Labour-Chef Jeremy Corbyn spricht auf dem Parteitag in Brighton. | ANDY RAIN/EPA-EFE/REX

Auftakt zum Labour-Parteitag Machtkampf auf offener Bühne

Stand: 22.09.2019 01:27 Uhr

Fünf Tage lang wollen die Labour-Delegierten diskutieren. Schon zum Auftakt wird deutlich, dass es auf dem Parteitag wohl mehr als nur um Richtungskämpfe gehen wird.

Von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Der Parteitag hat noch gar nicht richtig begonnen, da ist der stellvertretende Vorsitzende schon enttäuscht: Er habe gehofft, die Partei finde in dieser Woche zusammen, sagt Tom Watson. "Wir hatten einen schlechten Start für den Parteitag. Ich kann da nichts dran ändern."

Thomas Spickhofen ARD-Studio London

Dabei geht es bei dem "schlechten Start" vor allem um ihn. In einer Nacht- und Nebel-Aktion haben Vertreter aus dem linken Parteiflügel noch vor Beginn des Parteitags versucht, Watson auszubooten.

Watson gilt als moderate Kraft bei Labour, ist aber auch ein beständiger Kritiker seines Parteivorsitzenden Jeremy Corbyn. Er findet, Corbyn gehe nicht klar genug gegen antisemitische Tendenzen in der Partei vor, und beim Brexit-Kurs verlangt er - anders als Corbyn - ein eindeutiges Ja für den Verbleib.

Vorwurf Illoyalität

Watsons Gegner werfen ihm Illoyalität vor und haben jetzt versucht, seinen Posten als stellvertretender Parteivorsitzender kurzerhand abzuschaffen. Das seien Leute, die nicht mit klarem Kopf denken, sondern sektiererische Spiele spielten, sagt Watson.

Die Initiative wurde inzwischen gestoppt, zeigt aber, dass die Macht- und Richtungskämpfe bei Labour aus der Kulisse auf die offene Bühne treten. Die Stellvertretung werde insgesamt nochmal überprüft, sagt Parteichef Corbyn, um die Vielfalt der Gesellschaft widerzuspiegeln.

Ein finales Ende des Vorstoßes ist das allerdings nicht. Corbyn will sich zu dem Vorgang nicht weiter äußern und versichert nur, dass Watson der stellvertretende Parteivorsitzende sei und er gern mit ihm zusammenarbeite.

Der stellvertretende Labour-Chef Tom Watson dringt auf ein zweites Referendum. | REUTERS

Vizechef Tom Watson zufolge müsse es erst ein zweites Referendum geben. Labour müsse sich dabei "eindeutig und einstimmig" für den Verbleib in der EU stark machen. Bild: REUTERS

Viele sind unzufrieden

Allerdings verfolgt Corbyn eine Brexit-Strategie, mit der viele an der Parteispitze und an der Parteibasis unzufrieden sind. Der Parteichef will zunächst Neuwahlen, dann ein neues Abkommen mit der EU aushandeln, und darüber dann in einem zweiten Referendum abstimmen lassen - wobei nicht klar ist, ob und für welche Seite er sich dann entscheidet. Das aber ist vielen Mitgliedern zu wenig und zu kompliziert.

Dieser Labour-Parteitag sei wahrscheinlich einer der wichtigsten seit Jahrzehnten, sagt Tony Blair. Der frühere Premierminister befürchtet, seine Partei könnte sich unter Corbyn in eine Neuwahl hineintreiben lassen, in der es nur um den Brexit geht - und das, sagt nicht nur Blair, könnte verheerend für Labour ausgehen. 

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 22. September 2019 um 01:36 Uhr.

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KOMMENTARE

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Oskar.spd 22.09.2019 • 05:30 Uhr

Einseitiger Bericht.

Guten Tag, ich verstehe diesen Bericht nicht! Da ist also ein Kritiker von Corbin,der weiter Vizevorsitzender ist,obwohl er den Chef kritisiert! Der euokritische Kurs von Corbin ist bekannt,und ich sehe an seiner Strategie nichts verwerfliches.Im Gegenteil,er will nachverhandeln,und dann ein Referendum!Demokratischer geht nicht mehr! Und da haben wir noch Blair,der Mann des dritten Weges ins nichts! Und des Irakkriegs ....... Also ,dieser Bericht ist- nichts fuer ungut-einseitig! Schade.