt zu haben.  

Jahrelang befand sich Rushdie in Lebensgefahr und musste sich verstecken. Seit mehr als 20 Jahren lebt er nun ohne Personenschutz in New York City. In einem Interview mit dem Magazin "Stern" sagte er erst kürzlich, er fühle sich in den USA sicher. Die Jahre, in denen um sein um sein Leben bangen musste, seien vorbei.

 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. August 2022 um 20:00 Uhr.