Die US-Flagge wird zum ersten Mal gehisst, nachdem amerikanische Diplomaten in die US-Botschaft in Kiew zurückgekehrt sind. | AFP

Nach dreimonatiger Schließung US-Botschaft in Kiew wiedereröffnet

Stand: 19.05.2022 08:09 Uhr

Anfang April hatte Russland seine Truppen aus der Region um Kiew abgezogen, seitdem kehren immer mehr diplomatische Vertretungen in die ukrainische Hauptstadt zurück. Nun eröffneten auch die USA ihre Botschaft wieder.

Nach dreimonatiger Schließung hat die US-Botschaft in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ihren Betrieb wieder aufgenommen. "Wir nehmen heute offiziell wieder die Arbeit in der US-Botschaft in Kiew auf", erklärte US-Außenminister Antony Blinken. Man habe zusätzliche Maßnahmen für die Sicherheit der nach Kiew zurückkehrenden Kolleginnen und Kollegen ergriffen, teilte das Ministerium zudem mit.

Die US-Flagge vor dem Gebäude wurde wieder gehisst. "Das ukrainische Volk hat mit unserer Sicherheitsunterstützung sein Heimatland gegen den skrupellosen russischen Einmarsch verteidigt, und als Folge dessen weht die Stars and Stripes (die US-Nationalflagge) wieder über der Botschaft", erklärte Blinken.

Der Senat bestätigte die Karrierediplomatin Bridget Brink für den Posten der Botschafterin für die Ukraine. Die Kongresskammer stimmte der Personalie gestern in Washington zu. Brink war bislang die US-Gesandte in der Slowakei. Zuvor hatte sie unter anderem im Außenministerium in Washington als Expertin für Osteuropa und den Kaukasus sowie als stellvertretende Botschafterin in Usbekistan und Georgien gearbeitet.

Botschaft zunächst nach Lwiw verlegt

Die USA hatten ihre Botschaftsgeschäfte vor rund drei Monaten von der Hauptstadt Kiew zunächst in die westukrainische Stadt Lwiw nahe der Grenze zu Polen verlegt. Kurz vor Ausbruch des Krieges reiste das Botschaftspersonal nach Polen aus. Zuvor war das Botschaftspersonal in Kiew bereits auf ein absolutes Minimum reduziert worden. Bereits Ende Januar hatte das US-Außenministerium die Familien von Diplomaten angewiesen, die US-Botschaft in Kiew zu verlassen.

Am 8. Mai waren die Geschäftsträgerin der US-Botschaft, Kristina Kvien, und eine kleine Gruppe von US-Diplomaten erstmals seit Kriegsbeginn vorübergehend wieder nach Kiew gereist. Die Botschaft selbst blieb aber noch geschlossen. Heute hieß es aus dem US-Außenministerium: "Nun ist dieser Tag gekommen. Heute nehmen wir offiziell den Betrieb in der US-Botschaft in Kiew wieder auf." Ministeriumssprecher Ned Price erklärte:

Wir stehen stolz an der Seite der ukrainischen Regierung und des ukrainischen Volkes, die ihr Land gegen den brutalen Angriffskrieg des Kremls verteidigen, und werden sie weiterhin unterstützen.

Der Krieg wüte zwar weiter. Man bekräftige aber das Engagement für die Ukraine. Man habe bereits damals immer wieder deutlich gemacht, trotz der Verlegung der Botschaft weiter an der Seite der Ukraine zu stehen.

EU, Frankreich und Italien bereits zurückgekehrt

Auch die Deutsche Botschaft in Kiew hat den Dienstbetrieb nach Angaben des Auswärtigen Amtes in der vergangen Woche in eingeschränkter Form bereits wieder aufgenommen. Bei ihrem Besuch in Kiew vergangene Woche hatte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock vor dem Botschaftsgebäude die deutsche Flagge gehisst. Davor waren bereits Vertretungen der EU, Frankreichs, Italiens, Großbritanniens, Österreichs und anderer Staaten in Kiew wiedereröffnet worden.

Nachdem das russische Militär zunächst von Norden, Süden und Osten in die Ukraine einmarschiert war, zogen sich die russischen Truppen vor Kiew Anfang April wieder zurück. Russland konzentriert sich seitdem verstärkt auf Angriffe im Osten und Süden des Nachbarlandes.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Mai 2022 um 21:00 Uhr.