Sergej Lawrow | dpa

Nach Haftstrafe für US-Star Griner Russland offen für Gefangenenaustausch

Stand: 05.08.2022 14:29 Uhr

Nach der Verurteilung der US-Basketballerin Griner in Russland hat Außenminister Lawrow einen möglichen Gefangenenaustausch mit den USA angedeutet. Moskau sei "bereit, über das Thema zu sprechen" - unter einer Bedingung.

Russland ist nach Angaben von Außenminister Sergej Lawrow bereit, mit Washington über einen Gefangenenaustausch zu diskutieren. Moskau sei "bereit, über das Thema zu sprechen", sagte Lawrow auf einer Pressekonferenz bei einem Besuch in Kambodscha.

Für die Gespräche müsse aber ein direkter Kommunikationskanal zwischen den Präsidenten Wladimir Putin und Joe Biden eingehalten werden. Es gebe "einen speziellen Kanal", der zwischen den Staatschefs vereinbart worden sei, sagte Lawrow. "Trotz gewisser öffentlicher Erklärungen" bestehe dieser weiterhin. 

Lawrow nennt keine Namen

Lawrow ließ offen, über welche Personen konkret verhandelt werden könnte. Er nannte auch nicht den Namen der US-Basketballspielerin Brittney Griner, die derzeit im Fokus der Debatte steht.

Ein russisches Gericht hatte Griner gestern zu neun Jahren Haft wegen Drogenbesitzes verurteilt. Die Athletin hatte nach Feststellung der Justiz bei einer Gepäckkontrolle im Moskauer Flughafen Scheremetjewo sogenannte Vape-Kartuschen und Haschisch-Öl bei sich. Es soll sich um 0,5 Gramm gehandelt haben. Dies wurde als illegaler Drogenbesitz und versuchter Schmuggel gewertet.

Das Gericht sah keine mildernden Umstände und blieb nur knapp unter der Höchsstrafe. Griner hatte sich schuldig bekannt. International war das Urteil als politisch motiviert kritisiert worden.

Tausch mit russischem Waffenhändler?

Vergangene Woche hatte US-Außenminister Antony Blinken erstmals seit Beginn der russischen Offensive in der Ukraine mit Lawrow telefoniert. Nach dem Telefonat hatte Blinken gesagt, er habe Druck auf seinen russischen Kollegen ausgeübt, den "ernsthaften Vorschlag" Washingtons für eine Befreiung Griners und des wegen Spionage zu 16 Jahren Haft verurteilten US-Bürgers Paul Whelan anzunehmen. Nun bekräftigte Blinken, Washington werde das russische Gesprächsangebot "weiterverfolgen". 

Mehreren US-Medien zufolge könnten die beiden US-Gefangenen gegen den berüchtigten russischen Waffenhändler Viktor Bout ausgetauscht werden. Er soll Regime und Rebellen in zahlreichen Ländern illegal mit Waffen ausgerüstet haben. Der als "Händler des Todes" berüchtigte Russe ist als Waffenhändler in den USA inhaftiert.

Mit Informationen von Christina Nagel, ARD-Studio Moskau

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 05. August 2022 um 11:24 Uhr.