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Interview

Hygiene im Katastrophengebiet "Typhus, Cholera und Hepatitis drohen"

Stand: 26.08.2007 08:24 Uhr

In der Katastrophenregion haben die Behörden den "Gesundheitsnotstand" ausgerufen. "Das vordringlichste Problem ist die Versorgung mit sauberem Trinkwasser," sagt der Seuchenexperte Herbert Schmitz vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut im Gespräch mit tagesschau.de. Außer Typhus und Cholera drohten sonst Epidemien mit Hepatitis.

Ein Paar verlässt sein überflutetes Haus mit dem Kanu.

In New Orleans droht vor allem Gefahr durch verseuchtes Wasser.

tagesschau.de: Herr Schmitz, welche Krankheiten drohen in den überfluteten Gebieten?

Schmitz: Die meisten Krankheiten drohen durch verseuchtes Wasser, denn in dieser warmen Brühe, die da um die Leute herumwogt, vermehren sich alle möglichen Keime. Die lösen dann Cholera oder Typhus aus. Deshalb ist das vordringlichste Problem ist die Versorgung mit sauberem Trinkwasser.

tagesschau.de: Was ist mit den chemischen Verunreinigungen im Wasser, wie ungesund ist das aus Ihrer Sicht?

Schmitz: Das kann zu Hautreizungen und Allergien kommen. Lebensbedrohlich ist es erst einmal nicht, weil sich die Chemikalien im Allgemeinen recht schnell verdünnen. Darin stehen ist nicht so gefährlich, es zu trinken dagegen sehr.

tagesschau.de: Besonders extrem soll die Lage der Zehntausenden sein, die sich in den "Superdome" geflüchtet haben. Wie schätzen Sie die hygienische Sitaution dort ein?

Schmitz: Dort ist die Lage besonders schlimm. Es ist übrigens auch denkbar, dass sich im "Superdome" viele Menschen mit Hepaptitis A anstecken, denn diese Krankheit verbreitet sich vor allem über Fäkalien und die Toiletten sind ja schon seit Tagen ausgefallen. Es ist gar nicht nötig, dass das verseuchte Wasser wissentlich getrunken wird. Die Leute können sich ja nicht einmal die Hände waschen oder desinfizieren, da können Keime sich leicht verbreiten.

Luftaufnahme des überfluteten New Orleans mit dem Superdome-Stadion

Luftaufnahme des überfluteten New Orleans mit dem Superdome-Stadion, in das sich die Menschen zu zehntausenden flüchten.

tagesschau.de: Wie gefährlich sind die Leichen von Menschen und Tieren, die im Wasser treiben?

Schmitz: Die tragen nicht weiter zur akuten Gefährdung bei. Man muss sie halt schnell begraben oder beerdigen. Zu einer Verschärfung der Lage tragen sie nicht bei. Die überfluteten Abwässerkanäle sind viel schlimmer.

Seuchenexperte Prof. Dr. Herbert Schmitz

Prof. Dr. Herbert Schmitz

Die Fragen stellte Christian Radler, tagesschau.de