Militärparade in Kiew | REUTERS

Unabhängigkeitstag der Ukraine Selbstbewusst in schwieriger Lage

Stand: 24.08.2021 18:41 Uhr

Am 24. August 1991 erklärte die Ukraine ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Der 30. Jahrestag wurde mit einer Militärparade in Kiew gefeiert. In seiner Rede zeigte sich Präsident Selenskyj selbstbewusst und kämpferisch.

Mit einer großen Militärparade, Konzerten und Veranstaltungen hat die Ukraine den 30. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit gefeiert. "Wir sind ein junges Land mit einer tausendjährigen Geschichte", sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj auf dem Unabhängigkeitsplatz in der Hauptstadt Kiew.

Selenskyj warb für engere Beziehungen zur EU und NATO. Eine starke Ukraine sei "ein Land, das ehrgeizig träumt und entschlossen handelt". So sei das Land inzwischen Teil des Enhanced-Opportunities-Programms der NATO, das etwa die Möglichkeit zu gemeinsamen Manövern mit der Allianz vorsieht.

NATO-Soldaten und EU-Staatschefs

Neben 5000 ukrainischen Soldaten nahmen auch Delegationen mehrerer NATO-Länder an der Parade teil. Polnische und slowakische Kampfflugzeuge und Hubschrauber flogen über die Innenstadt Kiews. Der Aufmarsch wurde unter anderem von den Staatsoberhäuptern Polens, Andrzej Duda, und Litauens, Gitanas Nauseda, sowie dem französischen Außenminister Jean-Yves Le Drian beobachtet.

"An diesem Feiertag müssen wir uns derer erinnern, die es ermöglicht haben, dass wir heute hier sein können", sagte Selenskyj zu den Soldaten. "Dies sind die Verteidiger der Ukraine, unserer Unabhängigkeit." Der Präsident versprach, dass sowohl die von den Separatisten kontrollierte Donbass-Region als auch die von Russland annektierte Krim-Halbinsel zur Ukraine "zurückkommen" werden.

Panzer bei der Militärparade in Kiew | dpa

An der Militärparade nahmen auch Kampfpanzer teil. Bild: dpa

Präsident Wolodymyr Selenskyj nahm die Parade in Kiew ab. | AP

Präsident Selenskyj warb dabei für die Westbindung des Landes. Bild: AP

Schweigeminute in Kiew

Vor dem Start der Militärparade hatte es eine Schweigeminute für die in der Südostukraine getöteten Soldaten gegeben. Allein seit Beginn dieses Jahres wurden nach offiziellen Angaben etwa 50 Soldaten getötet. Die Armee kämpft seit 2014 im Donbass gegen von Russland unterstützte Separatisten. UN-Schätzungen zufolge wurden mehr als 13.000 Menschen getötet - darunter viele Zivilisten.

"Wir haben die europäische Integration gewählt"

Die Ukraine habe einen hohen Preis für ihre Unabhängigkeit zahlen müssen, sagte der Politologe Wolodymyr Fessenko dem ARD-Studio Moskau. "Die Ukraine stand in den 2000er-Jahren vor der Wahl, eine Integration mit der EU oder mit Russland im Rahmen der Eurasischen Union einzugehen. Am Ende haben wir die europäische Integration gewählt. Es war unsere bewusste Wahl. Wir haben dafür gekämpft."

In der Ukraine gebe es eine starke Gesellschaft, freie Wahlen, demokratischen Fortschritt und Freiheiten auf allen Ebenen. Die junge Generation, so Fessenko, sehe sich im politischen und bürgerlichen Sinn als Ukrainer.

Mit Informationen von Christina Nagel, ARD-Studio Moskau

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. August 2021 um 18:00 Uhr.