Hintergrund

Fahne der Terrormiliz Islamischer Staat | Bildquelle: AFP

Tausende Kämpfer im Osten des Landes Nangarhar - das IS-Zentrum in Afghanistan

Stand: 24.07.2016 10:58 Uhr

Der "Islamische Staat" hat mittlerweile auch in Afghanistan Fuß gefasst. Etwa 3000 Kämpfer halten sich im Osten des Landes auf - in der Provinz Nangarhar. Von dort aus führen sie ihren Kampf gegen die Taliban und die Regierung.

Von Sandra Petersmann, ARD-Studio Neu-Delhi

Die ostafghanische Provinz Nangarhar ist das Zentrum des "Islamischen Staates" in Afghanistan. Nangarhar liegt an der pakistanischen Grenze. Der IS betreibt hier einen eigenen Radiosender, um mit islamistischer Propaganda neue Kämpfer anzuwerben. Der Sender ist schon zweimal aus der Luft angegriffen und ausgeschaltet worden, doch er hat seinen Betrieb nach kurzer Pause wieder neu aufgenommen.

Karte Afghanistan Pakistan
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Die Provinz Nangarhar liegt im Osten Afghanistans an der Grenze zu Pakistan.

Führungsstreit bei den Taliban

US-Militärkreise gehen von bis zu 3000 aktiven IS-Kämpfern im Osten Afghanistans aus. Bei der Mehrzahl handelt es sich offenbar um unzufriedene, jüngere Taliban-Kämpfer, die nach der Verkündung des Todes von Taliban-Gründer Mullah Omar im Sommer 2015 die Seite gewechselt haben. Der Führungsstreit der afghanischen Taliban ist bis heute nicht beigelegt. Auch in der pakistanischen Taliban-Bewegung gibt es Abspaltungstendenzen hin zum IS.

"Die Extremisten wollen, dass unsere Söhne für sie kämpfen. Unsere Töchter sind in Gefahr, zwangsverheiratet zu werden."
Farida aus Nangarhar

Kämpfer bewegen sich zwischen den Ländern

Die Grenze zwischen Afghanistan und Pakistan ist durchlässig und schwer zu kontrollieren. Kämpfer wechseln hin und her. Ob es direkte operative Kontakte zwischen der IS-Führung im Nahen Osten und den Taliban-Splittergruppen in Afghanistan und Pakistan gibt, ist unklar. Doch es scheint viel Geld zu fließen.

Wegen der anhaltenden Kämpfe fliehen immer mehr Menschen aus Nangarhar in die Hauptstadt Kabul.

Opium-Bauern in Nangarhar
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Afghanische Mohn-Farmer in Nangarhar

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Juli 2016 um 05:25 Uhr

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