Ein italienischer Stadtpolizist versperrt privaten Fahrzeugen die Einfahrt in die Via dei Fori Imperiali neben dem Kolosseum, nachdem sie Anfang 03. August 2013 in eine Fußgängerzone in Zentral-Rom umgewandelt wurde.  | Bildquelle: dpa

Fahrverbote und Umweltzonen Wie Europas Städte gegen Abgase kämpfen

Stand: 22.11.2018 10:50 Uhr

In Deutschland sind Fahrverbote weiter umstritten. In anderen europäischen Metropolen sind sie aufgrund der gesundheitlichen Gefahren längst Alltag - und einige Pläne sind sehr ehrgeizig. Ein Überblick:

Strenge Regeln in Paris

In der französischen Hauptstadt sind die Regelungen im Kampf gegen Abgase sehr streng. Schadstoff-Plaketten für Autos sind Pflicht. Dieselautos mit Erstzulassung vor 2001 und Benziner mit Baujahr vor 1997 dürfen in der Woche tagsüber nicht mehr überall fahren.

Ab Mitte 2019 dürfen die alten Autos gar nicht mehr im Großraum Paris fahren. Konkret geht es um das Gebiet, das von der Autoroute 86 eingeschlossen ist. Der äußere Autobahnring umschließt die Stadt und den Kranz etlicher Vororte. Paris schafft zudem vor der Stadt große Parkplätze, um die Menschen zu animieren, mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt zu fahren.

Auf längere Sicht gehen die Pläne noch weiter: Das historische Zentrum soll in einem Fußgängerbereich umgewandelt werden. Der Plan betrifft die ersten vier Arrondissements der Metropole. In diesen Bezirken liegen die Kathedrale Notre-Dame, das Louvre-Museum, das Centre Pompidou oder die Seine-Inseln Île de la Cité und Île Saint Louis.

Radfahrer in Paris. | Bildquelle: AFP
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Radfahrer in Paris. In der französischen Hauptstadt gibt es den ehrgeizigen Plan, das historische Zentrum in einen Fußgängerbereich umzuwandeln.

Ins Stadtzentrum von Rom nur mit Genehmigung

Bei Fahrten in die Stadtzentren gibt es in Italien klare Regeln. In Rom zum Beispiel ist dafür eine Genehmigung notwendig, die nur Anwohner kaufen können.

Aber auch in anderen Teilen Italiens gelten strenge Vorschriften: Norditalien hat alten Diesel-Autos in der kalten Jahreshälfte den Kampf angesagt. Seit Oktober bis Ende März gelten im Vergleich zu anderen Wintern verschärfte Fahrverbote im Piemont, der Lombardei, in Venetien und Emilia-Romagna. Auch wenn kein Schadstoffalarm besteht, müssen Altfahrzeuge der Schadstoffenklasse 3 und älter an Werktagen tagsüber in der Garage bleiben.

Die Altstadt von Rom | Bildquelle: REUTERS
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In das Stadtzentrum von Rom dürfen nur noch die Anwohner mit dem Auto hinein.

Ein Luftreinhalteplan für Brüssel

Die belgische Metropole hat einen mehrjährigen Plan aufgestellt, um die Luftqualität langfristig zu verbessern. Seit Anfang des Jahres gilt für sehr alte Diesel mit der Schadstoffklasse Euro 1 - oder ganz ohne Euronorm - im Großraum Brüssel ein Fahrverbot. Bis 2025 sollen die Regeln von Jahr zu Jahr verschärft werden. Ab 2022 sind den Plänen der Stadt zufolge auch Diesel mit Schadstoffnorm 4 verboten.

Von 2025 an sollen nur noch Diesel mit der Euronorm 6 in der belgischen Hauptstadt fahren dürfen. Um die Einhaltung der Verbote kontrollieren zu können, hat die Stadt zahlreiche Kameras installiert. Seit Oktober sind 350 Euro Strafgebühr fällig, wenn man innerhalb der Zone mit einem verbotenen Diesel erwischt wird.

Jeder hat jedoch an maximal acht Tagen pro Jahr die Möglichkeit, sich vom Fahrverbot freizukaufen: Mit einem Tagespass zum Preis von 35 Euro dürfen die Brüsseler ausnahmsweise auch mit ihren eigentlich verbotenen Autos in die Stadt fahren.

Stadtverkehr in Brüssel | Bildquelle: STEPHANIE LECOCQ/EPA-EFE/REX/Shu
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Die verstopfte Rue de la Loi in Brüssel. Seit Anfang des Jahres gilt für sehr alte Diesel im Großraum Brüssel ein Fahrverbot

Oslo macht das Fahren von Diesel besonders unattraktiv

Die Stadt Oslo, die im Winter häufiger von Abgaswolken eingenebelt wird, macht das Fahren von Dieselautos besonders unattraktiv. Wird die Luft dick, müssen sie draußen bleiben. Schon jetzt sind die Mautgebühren für Benziner und Diesel ziemlich hoch, ab März gibt es in der Stadt 84 solcher Stationen.

Auch das Parken im Zentrum wird immer schwieriger und teurer. Die Innenstadt soll in knapp einem Jahr komplett autofrei sein. Im nächsten Schritt werden die Kreuzfahrtschiffe gedrängt, auf Strom umzustellen.

Norwegen fördert mit steuerlichen Mitteln den Kauf von Elektroautos und ist damit sehr erfolgreich. Fast die Hälfte aller neu zugelassenen Fahrzeuge ist inzwischen elektrisch. Bis 2025 soll kein Neuwagen in Norwegen mehr mit fossilen Brennstoffen laufen.

Radfahrer in Oslo | Bildquelle: AFP
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Die Innenstadt von Oslo soll 2019 komplett autofrei sein. Zudem fördert die norwegische Regierung erfolgreich den Kauf von Elektroautos.

Keine neuen Diesel in Kopenhagens Umweltzone

3000 Dänen sterben Schätzungen zufolge jedes Jahr aufgrund von Luftverschmutzung frühzeitig. Daher will der Kopenhagener Bürgermeister Frank Jensen, dass ab nächstes Jahr keiner in der Stadt einen neuen Dieselwagen kauft, denn in der Umweltzone darf er damit nicht mehr fahren. Nur ältere Autos, die vor dem 1. Januar 2019 angemeldet wurden, sollen erlaubt sein.

Ab 2030 soll der Verkauf von Dieselfahrzeugen in Dänemark ganz verboten werden, so die Pläne der Regierung.

Radfahrer in Kopenhagen | Bildquelle: dpa
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Fahrrad statt Diesel - Kopenhagens Bürgermeister will, dass ab nächstes Jahr keiner in der Stadt einen neuen Dieselwagen kauft.

Radikale Umbauten in Madrid

In der spanischen Hauptstadt wurde wegen hoher Luftverschmutzung erstmals am 28. Dezember 2016 ein Fahrverbot für bestimmte Fahrzeuge verhängt: Damals durften innerhalb des Autobahnrings M30 nur Autos und Lkw mit geradem Kfz-Kennzeichen fahren, nachdem sich über Madrid eine Dunstglocke gebildet hatte.

Die Stadtregierung will nun noch weiter gehen: Schon in den nächsten Monaten werden Fahrzeuge, die nicht einem direkten Anwohner gehören, aus dem Stadtzentrum verbannt - und zwar nicht nur in den engen Gassen der Innenstadt, sondern etwa auch auf der wichtigen Verkehrsachse Gran Vía.

Überhaupt wird die ganze Stadt radikal umgebaut, auf zuvor mehrspurigen Straßen führt demnächst nur noch eine Fahrspur in jede Richtung. Erlaubt sind dann überhaupt nur noch Taxen, Busse, Lieferwagen und Autos mit Elektroantrieb.

Quelle: dpa

Über dieses Thema berichtete HR Info am 24. Oktober 2018 um 06:50 Uhr.

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