Hintergrund

Kommentierte Linksammlung Informationen zur Welternährungskrise

Stand: 04.06.2008 19:43 Uhr

Weltweit leiden mehr als 860 Millionen Menschen an Unterernährung. Die Preise für Grundnahrungsmittel sind im letzten Jahr drastisch gestiegen. Die Weltgemeinschaft steht erneut vor einem Problem, das sie bereits im Griff zu haben glaubte: dem Hunger. Auf dem Welternährungsgipfel in Rom werden Ursachen und Wege aus der Krise diskutiert. tagesschau.de hat Links zum Thema zusammengestellt.

Von Eva Dombo und Stephan Trinius für tagesschau.de

Die FAO

Die FAO (Food and Agriculture Organisation) ist die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN. Ziel der FAO ist es, den weltweit an Hunger und Unterernährung leidenden Menschen zu helfen. Auf ihrer Homepage bietet die FAO einen englischsprachigen Podcast zum Welternährungsgipfel in Rom an und fasst den aktuellen Diskussionsstand zur Ernährungskrise zusammen. In einer Bildergalerie erklärt die FAO, welchen Einfluss der Klimawandel auf die Knappheit der Lebensmittel hat.

Welthungerkarte

Eine animierte Welthungerkarte der FAO verdeutlicht die Entwicklung des weltweiten Hungers von 1970 bis 2003. Im Zeitverlauf deutlich zu erkennen: Während in asiatischen Ländern wie China oder Indien heutzutage deutlich weniger Menschen an Hunger leiden als noch Ende der 70er Jahre, verschärft sich die Situation in den Ländern Zentralafrikas. Eine Welthungerkarte hat auch die österreichische Caritas auf ihre Website gestellt. Auch hier wird die dramatische Situation in Afrika deutlich: 21 der 37 am schlimmsten vom Hunger betroffenen Länder befinden sich auf Europas Nachbarkontinent.

Ursachen, Kritik und Lösungsansätze

Die Welthungerhilfe ist eine private Hilfsorganisation, die sich weltweit dem Kampf gegen Hunger und Armut verschrieben hat. In einem Stichwortkatalog stellt die Welthungerhilfe Gründe der aktuellen Preisexplosion bei Lebensmitteln und entsprechende Gegenmaßnahmen dar. In einem 10-Punkte-Plan (PDF) fasst die Organisation ihre Forderungen zusammen, wie die weltweite Hungerkrise überwunden werden kann.

Die Welternährungskrise ist nicht über Nacht gekommen. Aber was den "Silent Tsunami" explodierender Lebensmittelpreise ausgelöst hat und welche Konsequenzen er nach sich zieht, zeichnet der Economist noch einmal nach.

Dass auch die EU mit ihren Agrarsubventionen für den weltweiten Hunger mitverantwortlich ist, kritisiert die Verbraucherschutzorganisation foodwatch. Knapp 50 Milliarden Euro gebe die EU jährlich für Subventionen im landwirtschaftlichen Sektor aus. Damit verbillige sie die Lebensmittel künstlich und zerstöre so die Lebensgrundlage von Bauern in den Ländern der Dritten Welt.

Zu den Hauptursachen der aktuellen Krise gehören die veränderten Essgewohnheiten in den Schwellenländern sowie der ohnehin hohe Fleischkonsum in den Industriestaaten. Für eine Kalorie aus Fleisch werden sieben pflanzliche Kalorien verbraucht, rechnet das Umweltjournal nach.

Reis-Spiel

Mit dem Online-Spiel "FreeRice" kann jeder mit wenigen Klicks seinen Beitrag zur Bekämpfung des Hungers leisten. Die Spieler müssen die richtige Erklärung für ein englisches Wort finden. Für jede richtige Antwort spendet ein Sponsor 20 Reiskörner an das UN World Food Programme (WFP). Da täglich zwischen 300.000 und 500.000 Menschen "FreeRice" spielen, wurden bereits 1,7 Millionen Mahlzeiten für hungernde Menschen erspielt.

NGOs

"Mit Menschenrechten gegen Hunger" lautet der Slogan der Menschenrechtsorganisation FIAN (FoodFirst Informations- und Aktionsnetwerk). Die Organisation kritisiert, dass Hunger vor allem eine Folge sozialer Ungerechtigkeit, Diskriminierung und ungerechter Handelsstrukturen sei. FIAN setzt sich daher für eine Globalisierung ein, die "sozialen und ökologischen Mindeststandards" genügt.

Die NGO "Das Hunger Projekt" mit Hauptsitz in New York unterstützt mit ihren Programmen die acht Millenniumsziele der UN. Dabei verfolgt die Organisation drei Leitgedanken: Mobilisierung der Eigenverantwortung der Menschen in den betroffenen Ländern, Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie Stärkung lokaler Demokratie.

Geberländer

Eine Bestandsaufnahme, inwieweit die ehrgeizigen Milleniumsziele erreicht wurden, findet sich auf den Seiten der FAO.

In Deutschland für die Entwicklungspolitik verantwortlich ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Auf den Seiten des Ministeriums werden die Grundsätze, Ziele, Schwerpunkte und Wege der deutschen Entwicklungspolitik dargestellt.

Die UN schätzt, dass 195 Milliarden Dollar pro Jahr ausreichen, um den Welthunger zu stillen. 22 Geberländer sind übereingekommen, je 0,7% ihres BIP bereitzustellen, um diese Summe zu erreichen. Die private Seite Poverty.com zeigt den aktuellen Stand der Finanzhilfen.

Kommentare

Wie sehen Journalisten und Fachleute in den betroffenen Länder selbst die Krise? Die Website AllAfrica bietet Informationen aus ganz Afrika und hat ein Dossier über ein nachhaltiges Afrika zusammengestellt.

Eine weitere afrikanische Sichtweise bietet ein Kommentar in Addis Fortune, einer äthiopischen Zeitung. Er betrachtet vor allem die politischen Ursachen der Krise und fragt nach den Verantwortlichen.