Myanmars ausgesperrter Botschafter in London wendet sich an die dortige Polizei | dpa

Vertretung in London Myanmar sperrt eigenen Botschafter aus

Stand: 08.04.2021 07:09 Uhr

Der lange Arm der Generäle in Myanmar reicht offenbar bis nach Großbritannien: Die Vertretung von Myanmar in London ist laut dessen Botschafter vom Militärattaché "besetzt". Er selbst wurde ausgesperrt.

Dem Botschafter von Myanmar in Großbritannien ist nach eigenen Angaben der Zugang zu seiner Vertretung in London durch den Militärattaché verweigert worden. Auf die Frage, wer sich in der Botschaft befinde, antwortete  Botschafter Kyaw Zwar Minn am Mittwochabend: "Der Militärattaché - sie besetzen meine Botschaft". Zuvor hatten Medien über den Vorfall berichtet. 

Proteste vor Botschaft

Er sei nicht länger der Vertreter des Landes, zitierte die BBC den Botschafter. Dem "Telegraph" sagte Kyaw Zwar Minn demzufolge: "Sie sagten, sie hätten eine Anweisung aus der Hauptstadt erhalten, deshalb würden sie mich nicht reinlassen." Laut Londoner Polizei versammelten sich vor der Botschaft Menschen, um gegen die Aussperrung des Botschafters zu protestieren.

Gegen Junta gestellt

Die seit dem Staatsstreich in Myanmar an der Spitze des Landes stehende Militärjunta hatte den Botschafter im vergangenen Monat abberufen. Dieser hatte eine Erklärung veröffentlicht, in der er die Generäle aufforderte, die entmachtete De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi sowie Präsident Win Myint freizulassen. 

Über den Militärattaché und andere, die nach seiner Schilderung die diplomatische Vertretung "besetzt" halten, sagte der Botschafter: "Als ich die Botschaft verließ, stürmten sie ins Innere der Botschaft." Er werde "die ganze Nacht" vor dem Gebäude bleiben, so Kyaw Zwar Minn gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Er forderte die britische Regierung auf, zu intervenieren.

Scharfe Kritik von Großbritannien

Das britische Außenministerium teilte mit, es gehe Informationen "nach einem Vorfall in der Botschaft" nach. Großbritannien, die ehemalige Kolonialmacht Myanmars, gehört zu den schärfsten Kritikern der Militärjunta. Erst vergangene Woche hatte London weitere Sanktionen gegen die Generäle in dem südostasiatischen Land verhängt. 

In Myanmar gibt es seit dem Putsch Anfang Februar landesweite Massenproteste. Die Demonstranten fordern die Rückkehr zu demokratischen Reformen und die Wiedereinsetzung von Suu Kyis ziviler Regierung. Mehr als 580 Menschen wurden seitdem getötet, Tausende festgenommen. Allein gestern starben 15 Menschen bei den Protesten. Es wird befürchtet, dass die Zahl der Opfer sehr viel höher sein könnte.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. April 2021 um 08:00 Uhr in den Nachrichten.