Phlegräische Felder in Italien | picture alliance / NurPhoto

Supervulkan bei Neapel Die Gefahr eines Ausbruchs ist immer da

Stand: 15.02.2022 10:44 Uhr

Die Region am Golf von Neapel ist ein idyllisches Stückchen Erde. Doch im Untergrund rumort es: Über einen Durchmesser von zwölf Kilometern erstreckt sich ein Vulkanfeld. Wie gehen die Menschen mit der Gefahr um?

Von Elisabeth Pongratz, ARD-Studio Rom

Eines Tages könnte es dazu kommen: Der europäische Supervulkan bricht aus. Keiner kann sagen, wann es passieren wird. Aber die Gefahr ist immer da, vor allem für die Bewohner der malerischen Hafenstadt Pozzuoli. Carmela Parisi ist hier geboren, sie hat einen Friseurladen. Die Animationen, die über den Ausbruch im Netz kursieren, mag sie sich gar nicht ansehen.

Elisabeth Pongratz ARD-Studio Rom

"Ehrlich gesagt versuche ich, nicht an sowas zu denken. Das würde Panik auslösen. Wenn es passieren sollte? Nun, was sollen wir tun? Das ist alles Schicksal. Wenn einer sterben muss, stirbt er", sagt sie.

Mit der Situation arrangieren

Auch Paola Migliore versucht, sich mit der Situation zu arrangieren. Sie ist aus Neapel umgezogen, weil es ihr hier so gut gefällt. Entspannt sitzt sie auf dem Friseurstuhl und lässt sich ihre Haare machen.

"Sicher ein paar Sorgen, ein wenig Angst - aber, wenn es passiert, gehe ich auf den Balkon und mache mir mit meinen Nachbarn Mut. Bisher bin ich nie aus Angst auf die Straße gelaufen", so Migliore.

Serapidentempel im Hafen von Pozzuoli | picture alliance / Rolf Wilms

Die Menschen in der malerischen Hafenstadt Pozzuoli versuchen, sich mit der Situation zu arrangieren. Bild: picture alliance / Rolf Wilms

Zahl der leichten Erdbeben nimmt zu

Tatsächlich nimmt die Zahl der leichten Erdbeben in der Region zu. Von der Mittelmeerküste bis zum Stadtrand von Neapel erstrecken sich über 150 Quadratkilometer die Phlegräischen Felder, eine Ansammlung von vielen einzelnen Vulkanen. Im Notfall müssten rund eine halbe Million Menschen aus der sogenannten roten Zone in Sicherheit gebracht werden. Drei Tage seien dazu nötig, so die Behörden.

Der Evakuierungsplan wird immer wieder angepasst. Wichtig sei es, die Bewohner zu schulen, so Antonella Scalzo vom Zivilschutz. "Es gab spezielle Informationskampagnen und Übungen, die letzte fand im Oktober 2019 statt. Die Menschen nahmen an der Räumung teil, erlebten einen Großteil des Planes und stellten sich damit vor, wie sie sich im Ernstfall verhalten müssen", erzählt Scalzo.

Seit Jahren werden Veränderungen beobachtet

Vor 40.000 Jahren spuckte der Supervulkan Asche und Gestein bis nach Ägypten und Russland, es war die stärkste Eruption. Zuletzt brach er im 16. Jahrhundert aus, acht Tage lang. Wie der benachbarte Vesuv ruhen die Phlegräischen Felder gerade, aber sie können jederzeit erwachen. Seit einigen Jahren beobachten Experten große Veränderungen, so wie Lucia Pappalardo, die beim Nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie arbeitet.

Die Erde hebt sich, am meisten in Pozzuoli, um 89 Zentimeter schon. Außerdem steigt die Temperatur unter der Oberfläche und die Zusammensetzung der aufsteigenden Gase verändert sich. Die ganze Caldera ist aktiv, und an jedem Ort hier könnte sich die Erde öffnen.

Rund 250 Kilometer nördlich, in der Hauptstadt Rom, werden diese Phänomene im Innern des Vulkans ausgewertet. Die Überwachungsinstrumente liefern ständig Daten. Beim Nationalen Dienst für vulkanische Risiken werten Geologen, wie Antonio Ricciardi, sie aus. Die alles entscheidende Frage ist: Wie lange vorher kann der Ausbruch vorhergesagt werden?

"Es gibt Situationen, in denen diese Ankündigungsphänomene mit sehr viel Vorlauf auftreten, Jahre oder Monate vorher. In anderen Situationen treten diese Phänomene nur sehr kurz vorher auf, Wochen oder Tage. Aber es gibt immer eine Eskalation, also Entwicklungen, die wir gut beobachten müssen", sagt Ricciardi.

Hoffen auf rechtzeitige Warnung

So hoffen die Menschen vor Ort, dass sie rechtzeitig gewarnt werden. Und üben sich derweil in Gleichmut: "Was soll man machen? Keiner bewegt sich weg, keiner kann etwas machen", sagt ein Einwohner von Pozzuoli.

 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 15. Februar 2022 um 05:20 Uhr.