Das Logo der WHO vor dem Hauptquartier in Genf.

WHO-Tagung "Nach der Pandemie ist vor der Pandemie"

Stand: 24.05.2021 16:30 Uhr

Wie können künftig Pandemien verhindert werden? Darum geht es bei der Jahrestagung der Weltgesundheitsorganisation. Kanzlerin Merkel plädierte für einen internationalen Pandemievertrag, um die Kooperation zu verbessern.

Dass die Pandemie noch längst nicht vorüber ist, das stellt der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, gleich zu Beginn des virtuellen Treffens klar. Vorbei sei die Corona-Krise erst dann, wenn die Übertragung in allen Ländern unter Kontrolle sei.

Weltweite Impfstoffverteilung "skandalös"

Als "skandalös" bezeichnete Ghebreyesus die ungleiche weltweite Verteilung von Impfstoff gegen Covid-19. Er kritisierte vor allem die reichen Industrienationen: Sie hätten den Großteil der verfügbaren Dosen aufgekauft. Dadurch seien mehr als drei Viertel aller Vakzine in nur zehn Staaten der Erde verabreicht worden. In anderen Ländern müssten deshalb Millionen Angehörige des Gesundheitspersonals auf die wichtige Impfung warten. Ghebreyesus appellierte an reichen Staaten, Impfdosen abzugeben.

Sein Aufruf an die internationale Staatengemeinschaft: Bis September sollten mindestens zehn Prozent und bis Ende des Jahres 30 Prozent der Weltbevölkerung geimpft werden können. Unterstützung für den WHO-Generaldirektor kam von UN-Generalsekretär Antonio Guterres. Der Portugiese sprach von einem Krieg gegen das Virus und forderte, alle Länder müssten den gleichen Zugang zu den Waffen gegen die Pandemie erhalten.

Forderung nach mehr Miteinander

Andere Teilnehmer legten ihren Fokus stärker auf die Zeit nach der Corona-Pandemie, so auch Bundeskanzlerin Angela Merkel: In ihrem Grußwort warnte sie vor neuen Pandemien und rief die Welt auf, sich besser dafür zu wappnen. "Diese Pandemie ist noch nicht bewältigt; und sie wird auch nicht die letzte sein", sagte Merkel in ihrer Videobotschaft. "Nach der Pandemie ist vor der Pandemie", betonte die Kanzlerin: "Auf die nächste sollten wir möglichst gut vorbereitet sein."

Ähnlich argumentierte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Er forderte die WHO auf, mit Blick auf eine bessere Vorbereitung auf künftige weltweite Gesundheitskrisen eine zentrale Rolle zu spielen. Dafür müsse die UN-Organisation entsprechend solide finanziert werden.

Merkel für internationalen Pandemievertrag

In diesem Zusammenhang griff Merkel die Idee eines globalen Gesundheitsrates auf: Er könne überprüfen, ob die WHO-Staaten sich ausreichend auf künftige Gesundheitsgefahren vorbereiten. Die Kanzlerin sprach sich auch für einen internationalen Pandemievertrag aus, der Länder zu besserer Kooperation bringen soll. Er soll die Staaten dazu verpflichten, sich gegenseitig schneller vor Gesundheitsgefahren zu warnen. Der Vorschlag ist allerdings nicht unumstritten. Manche Regierungen lehnen ihn ab, weil sie einen Verlust ihrer Souveränität fürchten.

"Führungsrolle bei der globalen Gesundheitsvorsorge"

Merkel betonte zudem die Bedeutung der WHO. Die Pandemie habe vor Augen geführt, wie wichtig internationale Zusammenarbeit sei. "Die WHO sollte deshalb weiter eine Führungsrolle bei der globalen Gesundheitsvorsorge übernehmen", sagte die Kanzlerin. Dafür müsse die Organisation finanziell und personell nachhaltig unterstützt werden. Deutschland ist im Verlauf der Corona-Krise zum größten Geldgeber der WHO aufgestiegen.

Auf der Weltgesundheitsversammlung beraten die 194-WHO-Mitglieder regelmäßig über die Strategie der UN-Organisation. In diesem Jahr findet das Treffen, das noch gut eine Woche bis zum 1. Juni andauert, weitgehend virtuell statt.

Mit Informationen von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Mai 2021 um 16:50 Uhr.