Flüchtlinge auf der Ocean Viking | dpa

374 Flüchtlinge auf "Ocean Viking" Hilferuf nach sicherem Hafen

Stand: 23.01.2021 18:05 Uhr

Binnen 48 Stunden hat das Rettungsschiff "Ocean Viking" fast 400 Flüchtlinge vor Libyens Küste an Bord genommen. Nun sucht die Crew verzweifelt nach einem sicheren Hafen. Das Schiff ist völlig überfüllt.

Das Rettungsschiff "Ocean Viking" sucht für mehr als 370 Flüchtlinge, die im Mittelmeer vor Libyen aus Seenot gerettet wurden, einen sicheren Hafen. Das teilte die Betreiberorganisation SOS Méditerranée mit.

Da schlechtes Wetter drohe, müssten die Geretteten so schnell wie möglich an Land, schrieb die Organisation auf Twitter. Hilfsersuchen an die libyschen Behörden seien unbeantwortet geblieben, weshalb man sich nun an Italien und Malta gewandt habe.

168 Minderjährige an Bord

Die Seenotretter der "Ocean Viking" hatten innerhalb von 48 Stunden 374 Menschen an Bord genommen. Die Menschen seien in überbesetzten Schlauchbooten unterwegs gewesen.

Am Freitagabend wurden 106 Personen von einem Schlauchboot in internationalen Gewässern vor Libyen gerettet. Viele von ihnen hätten Vergiftungen durch Treibstoffdämpfe erlitten, hieß es. Davor hatte die "Ocean Viking" bei zwei Einsätzen rund 140 Menschen aufgenommen. Seit Donnerstag befanden sich bereits 119 aus Seenot gerettete Migranten an Bord. Ausgelegt ist das umgebaute Versorgerschiff nach Betreiberangaben für rund 200 Personen.

Unter den Geretteten sind 168 Minderjährige: Rund 30 Kinder seien im Alter von zwölf Jahren oder jünger, darunter 21 Säuglinge sowie zwei schwangere Frauen. Die Herkunftsländer der Geretteten seien mehrheitlich Guinea, Mali, Kamerun, die Elfenbeinküste, Sudan und Sierra Leone.

"Einziges ziviles Rettungsschiff"

Die "Ocean Viking" war nach monatelanger Pause am 11. Januar vom französischen Hafen Marseille ins zentrale Mittelmeer ausgelaufen.

Derzeit sei kein anderes ziviles Rettungsschiff im zentralen Mittelmeer im Einsatz, um Menschen in Seenot zu retten. "Umso wichtiger ist es, dass wir wieder zurück sind", erklärte SOS Méditerranée.

Mehr als 1200 Tote

Libyen hat sich zu einem der wichtigsten Transitgebiete für Migranten auf dem Weg nach Europa entwickelt. Viele wollen über Italien nach Europa einreisen.   

Nach offiziellen Zahlen starben 2020 mehr als 1200 Menschen bei dem Versuch, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Experten gehen jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus.

Mit Informationen von Verena Schälter, ARD-Studio Rom

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Januar 2021 um 18:00 Uhr.