Kolonialzeit: Deutsche in Namibia | Bildquelle: picture-alliance / akg-images

Kolonialzeit-Entschädigung Namibia lehnt deutsches Angebot ab

Stand: 12.08.2020 06:49 Uhr

Zehn Millionen Euro als Wiedergutmachung - dieses Angebot Deutschlands als Wiedergutmachung für Verbrechen in der Kolonialzeit ist für Namibias Regierung inakzeptabel. Grund ist offenbar nicht das Geld allein.

Namibia hat ein Entschädigungsangebot Deutschlands bei den Verhandlungen zur Aufarbeitung der Kolonialzeit abgelehnt. Zehn Millionen Euro als Wiedergutmachung zu zahlen, sei für Präsident Hage Geingob weiter "nicht akzeptabel", zitierte die Zeitung "The Namibian" den Berater des Präsidenten, Alfredo Hengari.

Geingob selbst twitterte, er sei über den Stand der Gespräche informiert worden und habe empfohlen, die Verhandlungen fortzusetzen. "Wir bleiben beim Abschluss dieser Schlüsselmission konsequent", schrieb er.

Entschädigung oder Reparation?

Strittig ist unter anderem die Bezeichnung der Entschädigungen als Reparationen. Geingob erklärte, die Bundesregierung lehne die Verwendung des Begriffs weiterhin mit der Begründung ab, dass dieser auch bei den Verhandlungen Berlins mit der israelischen Regierung über Wiedergutmachungen für Holocaust-Opfer vermieden worden sei. Einen von der Bundesregierung vorgeschlagenen Alternativbegriff lehnte wiederum Geingob ab. Die Terminologie werde daher weiter Gegenstand der Verhandlungen bleiben, erklärte Namibias Staatschef.

Berlin und Windhoek verhandeln seit 2015 über eine Vereinbarung, die neben einer offiziellen Entschuldigung Deutschlands für die Kolonialverbrechen auch Zusagen für Entwicklungshilfen enthalten soll.

Historiker sprechen von Völkermord

Zwischen 1904 und 1908 waren unter der deutschen Kolonialherrschaft im heutigen Namibia Zehntausende Angehörige der Volksgruppen Herero und Nama durch deutsche Truppen getötet worden. Historiker bewerten die Massaker als ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts.

Deutschland hat eingeräumt, dass es während der Kolonialherrschaft Gräueltaten gegeben hat. Eine offizielle Entschuldigung oder eine Entschädigung dafür gibt es bisher aber nicht.

Denkmal zur Erinnerung an den von deutschen Kolonialtruppen begangenen Verbrechen an den Herero und Nama. | Bildquelle: dpa
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Ein Denkmal zur Erinnerung an die von deutschen Kolonialtruppen begangenen Verbrechen an den Herero und Nama (etwa 1904-1907) im Zentrum der namibischen Hauptstadt Windhoek: Die Inschrift lautet übersetzt etwa: "Ihr Blut nährt unsere Freiheit".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. August 2020 um 08:30 Uhr.

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