Ein Grenzpfeiler in den Nationalfarben Polens steht nahe dem Grenzübergang Stadtbrücke zwischen dem polnischen Slubice und Frankfurt (Oder) in Brandenburg. | dpa

Corona-Pandemie Polen wird von dritter Welle überrollt

Stand: 20.03.2021 17:35 Uhr

Inzidenz bei mehr als 300, die Zahl der Covid-Betten muss verdoppelt werden: Die Corona-Lage in Polen ist ernst. Trotz der Einstufung als Hochinzidenzgebiet soll die Grenze zum deutschen Nachbarn aber für Pendler passierbar bleiben.

Die Corona-Lage beim deutschen Nachbarn Polen ist nach Aussage von Gesundheitsminister Adam Niedzielski ernst. Beim Anstieg der Infektionszahlen sei eine "sehr große Beschleunigung" zu beobachten, sagte er auf einer Pressekonferenz. Diese Entwicklung sei auf die britische Virusvariante zurückzuführen, die als ansteckender gilt. "Man kann sagen, dass diese Mutante andere Virusvarianten verdrängt", erklärte Niedzielski. Man schätze, dass sie landesweit bereits für 60 bis 80 Prozent aller neuen Fälle verantwortlich sei.

Die Regierung kündigte an, dass in den nächsten Tagen zusätzliche Notkrankenhäuser eröffnet werden, unter anderem in der stark betroffenen Woiwodschaft Schlesien. Die Zahl der Betten für Covid-19-Patienten soll langfristig fast verdoppelt werden.

Mehr als 23.000 Neuinfektionen

Die polnischen Behörden meldeten am Samstag 26.405 neue Corona-Fälle innerhalb von 24 Stunden. Mehr als 23.000 Covid-19-Patienten waren im Krankenhaus in Behandlung, von denen mehr als 2300 beatmet werden mussten. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche lag über dem Wert von 300. Seit Beginn der Pandemie gab es in dem Land mit rund 38 Millionen Einwohnern mehr als zwei Millionen bestätigte Infektionen und 49.159 Todesfälle.

In dem Land trat am Samstag ein neuer Lockdown in Kraft: Die meiste Läden sowie Schulen, Kinos, Sportstätten und Hotels müssen für mindestens drei Wochen dicht machen. Die Regierung in Warschau rief Beschäftigte auf, möglichst von zuhause aus zu arbeiten.

Ausnahmen für Grenzpendler

Wegen der stark gestiegenen Infektionszahlen stuft Deutschland das Nachbarland von Sonntag an als Hochinzidenzgebiet ein. Für Einreisen gelten damit strenge Regeln. Reisende aus Polen müssen an der Grenze einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf, wie der Koordinator der Bundesregierung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke ankündigte. Weiterhin gelten die bereits bestehende Quarantänepflicht und die digitale Einreiseanmeldung.

"Wir tun aber alles, um grenzüberschreitendes Leben und Arbeiten so wenig wie möglich zu beeinträchtigen, indem wir Ausnahmeregelungen für Grenzpendler vorsehen", sagte Woidke. Brandenburger und polnische Grenzgänger, die wegen ihrer Arbeit, Schule, Studium oder zum Besuch enger Angehöriger die Grenze passieren müssten, seien von der Quarantänepflicht ausgenommen, teilte die Staatskanzlei mit. Berufspendler müssten sich aber zwei Mal wöchentlich testen lassen. Die Landesregierung unterstütze dies mit dem Aufbau von vorerst drei Teststationen in Frankfurt (Oder), an der Autobahn A12 und in Guben (Spree-Neiße).

Angesichts der hohen Zahlen in Polen sagte Woidke: "Ich bedaure das sehr und wünsche unseren polnischen Nachbarn, dass sich die Situation bald wieder entspannt." Er wolle die Situation in Kürze mit seinem polnischen Partner beraten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. März 2021 um 17:50 Uhr.

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Moderation 20.03.2021 • 23:44 Uhr

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