Ein Kinderarzt impft ein Kind mit einem 6-fach-Kombinationsimpfstoff gegen Diphtherie, Tetanus (Wundstarrkrampf), Kinderlähmung (Polio), Keuchhusten (Pertussis), Haemophilus influenzae Typ b (Hib) und Hepatitis B (Archivbild). | dpa

Rätsel über Ursache Weitere Hepatitisfälle bei Kindern

Stand: 28.04.2022 22:31 Uhr

Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC hat sich besorgt über jüngste Fälle ungeklärter Hepatitis-Erkrankungen bei Kindern gezeigt. Der Auslöser ist bisher noch unbekannt - allerdings gibt es einen Verdacht.

Nach dem Auftauchen einer akuten Hepatitis bei zuvor gesunden Kindern in Großbritannien sind bislang schätzungsweise 55 solcher Fälle im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) aufgetreten, darunter einer in Deutschland. Zwölf EWR-Länder haben mittlerweile Verdachts- oder bestätigte Fälle verzeichnet, wie aus einer Risikoeinschätzung der EU-Gesundheitsbehörde ECDC hervorgeht.

Vor allem junge Kinder betroffen

Aus Deutschland wurde demnach die Erkrankung eines fünfjährigen Kindes gemeldet: Es sei im Januar mit Symptomen einer akuten Hepatitis ins Krankenhaus eingeliefert worden und habe zuvor unter Magen-Darm-Beschwerden gelitten.Die Hepatitis-Erkrankungen traten bei Kindern im Alter von einem Monat bis 16 Jahren auf. Betroffen waren vor allem Kinder unter zehn Jahren, am häufigsten erkrankten unter Fünfjährige.

Neben 111 Fällen in Großbritannien gab es demnach zudem auch jeweils zwölf Fälle in den USA und in Israel sowie einen in Japan. Bislang hätten sich die meisten der jungen Patienten von der Ansteckung erholt, aber einige hätten ein akutes Leberversagen erlitten, was eine Lebertransplantation erforderlich gemacht habe. Mindestens ein Kind ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bisher an einer solchen Entzündung der Leber gestorben.

Ursache und Übertragungsweg noch unklar

Laut ECDC-Direktorin Andrea Ammon ist die genaue Ursache der Hepatitis-Fälle noch unklar. Die bisherigen Untersuchungen deuteten auf eine Verbindung zu Infektionen der Kinder mit Adenoviren hin.

In Großbritannien wurden laut Meera Chand, Expertin für neu auftretende Infektionskrankheiten, bei 75 Prozent der Patienten Adenoviren gefunden. Sie vermutet eine Kombination aus einer normalen Infektion mit einem Adenovirus und einem weiteren erschwerenden Faktor. Als möglich gilt auch, dass betroffene Kleinkinder keine Immunität gegen Adenoviren aufgebaut haben, weil sie in der für ihr Immunsystem "prägenden Phase" durch Corona-Maßnahmen wie Lockdowns und Maskenpflicht vor Infektionen geschützt waren.

Auch ein Fall in Deutschland

Zum EWR zählen die 27 Länder der Europäischen Union sowie Norwegen, Island und Liechtenstein. Fälle gab es in diesem Raum demnach bislang in Belgien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Irland, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Polen, Rumänien und in Spanien. Die Inzidenz ist nach ECDC-Angaben sehr gering, auch wenn keine systematische Überwachung stattfindet. Da der Erreger weiter unbekannt sei, lasse sich das Risiko für die kindliche Bevölkerung derzeit nicht genau abschätzen.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hatte am Dienstagabend vom ersten deutschen Fall berichtet. Der Erkrankungsbeginn lag demnach bereits im Januar. Nähere Angaben dazu wurden nicht gemacht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. April 2022 um 16:36 Uhr.