Kerzen stehen neben einem Foto von Jan Kuciak und Martina Kusnirova. | imago/CTK Photo

Slowakei Journalistenmord-Prozess wird neu aufgerollt

Stand: 23.02.2022 15:38 Uhr

Vor vier Jahren wurden der Investigativ-Journalist Kuciak und seine Verlobte in der Slowakei erschossen. In Bratislava beginnt in der kommenden Woche der neuerliche Prozess gegen den mutmaßlichen Auftraggeber.

Vier Jahre nach dem Mord am Enthüllungsjournalisten Jan Kuciak und seiner Verlobten Martina Kusnirova wird in der Slowakei das Gerichtsverfahren gegen den mutmaßlichen Auftraggeber neu aufgerollt. Wie Gerichtssprecherin Katarina Kudjakova der Nachrichtenagentur dpa bestätigte, beginnt der neuerliche Prozess gegen den Millionär Marian Kocner und eine mutmaßliche Komplizin am 28. Februar beim Spezialgericht für organisierte Kriminalität in Pezinok, östlich von Bratislava.

Der damals 27 Jahre alte Investigativ-Journalist und seine Verlobte waren am 21. Februar 2018 in ihrem Haus im Dorf Velka Maca erschossen worden. Der Mord hatte international für Aufsehen gesorgt. Kuciak hatte zum Zeitpunkt seiner Ermordung zu möglicher Korruption in der Regierung recherchiert. Seine erst nach dem Doppelmord veröffentlichte letzte Reportage löste Massendemonstrationen aus, die zum Rücktritt der Regierung führten.

Ermittlungen enthüllten Korruptionsnetz

Die Ermittlungen gegen den als Mord-Auftraggeber angeklagten Unternehmer Kocner enthüllten ein seit Jahrzehnten bestehendes Korruptionsnetz. Seither wurden zahlreiche Richter, Staatsanwälte und ranghohe Polizeifunktionäre verhaftet. Dass Kocner und seine mutmaßliche Komplizin im September 2020 aus Mangel an Beweisen freigesprochen wurden, sorgte international für Empörung. Im Juni 2021 gab das Oberste Gericht der Slowakei einem Einspruch der Anklage statt und hob die Freisprüche auf.

Drei Verdächtige verurteilt

Bereits rechtskräftig verurteilt sind der geständige Doppelmörder und zwei Komplizen, die in Kocners Auftrag gehandelt haben sollen. Kocner bestreitet, die Morde angeordnet zu haben.

Kocner und seine mutmaßliche Komplizin wurden inzwischen wegen anderer Straftaten verurteilt. Sie müssen daher auch dann jahrelang im Gefängnis bleiben, wenn das Gericht sie von dem Vorwurf im Fall Kuciak neuerlich freisprechen sollte.

Waren weitere Morde geplant?

In dem Verfahren geht es nach Angaben von Gerichtssprecherin Kudjakova nicht nur um den Journalistenmord, sondern auch um den Vorwurf, mehrere weitere Morde geplant zu haben.

Am Montag war anlässlich des vierten Jahrestags der Ermordung des Enthüllungsjournalisten und dessen Verlobter ein Denkmal zu ihren Ehren enthüllt worden. Bei der Zeremonie auf einem Platz in der Hauptstadt Bratislava waren am Montag Ministerpräsident Eduard Heger und die Eltern der Mordopfer anwesend.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 8. März 2018 um 06:25 Uhr.