Bundesaußenminister Sigmar Gabriel spricht bei einer Pressekonferenz im Auswärtigen Amt | dpa

Gabriel zu EU Brexit-Vertrag als Modell für Türkei-Beziehungen?

Stand: 26.12.2017 02:38 Uhr

Sollte es ein "kluges Brexit-Abkommen" geben, könnte dies auch ein Modell für die EU-Beziehungen zur Türkei sein. Das erklärte Außenminister Gabriel der Funke Mediengruppe. Aber: "Das geht nicht, solange sich die Lage in der Türkei nicht wieder ändert."

Außenminister Sigmar Gabriel plädiert für eine neue Form der Zusammenarbeit mit der Türkei und der Ukraine. "Wenn wir ein kluges Abkommen mit Großbritannien hinbekommen, das die Beziehungen zu Europa nach dem Brexit regelt, könnte das ein Modell für andere Länder sein: die Ukraine und auch die Türkei", sagte der Außenminister den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Eine Möglichkeit wäre, mit Ankara eine neue, engere Form der Zollunion anzustreben. Das geht aber nicht, solange sich die Lage in der Türkei nicht wieder ändert."

Gabriel unterstrich, er könne sich für die nächsten Jahre weder die Türkei noch die Ukraine als Mitglied der Europäischen Union vorstellen. "Daher müssen wir über alternative Formen einer engeren Zusammenarbeit nachdenken." In der Türkei gebe es den Willen, zu einem besseren Verhältnis mit Europa zu kommen. "Und den gibt es auch bei uns", sagte der SPD-Politiker.

Mesale Tolu nach ihrer Freilassung | dpa

Mesale Tolu kam nach sieben Monaten in Haft unter Auflagen frei. Bild: dpa

Große Sorgen um Yücel

Es sei ein gutes Zeichen, dass zuletzt mehrere in der Türkei inhaftierte Deutsche freigekommen seien. Allerdings bleibe die große Sorge um den "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel. "Die Türken wissen, wie wichtig sein Schicksal für uns ist."

Kurz vor Weihnachten war der Deutsche David Britsch nach fast neun Monaten in türkischer Haft überraschend freigelassen worden und zu seiner Familie in Schwerin zurückgekehrt. Wenige Tage zuvor wurde bereits die deutsche Journalistin Mesale Tolu nach siebenmonatiger Untersuchungshaft in der Türkei auf freien Fuß gesetzt. Ihr wird Mitgliedschaft in einer Terrororganisation vorgeworfen. Sie darf das Land aber weiter nicht verlassen.

Über dieses Thema berichtete am 26. Dezember 2017 die tagesschau um 04:40 Uhr und NDR Info um 05:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Jayray 26.12.2017 • 05:16 Uhr

Kann er dann nicht den Türken gleich sagen,

das sie nie als Mitglied akzeptiert werden. Was für ein Schuss in den Ofen. Jetzt labert er was von einem Drittstaatenabkommen, den die Türkei kein Stück Verhandlungsmasse in den Ring mit der EU werfen lassen wird. Was soll denn passieren, damit die Türkei Mitglied der EU werden kann? Den Erdogan zur Vernunft bringen bringt ja anscheinend nur ein drittklassigen Vertrag hervor. Zur Mitgliedschaft aber müsste sich wohl erst der Bürgerkonflikt zwischen Kurden und Türken lösen. Allerdings wäre es doch auch für die Türkei eine Hilfe bei ihrem Zivilproblem, wenn sich deren Teile vor ein größeres Parlament einbringen könnten und vielleicht da eine Einigkeit erzielen würden. Dafür müssten sie aber Mitglied der EU werden und die EU müsste aufhören der Bevölkerung das Schlummerlied der politischen Einfalt vorzusingen. Streit kann man vermeiden oder austragen. Und Parlamente sind wie geschaffen in einer Mehrheitsgesellschaft Streit zu schlichten. Sucht den politischen weg und nicht den diplomatis