Ein nicht explodiertes Geschütz steckt im Boden vor einem verlassenen Gebäude in Lyssytschansk. | AFP

Krieg gegen die Ukraine Moskau verstärkt offenbar Donbass-Offensive

Stand: 22.05.2022 04:53 Uhr

Ukrainischen Angaben zufolge hat Russland seine Offensive im Donbass in der Ostukraine verstärkt. Bei Angriffen auf öffentliche Infrastruktur und Wohngebiete sollen mindestens sieben Menschen getötet worden sein.

Laut der Ukraine hat das russische Militär seine Angriffe auf den Donbass intensiviert. Demnach setzte die russische Armee an der gesamten Frontlinie im Donbass Flugzeuge, Artillerie, Panzer, Raketen, Mörser und Marschflugkörper für Angriffe auf öffentliche Infrastruktur und Wohngebiete ein. Dabei seien im Bezirk Donezk mindestens sieben Menschen getötet worden.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nannte die Situation im Donbass "extrem schwierig". Die russische Armee versuche die Städte Slawjansk und Sewerodonezk anzugreifen. "Die Streitkräfte der Ukraine halten diese Offensive zurück", sagte das Staatsoberhaupt in einer Videobotschaft Jeder Tag, an dem die Verteidiger Pläne Russlands durchkreuzten, sei ein konkreter Beitrag auf dem Weg zum Sieg.

Selenskyj fordert weitere Sanktionen

Selenskyj forderte zudem weitere Sanktionen gegen Russland. Darüber habe er auch mit Italiens Regierungschef Mario Draghi gesprochen. Die russische Armee habe seit Beginn des Kriegs vor gut drei Monaten 1873 Bildungseinrichtungen in der Ukraine zerstört, sagte Selenskyj. "Russland hat praktisch alle seine Ressourcen geschickt, um uns zu zerstören."

Der Krieg werde "blutig sein, es wird heftige Kämpfe geben, aber endgültig enden wird er nur durch Diplomatie", sagte Selenskyj dem ukrainischen Fernsehsender ICTV. Er sprach sich für ein Dokument über Sicherheitsgarantien für die Ukraine aus, das "von den Freunden und Partnern der Ukraine, ohne Russland" unterzeichnet werde. Parallel dazu solle es bilaterale Verhandlungen mit Russland geben. 

Ukraine meldet schwere Kämpfe in Luhansk

Der Luhansker Gouverneur Serhij Gaidai teilte mit, die russischen Truppen versuchten Sewerodonezk zu zerstören, es werde von den Morgen- bis in die Abendstunden gekämpft. Sewerodonezk wird zusammen mit seiner Zwillingsstadt Lysytschansk auf der anderen Seite des Flusses Siwerskiy Donets seit Beginn des Krieges von ukrainischen Truppen trotz zahlreicher Angriffe gehalten. Nach Angaben Gaidais zerstörten die Russen am Samstag eine Brücke zwischen beiden Städten.

Schwere Kämpfe meldete die Ukraine auch aus dem Bezirk Luhansk. Das ukrainische Militär erklärte, neun Vorstöße seien abgewehrt worden. Dabei sollen in den vergangenen 24 Stunden fünf Panzer und zehn gepanzerte Fahrzeuge zerstört worden sein. Um 20 Uhr MEZ sollen demnach an vier verschiedenen Orten die Gefechte angehalten haben. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig prüfen.

Unterhändler: Streitkräfte müssen Land verlassen

Unterdessen bekräftigte der ukrainische Unterhändler Mychailo Podoljak, es werde keinen Waffenstillstand um den Preis territorialer Abtretungen geben. "Die Streitkräfte müssen das Land verlassen, und danach wird die Wiederaufnahme des Friedensprozesses möglich sein", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Ein Waffenstillstand werde nur dazu führen, dass Russland sich neu formieren werde, um dann umso heftiger anzugreifen.

Ukrainische und russische Unterhändler hatten sich seit dem Einmarsch der russischen Truppen in der Ukraine Ende Februar zunächst regelmäßig persönlich oder online über eine Beilegung des Konflikts beraten. Die letzte Begegnung der Chefunterhändler beider Länder fand laut russischen Nachrichtenagenturen vor einem Monat statt. Beide Seiten machen sich gegenseitig für den Stillstand verantwortlich.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. Mai 2022 um 09:00 Uhr.