Ein Anwohner blickt auf die Flammen des Waldbrands auf der griechischen Insel Euböa. | AFP

Waldbrände in Südeuropa Flammen vernichten Dörfer und Wälder

Stand: 09.08.2021 12:31 Uhr

Die Folgen der Hitzewelle in Südeuropa sind dramatisch. In der Türkei, Griechenland und Italien wüten seit Wochen Brände. Griechenlands Ministerpräsident Mitsotakis sieht darin die Auswirkungen des Klimawandels.

Rekord-Temperaturen mit mehr als 40 Grad, anhaltende Trockenheit und starker Wind befeuern seit Tagen die verheerenden Waldbrände in Südeuropa. Ganze Regionen mussten evakuiert werden. Die Brände forderten bereits einige Todesopfer. Tausende Menschen mussten ihr Haus, ihre Tiere, ihr gesamtes Hab und Gut zurücklassen.

Griechenland: Feuer bedrohen Wohngebiete

In Griechenland lodern weiter Dutzende großflächige Brände. Zwei Menschen sind durch die Feuer bisher laut offiziellen Angaben ums Leben gekommen; es gibt zahlreiche Verletzte.

Besonders bedrohlich ist die Situation zurzeit auf der Insel Euböa, nach Kreta die zweitgrößte griechische Insel. Sie liegt nahe am Festland, nordöstlich von Athen. Riesige Waldflächen stehen dort unter Flammen. In der Nacht kämpfte die Feuerwehr im Vorort Monokaria der Kleinstadt Istiea darum, ein Übergreifen auf die Stadt mit ihren rund 7000 Einwohnern zu verhindern, wie die Nachrichtenagentur ANA berichtete.

Auch tagsüber hätten Löschflugzeuge und -hubschrauber allerdings "ernsthafte Schwierigkeiten" wegen des dichten Rauches und sehr eingeschränkter Sicht, sagte der stellvertretende Zivilschutzminister Nikos Hardalias. Dutzende kleinere Ortschaften wurden nach und nach evakuiert. Küstenwache und Privatboote hatten in einer Großaktion 668 Menschen von der Insel geholt, einige direkt vom Strand, weil es keinen anderen Ausweg mehr gab.

Aufatmen nahe Athen - Angst auf dem Peloponnes

Auch in Athen warnte die Wetterstation immer wieder vor schlechter Luftqualität: Wegen der starken Rauchbildung stank ganz Athen, weiterhin geht Asche nieder. Aber im Norden der Hauptstadt entspannte sich die Lage am Wochenende weiter. Die Feuerwehr und freiwillige Helfer sowie das Militär könnten jetzt kleinere Brandherde löschen, sagte ein Offizier der Feuerwehr im Staatsrundfunk.

Aber Bürgermeister auf der Halbinsel Peloponnes fordern mehr Hilfe aus der Luft. Sie kritisierten, dass die Entscheidungsträger in Athen in den vergangenen zwei Tagen mehr Löschflugzeuge im Raum der griechischen Hauptstadt einsetzten.

Der gefährlichste Brand tobte auf dem Peloponnes südlich der Kleinstadt Megalopolis. Ein weiterer Brand breitete sich aus dem Westen der Insel bei Olympia immer weiter ins dicht bewaldete gebirgige Arkadien im Inneren der Halbinsel aus.

Hilfe aus 20 Nationen

Mehr als tausend Feuerwehrleute versuchen in den griechischen Brandgebieten, die Flammen von Wohngebieten fernzuhalten. Sie werden von Freiwilligen und Soldaten unterstützt.

Auch immer mehr ausländische Helfer unterstützen die griechischen Kräfte. Die Liste des griechischen Zivilschutzes umfasst bislang 20 Nationen. Während manche Staaten wie Rumänien, Israel, Kuweit, Serbien, die Ukraine und Moldawien Feuerwehrkräfte schickten, unterstützen andere zusätzlich mit Löschflugzeugen und Hubschraubern - darunter Frankreich, Kroatien, Schweden, Spanien und Ägypten. Aus Deutschland ist ebenfalls Hilfe unterwegs - die 221 Rettungskräfte sollen jedoch erst am Donnerstag einsatzbereit sein.

Der griechische Zivilschutz hat ein SMS-Warnsystem für Einwohner und Urlauber im ganzen Land eingerichtet. Griechenlands Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis sagte vergangene Woche bei einem Besuch der Brandgebiete: "Wenn einige Leute noch immer fragen, ob der Klimawandel Wirklichkeit ist, sollen sie hierherkommen."

Acht Todesopfer in der Türkei

Auch in der Türkei wüten die Flammen zwar weiter, aber die Lage in den betroffenen Küstenregionen entspannte sich laut den lokalen Behörden etwas. Bei den Waldbrände sind bislang acht Menschen gestorben. Darunter ist ein Freiwilliger, der Wasser zu den Feuerwehrleuten in Marmaris gebracht hatte.

Mindestens 36.000 Menschen mussten in der Provinz Mugla, wo die Touristenhochburgen Bodrum und Marmaris liegen, laut Behördenangaben ihre Häuser verlassen. Sechs weitere Stadtviertel wurden geräumt.

Brandschneisen zum Schutz von Kraftwerken

Mit Baggern waren Brandschneisen um das Kraftwerk Yeniköy herum angelegt worden, um es zu schützen. Einige Tage zuvor hatten die Flammen das Kohlekraftwerk Kemerköy bedroht und konnten erst unmittelbar vor der Anlage gestoppt werden.

Der Sprecher der stark betroffenen Gemeinde Milas, Umut Öztürk, sagte, in der Region seien die Brände zurzeit weitestgehend unter Kontrolle. "Die Einsatzkräfte sind dabei, das Gelände abzukühlen." Forstminister Bekir Pakdemirli hatte am Sonntagabend noch von fünf unkontrollierten Bränden in der südwesttürkischen Provinz Mugla gesprochen, aber Entwarnung für Wohngebiete gegeben.

Experte: Risiko nicht gebannt

Gebannt ist die Brandgefahr angesichts der anhaltenden Hitzewelle und Trockenheit aber noch nicht. "Bis zum Oktober besteht das Risiko weiterer Brände", warnte Doganay Tolunay, Forstingenieur an der Istanbul-Universität.

Das Feuer habe bisher bereits so viel Zerstörung hinterlassen wie seit 1946 nicht mehr, sagte er. Damals seien in der Türkei 1650 Quadratkilometer Waldfläche verbrannt. Bei den aktuellen Bränden seien schätzungsweise 1500 Quadratkilometer Land zerstört worden - eine Fläche fast drei mal so groß wie der Bodensee.

Seit Beginn der Brände vor rund zwei Wochen kritisiert die Opposition das Krisenmanagement der Regierung, etwa, dass anfangs keine eigenen einsatzfähigen Löschflugzeuge zur Verfügung standen. Die Regierung weist die Kritik zurück. Zwischenzeitlich brannte es nach offiziellen Angaben in 47 von 81 Provinzen. Mehr als 200 Feuer wurden unter Kontrolle gebracht. Zur Brandursache wird weiter ermittelt.

Dörfer an der italienischen Adria-Küste bedroht

In Italien wurden an der Adria-Küste Hunderte Menschen wegen Bränden evakuiert. In der Gemeinde Campomarino wurden mehr als 400 Menschen aus ihren Unterkünften geholt. Die Behörden evakuierten Hotels, Campingplätze und Wohnhäuser im Ortsteil Campomarino Lido am Meer. Auf einem Video der Feuerwehr war zu sehen, wie dichter Qualm durch die Straßen zog und sich Flammen durch Büsche bis zu einem Café durchfraßen. Zu Wochenbeginn droht in der gesamten Region die nächste Hitzewelle mit über 40 Grad.

Die italienische Zivilschutzbehörde entsendete außerdem Verstärkung in die stark von Waldbränden betroffene Region Kalabrien. Dort brannte es unter anderem im Nationalpark Aspromonte.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. August 2021 um 12:00 Uhr.