Migranten kommen in der spanischen Exklave Ceuta an. | AP

Spanische Nordafrika-Exklave Tausende Migranten schwimmen nach Ceuta

Stand: 18.05.2021 01:11 Uhr

Marokko hat offenbar die Grenzkontrolle zur spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta ausgesetzt. Tausende Menschen schwammen daraufhin durchs Mittelmeer in den europäischen Außenposten.

Mindestens 5000 Migranten haben am Montag von Marokko aus die spanische Exklave Ceuta erreicht. Wie ein Sprecher der spanischen Behörden in Ceuta mitteilte, gelangten binnen eines Tages noch nie so viele Migranten auf das spanische Territorium an der nordafrikanischen Küste. Unter den Migranten sind demnach rund tausend Minderjährige.

Die Menschen seien von marokkanischen Stränden südlich von Ceuta gekommen, sagte der Behördensprecher. Einige hätten die spanische Exklave mit Schwimmringen oder in kleinen Schlauchbooten erreicht. An einigen Stellen hätten die Migranten bei Ebbe auch zu Fuß gehen können, andere wiederum überquerten die Landgrenze.

Etwa 1500 der Angekommenen seien Minderjährige, schrieb die in Ceuta erscheinende Zeitung "El Faro". Mindestens ein Mensch sei ums Leben gekommen. Das Aufnahmelager der Exklave sei völlig überfüllt und viele der Migranten irrten in der Stadt mit 85 000 Einwohnern herum, hieß es in den Berichten. Die spanische Militärbasis in Ceuta habe logistische Hilfe angeboten und den Schutz ihrer eigenen Einrichtungen verstärkt. Die Zentralregierung in Madrid kündigte die Entsendung von 200 zusätzlichen Polizisten an.

Die Zeitung "El País" schrieb, nie zuvor seien so viele Menschen auf einmal nach Ceuta gekommen. Es sei wie eine "Autobahn auf dem Meer". Die meisten der Ankommenden seien Männer, aber es seien auch Frauen und Familien dabei.

Karte mit Ceuta und Gibraltar

Vermutungen zu Tatenlosigkeit der marokkanischen Polizei

Nach unbestätigten Medienberichten machten sich auch in der Stadt Tanger Migranten aus Ländern südlich der Sahara auf in Richtung Ceuta. Die spanische Regierung entsandte 200 zusätzliche Polizisten in die Exklave. Viele Marokkaner haben ihre Arbeit und Einkommen verloren, seit Marokko die Grenze zu Ceuta und der anderen spanischen Nordafrika-Exklave Melilla im März 2020 wegen Corona geschlossen hat. Immer wieder demonstrierten Menschen für eine Öffnung der Grenze.

Als möglichen Grund für die Tatenlosigkeit der marokkanischen Polizei nannten spanische Medien die Verärgerung der Regierung in Rabat darüber, dass Spanien die medizinische Behandlung des Chefs der Unabhängigkeitsbewegung Polisario für Westsahara, Brahim Ghali, erlaubte. Er wird seit April in einem spanischen Krankenhaus wegen einer Corona-Erkrankung behandelt. Die Regierung in Madrid hatte humanitäre Gründe geltend gemacht.

Streit um Unabhängigkeit Westsaharas

Bereits am 26. April hatten 128 Marokkaner schwimmend Ceuta erreicht. Die meisten wurden bald darauf nach Marokko abgeschoben. Auch dieses Mal wurde erwartet, dass viele der Migranten bald nach Marokko zurückgebracht würden.

Westsahara an der nordafrikanischen Atlantikküste war bis 1975 spanische Kolonie. Marokko kontrolliert große Teile des dünn besiedelten Gebiets an seiner Südgrenze. Die Polisario strebt nach Unabhängigkeit für die Westsahara. Marokko will der Region nur Autonomie zugestehen. Im Dezember hatte der damals bereits abgewählte, aber noch amtierende US-Präsident Donald Trump Marokkos Souveränität über Westsahara anerkannt. Seither nehmen die Spannungen zwischen Marokko und europäischen Ländern, die Trumps Entscheidung kritisiert hatten, zu. So rief Rabat Anfang Mai seine Botschafterin aus Berlin zurück.

Die Behörden in Ceuta mit etwa 85 000 Einwohnern wurden von der Massenflucht überwältigt. "Am Sonntag waren ungefähr 70 Menschen in dem Aufnahmelager für illegale Migranten. Ich weiß nicht, was wir mit den Menschen machen oder wo wir sie unterbringen sollen", zitierte die Zeitung einen Verantwortlichen in der Exklave.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Mai 2021 um 08:00 Uhr.