Ein Mann demonstriert in Nikosia (Zyern) für die Vereinigung beider Inselteile | AFP

Zypern-Gespräche Halloumi macht Hoffnung

Stand: 27.04.2021 17:58 Uhr

Nach langer Pause sprechen die griechischen und türkischen Zyprer in Genf unter internationaler Vermittlung wieder über die Teilung der Insel. Beide streben unterschiedliche Modelle an. Die EU lockt mit Vorteilen und nimmt einen Käse als Vorbild.

Von Christian Buttkereit, ARD-Studio Istanbul

Es ist gar nicht lange her, da gab es etwas Gutes und Verbindendes von der geteilten Insel zu berichten. Die EU-Kommission adelte den auf Zypern hergestellten Halloumi-Käse mit einer "geschützten Ursprungsbezeichnung". Das Besondere: Die Entscheidung gilt für beide Landesteile gleichermaßen. Die EU-Kommission sprach deshalb von einem "symbolträchtigen Schritt", und der griechisch-zyprische Präsident Nikos Anastasiadis frohlockte, das sei eine "starke Nachricht", die zeige, welche Vorteile Zypern als gemeinsamer Staat haben könnte.

Christian Buttkereit ARD-Studio Istanbul

Ein zyprischer Staat mit zwei Bundesstaaten - so war das in den zahlreichen Initiativen der Vereinten Nationen für eine Wiedervereinigung der Insel vorgesehen. Und nichts anderes ist für die griechischen Zyprer auch bei diesen Gesprächen denkbar, sagte Präsident Anastasiadis vor seiner Abreise nach Genf im griechischen Fernsehen. Seine Delegation wolle "einen Weg zu finden, damit beide Volksgruppen sich sicher fühlen - ohne Garantiemächte und Besatzungstruppen und im Besonderen ohne Abhängigkeiten von jedweder dritten Partei".

Was wird aus den türkischen Soldaten?

Damit meint Anastasiadis insbesondere die Türkei, die immer noch starke Truppenkontingente auf Nordzypern stationiert hat. Sie sollen den Nordzyprern Sicherheit verleihen, aber sie verunsichern die Südzyprer.

Abgesehen davon, dass sich die Türkei schwertut, ihre Soldaten abzuziehen, stellt sie die Erfolgsaussichten des neuerlichen UN-Vermittlungsversuchs in Frage. Fast 50 Jahre nach der Teilung müsse ein neuer Ansatz her, sagte der türkisch-zyprische Präsident Ersin Tatar am Sonntag und sprach sich für eine "Zwei-Staaten-Lösung" aus. Denn andernfalls drohe langfristig der Abzug der türkischen Soldaten und die türkischen Zyprer könnten "innerhalb der Europäischen Union auf der Insel isoliert und benachteiligt werden".

Pufferzone zwischen beiden Teilen Zyperns, die durch die Hauptstadt Nikosia läuft. | REUTERS

Die Pufferzone zwischen beiden Teilen Zyperns verläuft auch mitten durch die Hauptstadt Nikosia. Bild: REUTERS

Erdogan macht seine Haltung deutlich

Vor seinem Abflug nach Genf holte sich Tatar noch Rückendeckung beim türkischen Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan in Ankara. Erdogan selbst hatte vor Kurzem den neuen türkischen Kurs in der Zypern-Politik klargemacht:

Ab sofort gibt es auf Zypern keinen anderen Ausweg mehr, als eine Zwei-Staaten-Lösung - ob es anderen gefällt oder nicht. Ab sofort sprechen wir nicht mehr über eine Föderation oder dergleichen. Diese Zeiten sind vorbei.
In einer Box liegen mehrere Stücke Halloumi-Käse | AP

Der Halloumi soll ein Symbol werden - auch für die Aussichten eines wieder vereinten Zyperns. Bild: AP

Auf dem Rücken der türkischen Zyprer?

Als Leidtragende dieses jahrzehntelangen Tauziehens fühlen sich vor allem viele Zyperntürken. Der nordzyprische Journalist Hasan Hastürer beschreibt dieses Gefühl mit einem sehr plastischen Bild:

"Wir fühlen uns hier wie ein Stück Halloumi-Käse im Sandwich - eingequetscht zwischen den Zypern-Griechen auf der einen und der Türkei auf der anderen Seite."

Eine völlige Trennung von Nord- und Südzypern hat auch die Türkei nicht im Sinn. Von ihrer Seite heißt es, die beiden Staaten könnten in Bereichen wie Umwelt, Energie und Kriminalitätsbekämpfung zusammenarbeiten – und vielleicht ja auch bei der Halloumi-Herstellung.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 27. April 2021 um 11:10 Uhr.