Ein Militärfahrzeug pro-russischer Kämpfer nahe des Werks von Asowstal in der ukrainischen Stadt Mariupol  | REUTERS

Ukraine-Krieg Ultimatum für Mariupol verstrichen

Stand: 17.04.2022 19:27 Uhr

Bis zum Mittag hatte die russische Armee den verbliebenen ukrainischen Kämpfern Zeit gegeben, sich zu ergeben. Doch die haben ihre Waffen offenbar nicht niedergelegt. Die Ukrainer berichten nun von neuen, heftigen Attacken.

Die russische Armee hat ihre Attacken auf ukrainische Städte fortgesetzt. Der ukrainische Generalstab berichtete am Abend von russischen Raketen- und Bombenangriffen auf die Stadt mit früher mehr als 400.000 Einwohnern. Dabei kämen auch Überschallbomber vom Typ Tu-22M3 zum Einsatz. Man vermute zudem, dass sich russische Einheiten auf eine Marineoperation zur Landung in Mariupol vorbereiten.

Ein Ultimatum an ukrainische Soldaten und Kämpfer im Stahlwerk Asowstahl war am Mittag verstrichen. Angesichts ihrer "katastrophalen Situation" hatte Russland die Kapitulation gefordert. Wenn die Gegenwehr anhalte, würden "sie alle vernichtet". Nach unbestätigten Angaben aus Moskau sollen sich etwa 2500 ukrainischen Kämpfer, unter ihnen 400 ausländische Söldner, auf dem weitläufigen Werksgelände verschanzt haben. Der Rest der Stadt befinde sich praktisch unter russischer Kontrolle.

Asowstal in Mariupol

Selenskyj droht mit Verhandlungsabbruch

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte Moskau mit einem Ende der Friedensverhandlungen gedroht, falls die ukrainischen Soldaten in Mariupol getötet werden sollten. Von den westlichen Partnern forderte er in der Nacht Unterstützung bei den Verhandlungen um Mariupol, um eine diplomatische Lösung der Situation zu finden. Für eine militärische Lösung brauche die Ukraine hingegen schwere Waffen, auch Flugzeuge müssten geliefert werden, damit die Armee den Druck auf Mariupol verringern könne.

Russland meldet Geiselbefreiung

Der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, teilte zudem mit, dass auf Bitte des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan "Geiseln" aus einer Moschee in Mariupol "befreit" worden seien. Gestern seien aus der "türkischen Moschee" Menschen in Sicherheit gebracht worden, dabei seien 29 Kämpfer, darunter ausländische Söldner, getötet worden. Eine Zahl an "Geiseln" nannte Konaschenkow nicht.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Drei Tote in Charkiw

Auch anderswo gab es Kämpfe: In dem Generalstabsbericht aus Kiew hieß es, die Teilblockade der Millionenstadt Charkiw im Osten des Landes und der Beschuss von Wohngebieten dort dauere an. Durch Artillerie- und Raketenangriffe wurden nach ukrainischen Angaben drei Zivilisten getötet, mindestens 31 Menschen seien verletzt worden.

In der Hauptstadt Kiew war am Morgen mindestens eine Explosion zu hören, wie Medien meldeten. Nach Angaben des stellvertretenden Bürgermeisters Mykola Povoroznyk sei aber lediglich das Luftabwehrsystem der Stadt zu hören gewesen, das Angriffe verhindert hätte.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen appellierte an die EU-Länder, der Ukraine schnell Waffen zu liefern. Dabei unterscheide sie nicht zwischen schweren und leichten Waffen, sagte von der Leyen der "Bild am Sonntag". "Die Ukraine muss das bekommen, was sie zur Verteidigung braucht und was sie handhaben kann."

Aus den USA trafen unterdessen erste Teile des jüngsten Unterstützungspakets an Waffen und Munition in der Ukraine ein, wie der TV-Sender CNN unter Berufung auf einen Beamten im Weißen Haus berichtete. Washington hatte am Mittwoch Kiew weitere Waffen und Munition im Wert von bis zu 800 Millionen Dollar (740 Millionen Euro) zugesagt - darunter auch Artillerie, gepanzerte Fahrzeuge und Hubschrauber.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. April 2022 um 09:00 Uhr.