Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj | dpa

Telefonat mit Scholz Selenskyj bittet um Raketenabwehrsystem

Stand: 29.09.2022 09:02 Uhr

In einem Telefonat mit Bundeskanzler Scholz hat der ukrainische Präsident Selenskyj Deutschland um mehr Waffen und schärfere Sanktionen gegen Russland gebeten. Die USA kündigten weitere Waffenlieferungen im Wert von über einer Milliarde US-Dollar an.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Deutschland um weitere Waffenlieferungen und um die Verschärfung des geplanten achten EU-Sanktionspakets gegen Moskau gebeten. "Zum Thema Verteidigung habe ich unsere Erwartung an ein Raketenabwehrsystem aus Deutschland unterstrichen," sagte Selenskyj nach einem Telefonat mit Bundeskanzler Olaf Scholz in seiner täglichen Videoansprache.

"Stand heute gibt es zum achten Sanktionspaket noch etwas hinzuzufügen", so die Forderung Selenskyjs in Bezug auf die Sanktionspläne der EU. Bei dem Telefonat mit Scholz sei auch die mutmaßliche Sabotage an den Gas-Pipelines Nord Stream 1 und 2 besprochen worden.

Bitte um Hilfe bei Wiederaufbau

Auch der Ministerpräsident der Ukraine, Denys Schmyhal, wirbt für eine Verschärfung der Sanktionen. Eingefrorene russische Vermögenswerte sollten beschlagnahmt werden. "Diese Vermögenswerte sollten die Grundlage für den langfristigen Wiederaufbau der Ukraine werden, nicht die Gelder deutscher und europäischer Steuerzahler," sagte Schmyhal den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

"Der Wiederaufbau hat mit den Mitteln der Ukraine bereits begonnen, aber unser Budget unter den Bedingungen des Krieges kann nicht alle Ausgaben allein finanzieren, daher brauchen wir dringend die Unterstützung westlicher Partner", so Schmyhal. Allein für die Wiederherstellung lebenswichtiger Infrastruktur würden in diesem und im nächsten Jahr 17 Milliarden US-Dollar benötigt.

USA liefern Raketenwerfer und Drohnensysteme

In seiner Ansprache bedankte sich Präsident Selenskyj zudem bei Deutschland "für die Hilfsbereitschaft bei der Luftverteidigung". Er bedankte sich auch beim türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan für dessen Vermittlung beim Gefangenenaustausch und für die militärische Zusammenarbeit. US-Präsident Joe Biden dankte er für die neuen Militärhilfen.

Die US-Regierung hatte weitere Waffenlieferungen für die Ukraine im Wert von 1,1 Milliarden US-Dollar angekündigt. Mit dem Paket solle Kiew 18 zusätzliche Mehrfachraketenwerfer vom Typ Himars bekommen. Diese habe die Ukraine auf dem Schlachtfeld bislang besonders effektiv einsetzen können, erklärte eine Sprecherin Bidens. Zudem würden die USA unter anderem die dazugehörige Munition, 150 gepanzerte Fahrzeuge und Drohnenabwehrsysteme liefern.

Berichte von ukrainischen Vorstößen

Selenskyj forderte die russischen Soldaten erneut auf Russisch dazu auf, zu fliehen oder sich zu ergeben. Nur so könnten sie ihr Leben retten. Die Ukraine werde sich trotz der Scheinreferenden in den von Russland besetzten Regionen nicht mit Gebietsverlusten abfinden und ihr Territorium zurückerobern.

Derzeit sind die russischen Truppen nach Berichten in der Defensive. So drohe ihnen im Norden von Donezk offenbar eine Einschließung durch die ukrainische Armee. Russische Reporter berichteten am Mittwoch von erfolgreichen ukrainischen Vorstößen nordöstlich und östlich der Kleinstadt Lyman.

Russlands Einheiten drohe eine Abschneidung der Verbindungswege ins Luhansker Gebiet und damit eine Einkesselung bei Lyman. Die Straßen stünden bereits unter Beschuss durch die ukrainische Artillerie.

Auch bei der Stadt Kupjansk im Gebiet Charkiw sei ukrainischen Angaben zufolge mindestens ein weiterer Ort auf der Ostseite des Flusses Oskil zurückerobert worden. Das würde ein weiteres Vorrücken der ukrainischen Armee auf die Region Luhansk bedeuten.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. September 2022 um 08:00 Uhr.