Demonstranten und Randalierer bei Protesten gegen den COVID-19-Gesundheitspass | dpa

Nach Protesten gegen Maßnahmen Französische Regierung gibt nach - etwas

Stand: 08.08.2021 02:12 Uhr

Die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen in Frankreich zeigen Wirkung: Die Regierung lockerte erste Regeln. Der Süden des Nachbarlandes wurde indes von der Bundesregierung wegen steigender Infektionszahlen als Hochrisikogebiet eingestuft.

Angesichts der landesweiten Proteste in Frankreich gegen die Verschärfung der Corona-Regeln hat die Regierung einige vorgesehene Maßnahmen wieder gelockert. Wie Gesundheitsminister Olivier Véran in einem Interview der Zeitung "Le Parisien" ankündigte, sollen negative Tests nun 72 Stunden gültig sein - statt der bislang vorgesehenen 48 Stunden. Außerdem sollen neben Antigen- und Schnelltests auch Selbsttests unter medizinischer Aufsicht anerkannt werden.

Das französische Parlament hatte die Verschärfung der Corona-Regeln Ende Juli verabschiedet. So werden die Regelungen zum sogenannten Gesundheitspass erweitert: Ab Montag muss beim Betreten von Restaurants und Cafés, Gesundheitseinrichtungen, manchen Einkaufszentren, Messen und Jahrmärkten sowie für Fernreisen in öffentlichen Verkehrsmitteln eine Impfung, eine Genesung oder ein Negativ-Test nachgewiesen werden. Auch sieht das Gesetz eine Corona-Impfpflicht für Gesundheits- und Pflegekräfte sowie für Feuerwehrleute und andere Rettungskräfte vor. 

Seit Wochen Demonstationen

Seit Wochen demonstrieren in ganz Frankreich Zehntausende Menschen gegen das Gesetz. Nach Angaben des Innenministeriums nahm am Samstag eine Rekordzahl von rund 237.000 Menschen an den Protesten teil, davon 17.000 allein in Paris. In der französischen Hauptstadt gab es gleich mehrere Protestmärsche. Nach Informationen des Radiosenders France Info nahmen im Süden in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur bis zu 37.000 Menschen an Protesten teil. In Nizza sollen es zwischen 10.000 und 20.000 Menschen gewesen sein. In Lyon setzte die Polizei dabei TV-Bildern zufolge Tränengas ein, um Aktivisten auseinanderzutreiben.

Demonstranten sehen Einschränkung persönlicher Freiheiten

Teilnehmer der Protestaktion sahen durch den Pass, der nur an Geimpfte, Genesene und kürzlich auf das Coronavirus Getestete ausgegeben wird, eine Einschränkung ihrer persönlichen Freiheit. Manche wandten sich auch gegen die Corona-Impfpflicht für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen, die ab dem 15. September gilt.

Die Demonstranten trugen Plakate mit der Aufschrift "Unsere Freiheiten sterben" und "Impfung: Fasst unsere Kinder nicht an". Muriel, eine 55 Jahre alte Pariserin, die ihren Nachnamen nicht nennen wollte, sagte der Nachrichtenagentur AP, sie protestiere vor allem gegen "die verkappte Zwangsimpfung". "Es ist ein unglaublicher Schlag gegen unsere Grundfreiheiten, also stimme ich nicht zu." Ghislain, der ebenfalls seinen Nachnamen nicht nannte, kündigte an, dass es ab Montag zu Streiks der Krankenhausangestellten und Feuerwehrleute kommen werde und dass die Impfgegner Restaurants boykottieren wollten.

Neun von zehn Corona-Patienten ungeimpft

Die meisten Franzosen unterstützen allerdings laut Umfragen den Gesundheitspass. Laut Daten der Regierung waren neun von zehn Corona-Patienten, die Ende Juli auf Intensivstationen kamen, nicht geimpft. Rund 54 Prozent der Französinnen und Franzosen haben inzwischen einen vollständigen Impfschutz gegen das Coronavirus. Mindestens sieben Millionen haben ihre erste Impfung erhalten, seit Präsident Emmanuel Macron die Einführung des Gesundheitspasses am 12. Juli ankündigte.

Derzeit registrieren die französischen Behörden mehr als 21.000 Neuinfektionen pro Tag. Seit Beginn der Pandemie sind in Frankreich mehr als 112.000 Menschen an der Infektion gestorben.

Süden Frankreichs Corona-Hochrisikogebiet

Der Süden Frankreichs gilt seit heute als Corona-Hochrisikogebiet. Die Bundesregierung stufte die französischen Regionen Okzitanien, Provence-Alpes-Côte d'Azur sowie die Insel Korsika und auch die französischen Überseegebiete Guadeloupe, Martinique, Réunion, St. Martin und St. Barthélemy aufgrund gestiegener Ansteckungszahlen entsprechend ein. Rückkehrer, die nicht geimpft oder genesen sind, müssen damit nun in Deutschland in Quarantäne und können diese frühestens nach fünf Tagen durch einen negativen Test beenden. Für die Niederlande entfiel diese Beschränkung: Das Land gilt nach einem Rückgang der Infektionszahlen nun nicht mehr als Hochrisikogebiet, mit Ausnahme der Landesteile in Übersee. In den Niederlanden gehen Neuinfektionen drastisch zurück, nachdem die Regierung insbesondere das Nachtleben eingeschränkt hat.

Menschen, die aus einem Hochrisikogebiet nach Deutschland einreisen, müssen eine digitale Einreiseanmeldung ausfüllen. Seit einer Woche müssen zudem alle ab zwölf Jahren bei der Einreise nach Deutschland nachweisen können, dass sie entweder negativ auf das Coronavirus getestet, gegen Covid-19 geimpft oder genesen sind. "Kinder unter zwölf Jahren sind von der Testpflicht ausgenommen, jedoch nicht von der Quarantäne-Pflicht. Kinder unter zwölf Jahren können die Quarantäne aber fünf Tage nach Einreise beenden - auch ohne Test", schreibt die Bundesregierung in einem Hinweis zu den neuen Regeln für Ein- und Rückreisen nach Deutschland.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. August 2021 um 08:45 Uhr.