Menschen gehen an einem Wahlplakat von Zeljko Komsic vorbei, der bei den bevorstehenden Wahlen für das Amt des bosnischen Präsidenten kandidiert. | dpa

Wahl in Bosnien und Herzegowina Verluste für Nationalisten

Stand: 03.10.2022 10:56 Uhr

In Bosnien und Herzegowina könnte zum ersten Mal seit zwölf Jahren kein Politiker der muslimisch-nationalistischen SDA-Partei im Staatspräsidium vertreten sein. Den kroatischen Sitz dürfte der Reformer Komsic behalten.

Bei den Wahlen zum dreiköpfigen Staatspräsidium in Bosnien und Herzegowina haben sich örtlichen Medienberichten zufolge Verluste für einige nationalistische Kandidaten abgezeichnet. Der gemäßigte bosniakische Sozialdemokrat Denis Becirovic (SDP) liegt im Rennen um den Sitz im dreigliedrigen interethnischen Präsidium Bosniens in Führung, wie vorläufige Ergebnisse zeigten. Damit wäre zum ersten Mal seit zwölf Jahren kein Politiker der muslimisch-nationalistischen SDA im Staatspräsidium vertreten.

Becirovic, der von elf Oppositionsparteien unterstützt wurde, lag nach Auszählung von 85 Prozent der Stimmen bei rund 57 der Stimmen und damit vor Bakir Izetbegovic, dessen SDA seit dem Ende des Krieges 1996 an der Macht ist. Izetbegovic, auf den rund 38 Prozent der Stimmen entfielen, räumte noch in der Nacht seine Niederlage ein.

Serbischer Sitz für Nationalisten

Im Rennen um den kroatischen Sitz dürfte sich den Teilergebnissen zufolge der bisherige Amtsinhaber, der nicht-nationalistische Reformer Zeljko Komsic, durchgesetzt haben.

Der serbische Sitz dürfte hingegen in den Händen von Nationalisten bleiben. Die Kandidatin der im serbischen Landesteil regierenden SNSD, Zeljka Cvijanovic, soll rund 53 Prozent der Stimmen auf sich vereinigt haben. Sie ist eine Vertraute des serbischen Separatisten Milorad Dodik, der bislang den serbischen Sitz im Staatspräsidium innehatte. Er kandidierte diesmal für den Präsidentenposten im serbischen Landesteil.

Schwerste politische Krise seit Ende des Krieges

Die fast 3,4 Millionen Wahlberechtigten entschieden vor dem Hintergrund der schwersten politischen Krise seit dem Ende des Krieges unter anderem über Präsidentschaften und Abgeordnete auf nationaler, regionaler und kommunaler Ebene des komplexen Staatsgebildes. Das Land besteht aus der Republika Srpska, der Föderation Bosnien und Herzegowina sowie dem Distrikt Brcko.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Oktober 2022 um 07:30 Uhr.