Menschen bei einer Versammlung in Bamako / Mali. | Bildquelle: H DIAKITE/EPA-EFE/Shutterstock

Nach dem Putsch Wohin führt Malis Weg?

Stand: 15.09.2020 10:57 Uhr

Seit sich das Militär in Mali an die Macht geputscht hat, verhandeln die Junta, die Opposition und die internationale Gemeinschaft hart: Wie soll es weitergehen in dem Krisenstaat?

Von Aydogan Makasci, ARD-Studio Rabat

Die Militärjunta in Mali versucht, in diesen Tagen ein bisschen Euphorie zu verbreiten und damit möglichst noch mehr Menschen im Land auf ihre Seite zu ziehen. Am Wochenende präsentierte Anführer Assimi Goita den von einem Bündnis geschmiedeten Plan für die Zukunft nach dem Putsch und verpackte das Papier blumig.

"Die Ergebnisse lassen mich auf ein neues, demokratisches Mali hoffen, auf ein Land, das säkular ist, wo die Wirtschaft prosperiert, wo es soziale Gerechtigkeit gibt und auch Gleichheit von allen," sagte der Juntaführer Goita.

Charta und eine Übergangsregierung

Drei Tage lang hatten Militärs, Politiker und Vertreter der Zivilgesellschaft zusammengesessen. Die wichtigsten Ergebnisse: Es soll eine Charta für ein neues, demokratisches und laizistisches Mali geben, und für 18 Monate soll eine Übergangsregierung aus Militärs das Land führen.

Goita sagt: "Jetzt hoffen wir auf das Verständnis und die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft. Wir glauben, dass wir den Übergang gut gestalten können und einen guten Fahrplan erarbeitet haben."

ECOWAS und Opposition haben andere Pläne

Die Pläne der Junta gehen aber vorbei an dem, was zum Beispiel die Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS gefordert und deshalb Handels- und Finanzströme unterbrochen hatte. Dabei steht im Fokus, dass ein ziviler Präsident und Premierminister ernannt werden soll - schon bis Mitte September.

Auch die Opposition im Mali wünscht sich diese Lösung, entsprechend enttäuscht fällt ihre Reaktion auf die Ergebnisse vom Wochenende aus. Ibrahim Ikassa Maiga ist von der Oppositionsbewegung 5. Juni, die die Proteste auf der Straße wochenlang organisiert hatte.

Er meint: "Wir hatten viele Punkte kritisiert, die das Komitee erarbeitet hat und haben bei den Zwischenberichten auf viele Dinge hingewiesen. Am Ende haben wir nicht das Gefühl, dass wir wirklich beachtet wurden."

Die Junta werde alles im Sinne des malischen Volkes unternehmen, hatte Anführer Goita angekündigt, doch vieles deutet gerade noch auf ein "Weiter so" hin.

Krise und Korruption

Es gibt Angriffe von Islamisten, die Wirtschaft ist dauerhaft im Krisenmodus, Korruption gibt es in allen Bereichen des Landes und massive Probleme mit der Infrastruktur. Wie all dem ein Ende gesetzt werden soll, dafür hat das Militär nach Ansicht der Opposition bis jetzt noch kein taugliches Konzept vorgelegt.

Maiga meint: "Das schließt die Frage nach einem zivilen Präsidenten für den Übergang ein, wie ihn die internationale Gemeinschaft auch fordert. Diese Möglichkeit wurde aber nicht einmal diskutiert."

In Ghana wollen Vertreter der Junta und der Wirtschaftsgemeinschaft der westafrikanischen Staaten ECOWAS noch einmal zusammenkommen und verhandeln. Sollten die Handelspartner an ihren Sanktionen festhalten, wäre das für den Neustart des Landes eine denkbar schlechte Ausgangsvoraussetzung.


Gesprächsthema Politik

Die Menschen in Mali sind zwiegespalten, wie es mit ihrem Land weitergehen soll. In der wuseligen Hauptstadt Bamako ist Politik auf den Straßen gerade das wichtigste Gesprächsthema, auch bei der Einzelhändlerin Coulibaly Adja Touré.

"Es gibt keinen Weg zurück mehr, wir hoffen auf das Militär, sie müssen jemanden finden, der uns in die Zukunft führen kann. Im Militär selbst gibt es auch gute Leute, genauso, wie es schlechte Leute gibt."

Für Asistan Sidibe, eine Wirtschaftsprüferin im Ruhestand, lautet das Motto: die Malierinnen und Maliern müssen ihr Schicksal selbst übernehmen.

"Mit Blick auf die Situation im Land wünsche ich mir, dass die Menschen zusammenhalten. Alle sollen sich die Hände reichen, um das Land wieder aufzubauen. Es wird nicht einfach wer kommen und alles erledigen."

Für Mali stehen in diesen Tagen wichtige Entscheidungen an - von ihnen hängt ab, wohin die Reise für das Land nach dem Putsch geht.

Militärjunta in Mali unter Druck
Aydogan Makasci, HR
15.09.2020 10:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. September 2020 um 20:00 Uhr.

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