Überlebende gehen in Catania von Bord eines Schiffes.

Nach Schiffskatastrophe vor Libyen Mutmaßliche Schleuser festgenommen

Stand: 21.04.2015 03:25 Uhr

27 Überlebende der Schiffskatastrophe im Mittelmeer sind im Hafen von Catania angekommen. Unter ihnen sollen zwei Schlepper sein, sie wurden festgenommen. Dem tunesischen Kapitän und dem Crewmitglied werden fahrlässige Tötung zur Last gelegt. Nach ersten Befragungen gehen die UN davon aus, dass bei dem Unglück 800 Menschen ums Leben kamen.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Normalerweise bringen die Schiffe der italienischen Küstenwache Hunderte Flüchtlinge in den Hafen von Catania. Diesmal waren es nur 27, die gegen Mitternacht von Bord der "Gregoretti" stiegen - erschöpft von der Reise und gezeichnet von dem Unglück, das sie in der Nacht von Samstag auf Sonntag erlebt hatten.

Italiens Regierung hat Transportminister Graziano Delrio nach Catania geschickt, um diese Menschen nach ihrer tagelangen Odyssee übers Mittelmeer in Empfang zu nehmen. "Sie haben Danke gesagt. Sie sind natürlich völlig erschöpft, sprechen nur wenige Worte, wollten sich aber bedanken für die Hilfe, die geleistet wurde", erklärt Delrio.

Ein Flüchtling aus Bangladesch war bereits unmittelbar nach dem Unglück von einem Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht worden. Nun wurde ein Mann in einem Rollstuhl von Bord gebracht. Ansonsten gehe es den Flüchtlingen den Umständen entsprechend gut, sagt ein Arzt des Malteserordens. "Sie haben offenbar keine gravierenden Gesundheitsprobleme, natürlich sind sie erschüttert. Es sind nur Männer. An Bord waren auch viele Frauen und Kinder. Aber die konnten sich nicht retten, nur diese 28 Männer."

Zwei Männer festgenommen

Unter den Überlebenden vermutet die Staatsanwaltschaft auch zwei Schlepper, den mutmaßlichen Kapitän des Flüchtlingsbootes und einen Helfer. Es sind zwei Männer aus Tunesien und Syrien. Sie wurden nach ihrer Ankunft in Catania festgenommen. Dem Kapitän werde die Förderung der illegalen Einwanderung, fahrlässiger Schiffbruch sowie mehrfache fahrlässige Tötung vorgeworfen, sagte Rocco Liguori von der Staatsanwaltschaft Catania.

Von den anderen Überlebenden erhofft sich die Polizei nun genauere Aufschlüsse über den Hergang des Unglücks. Etwa 800 Menschen sollen bei der Katastrophe ihr Leben verloren haben.

Schlepper rücken ins Visier
ARD-Morgenmagazin, 21.04.2015, Mira Barthelmann, ARD Rom

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Staatsanwalt Giovanni Salvi geht außerdem davon aus, dass bei der Rettung durch ein privates Handelsschiff entscheidende Fehler passiert sind: "Wir werden prüfen, warum das Boot untergegangen ist, ob es bei dem Versuch zu retten einen Zusammenstoß gegeben hat, oder ob die Flüchtlinge, wie es scheint, alle auf die Seite gelaufen sind, von der das Rettungsschiff kam, und dadurch das Kentern des Bootes, das schon völlig überlastet war, verursacht haben."

Damit widerspricht die Justiz der Politik. Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi hatte wiederholt betont, dass das Ende der Marinemission Mare Nostrum nicht der Grund für das Flüchtlingsunglück im Mittelmeer gewesen sei. Der Staatsanwalt von Catania dagegen sagt: Professionelle Seenotrettung können nur die Spezialisten von Marine und Küstenwache leisten.

Zur Flüchtlingsproblematik sendet das Erste heute Abend um 22.45 Uhr einen "Weltspiegel extra" mit dem Thema "Massengrab Mittelmeer".

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