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Interview

Italien und seine Finanzen "Keine Krise herbeireden"

Stand: 30.05.2018 22:10 Uhr

Mit der Wahl der Populisten haben die Italiener ein Zeichen gegen den EU-Sparkurs gesetzt. Doch die Pläne der Wahlsieger bergen große Risiken, warnt Volkswirt Bofinger in den tagesthemen. Trotzdem müsse man erst einmal Ruhe bewahren.

Italien steckt in einer finanziellen Schieflage - gelinde gesagt. Mit 133 Prozent der Wirtschaftsleistung ist das Land verschuldet. Zum Vergleich: In anderen EU-Staaten sind es im Durchschnitt 87 Prozent. Eine Lage, die auch für Europa gefährlich werden kann - immerhin ist Italien die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone.

Pläne der Populisten sind kontraproduktiv

Doch trotz der hohen Staatsverschuldung warnt Ökonom und Mitglied des Sachverständigenrates der Bundesregierung, Peter Bofinger, davor "eine Krise herbeizureden". Immerhin profitiere Italien davon, dass die Zinsbelastung des eigenen Staates "auf einen historischen Tiefststand" gesunken sei. Außerdem habe sich die Wirtschaft bereits etwas erholt.

Es ist das Ergebnis der Wahl von Anfang März, was Anlass zur Sorge gibt. Die Mehrheit ging an Populisten und Rechtsextreme, die große Geschenke versprechen: weniger Steuern, mehr Rente. "Das sind keine Pläne, die das Land voranbringen", sagt Bofinger. Aus seiner Sicht gibt es andere Schwerpunkte, in die investiert werden müsse: Infrastruktur, Forschung und Bildung. "Alles, was die Parteien vorhaben, ist kontraproduktiv."

Abschied vom Euro wäre Katastrophe

Eine direkte Gefahr für die restliche EU sieht der Experte noch nicht. Ruhe bewahren und die Entwicklung abwarten, ist sein Motto. In einem Punkt ist Bofinger jedoch ganz klar: Die Pläne einiger italienischer Politiker, den Euro wieder abzuschaffen, dürften keinesfalls Realität werden. Das wäre "eine Katastrophe". Mit der Rückkehr zur Lira hätte Italien eine sehr instabile Währung, es würde eine immense Inflation drohen. Und das wäre auch ein Problem für Deutschland, sagt Bofinger, denn der Ausstieg eines Landes aus dem Euro würde die gesamte Eurozone schwächen.

Um dieses Szenario zu vermeiden, sind aus Sicht von Bofinger zwei Dinge nötig: Die EU müsse Wege suchen, mehr Investitionen in Italien zu ermöglichen und im Gegenzug müsse Italien zusichern, weiterhin Reformen anzustreben und einzuhalten.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 30. Mai 2018 um 22:15 Uhr.

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KOMMENTARE

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schiebaer45 31.05.2018 • 00:04 Uhr

Die Hoffnung stirbt zuletzt

"" Immerhin profitiere Italien davon, dass die Zinsbelastung des eigenen Staates "auf einen historischen Tiefststand" gesunken sei. Außerdem habe sich die Wirtschaft bereits etwas erholt."" # Noch ist es zu früh für auf ein " Gesundschrumpfen" der Geldpolitik Italiens zu setzen.Es ist ein Anfang gemacht und weitere Schritte müssen erfolgen.Da sind wirklich Politiker mit klaren Sachverstand gefragt und hoffentlich ändert sich das nicht bei der geplanten Neuwahl in Italien wenn dann wieder populistische Parteien großen Einfluss auf die Regierung Bildung nehmen.