Wladimir Putin und Joe Biden geben sich die Hand. | AP

Ukraine-Konflikt Biden und Putin sprechen am Dienstag

Stand: 04.12.2021 19:08 Uhr

Russland hat Zehntausende Soldaten an der Grenze zur Ukraine zusammengezogen. Die USA werten das als Vorbereitung einer Invasion. Ein virtueller Gipfel zwischen den Präsidenten beider Länder soll deeskalieren.

Angesichts der zunehmend brisanten Lage an der ukrainischen Grenze wollen US-Präsident Joe Biden und sein russischer Kollege Wladimir Putin am kommenden Dienstag zu einer Videokonferenz zusammenkommen. Biden und Putin würden selbst entscheiden, wie lange der virtuelle Gipfel dauern werde, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow nach Angaben der russischen Nachrichtenagenturen RIA Nowosti und Interfax.

Ein Vertreter des US-Präsidialamts erklärte, Biden werde die Sorge der USA über militärische Aktivitäten Russlands an dessen Grenze zur Ukraine bekräftigen und die Unterstützung der USA für die Souveränität und die territoriale Integrität des osteuropäischen Landes unterstreichen.

Angst vor Offensive mit bis zu 175.000 Soldaten

Der US-Präsident hatte das russische Staatsoberhaupt vor einem militärischen Eingreifen in der Ukraine gewarnt und neue Initiativen zum Schutz des osteuropäischen Landes angekündigt. Nach bislang nicht dementierten Angaben hat Russland in Gebieten unweit der Grenze zur Ukraine in großem Maße Truppen zusammengezogen.

Nach Beobachtungen der US-Geheimdienste wurden bereits rund 70.000 russische Soldaten an der Grenze zusammengezogen. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge rechneten US-Geheimdienste mit bis zu 175.000 Soldaten, zusammen mit Panzern, Artillerie und anderem militärischen Gerät.

Eine mögliche Invasion könnte Anfang des kommenden Jahres stattfinden, berichteten die "Washington Post" und die "New York Times" unter Berufung auf Dokumente der US-Geheimdienste und Vertreter der Regierung.

Die Geheimdiensterkenntnisse zeigten, dass Russland einen massiven Angriff auf die Ukraine vorbereite, sagten Beamten demnach. Es sei aber unklar, ob der russische Präsident Putin die Ukraine auch tatsächlich angreifen wolle. Die Analyse stützt sich demnach teils auf Satellitenbilder, die im November "neu angekommene Einheiten" entlang der Grenze zeigten, hieß es.

Ukraine befürchtet Angriff Ende Januar

Auch der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow warnte vor einer Eskalation. "Der wahrscheinlichste Zeitpunkt zur Eskalationsbereitschaft ist Ende Januar", sagte Resnikow. Der ukrainische Geheimdienst analysiere derzeit alle möglichen Szenarien. 

Russland will seinerseits eine weitere Osterweiterung der NATO aufhalten. Das russische Außenministerium warf den USA vor, eine "Sonderoperation" durchzuführen, "um die Lage in der Ukraine zu verschärfen und gleichzeitig die Verantwortung auf Russland abzuwälzen", so eine Sprecherin zur russischen Zeitung "Kommersant".

Der Kreml hatte zuvor erklärt, Putin wolle von Biden Garantien, dass die Ukraine nicht Teil des westlichen Militärbündnisses NATO werde. Biden sagte in einer Reaktion darauf, er werde nicht akzeptieren, dass irgendjemand rote Linien ziehe.

Kämpfe zwischen Regierung und Rebellen

2014 hatte Russland die ukrainische Halbinsel Krim annektiert. Im Osten des Landes kämpfen seither von Moskau unterstützte Rebellen gegen die prowestliche Regierung in Kiew.

Biden sagte, er bereite Maßnahmen vor, die es Putin schwer machen würden, das zu tun, was viele befürchteten. Er hatte sich im Juni in Genf mit Putin zu ihrem ersten Gipfel getroffen. Dabei waren unter anderem neue Gespräche über eine atomare Abrüstungsinitiative vereinbart worden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Dezember 2021 um 20:00 Uhr.