Menschen in Kiew stellen Molotow-Cocktails her | AP

Krieg gegen die Ukraine Gefechte, Gespräche und Gerüchte

Stand: 28.02.2022 03:17 Uhr

Im Krieg in der Ukraine spricht Präsident Selenskyj von entscheidenden Stunden. Laut US-Informationen soll der Vormarsch russischer Truppen gebremst sein. Gerüchten zufolge könnte Belarus in den Krieg eingreifen.

In der Ukraine kommt es weiter zu Gefechten zwischen russischen und ukrainischen Soldaten. Nach Einschätzung des US-Verteidigungsministeriums wird der Vormarsch der Russen von heftiger Gegenwehr der Ukrainer gebremst. "Die Ukrainer leisten erbitterten Widerstand", sagte ein hochrangiger Mitarbeiter des Ministeriums in einem Briefing für Journalisten. "Das ist heldenhaft, das ist inspirierend, und das ist für die Welt sehr deutlich zu sehen." Man beobachte zudem "Treibstoff- und Logistikengpässe" der russischen Truppen, hieß es.

In einem Gespräch mit dem britischen Premierminister Boris Johnson soll der Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, die kommenden 24 Stunden als entscheidend für sein Land bezeichnet haben.

Klitschko hofft auf Unterstützung

Von der Krim aus sollen Bomber und Jagdflugzeuge gestartet sein. Kiew, die Städte Mykolajiw und Cherson im Süden sowie Charkiw im Osten sollen zu den Zielen gehören, wie die ukrainische Agentur Unian berichtete. Diese Informationen lassen sich nicht unabhängig prüfen.

Die Hauptstadt Kiew steht nach den den Worten ihres Bürgermeisters Vitali Klitschko am Rande einer humanitären Katastrophe. "Wir haben jetzt noch Strom und Wasser und Heizung in unseren Häusern", sagte er am Sonntag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP. "Aber die Infrastruktur ist zerstört, um Lebensmittel und Medikamente auszuliefern." Klitschko appellierte zugleich an die Welt, die Ukraine geschlossen zu unterstützen. "Wir sind stark." Das US-Unternehmen Maxar, das sich auf hochauflösende Satellitenbilder spezialisiert hat, meldete, ein kilometerlanger russischer Konvoi bestehend aus Truppen, Panzern und Versorgungsfahrzeugen bewege sich auf Kiew zu.

Greift Belarus ein?

Beobachter berichten, dass Belarus möglicherweise direkt in den Krieg eingreifen könnte. Belarussische Fallschirmjäger sollen den Befehl bekommen haben, in den Morgenstunden in die Ukraine zu fliegen, schreibt die ukrainischen Agentur Unian. Sie beruft sich dabei auf Informationen der Nichtregierungsorganisation Bysol (Belarus Solidarity Foundation), die sich für Betroffene von politischen Repressionen in Belarus einsetzt. Auch dies ließ sich nicht unabhängig prüfen.

Erste Friedensgespräche erwartet

Erwartet wird, dass es heute erste Gespräche über eine mögliche Friedenslösung zwischen Vertretern der Ukraine und Russland gibt. Das melden die russische Staatsagentur Tass und die "Ukrainska Pravda". Das Treffen, das eigentlich schon am Sonntag beginnen sollte, findet an der ukrainisch-belarussischen Grenze in der belarussischen Region Gomel statt. Kiew habe keine Bedingungen gestellt, hatte das ukrainische Präsidialamt zuvor mitgeteilt. Präsident Selenskyj zeigte sich jedoch skeptisch: "Ich glaube nicht an ein Ergebnis dieses Treffens, aber lasst es uns versuchen."

Selenskyj telefonierte auch mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. "Wir sprachen über konkrete Entscheidungen zur Stärkung der Verteidigungskapazitäten der Ukraine, über Makrofinanzhilfe und die Mitgliedschaft der Ukraine in der EU", twitterte Selenskyj in der Nacht. Von der Leyen hatte sich am Sonntag für einen EU-Beitritt der Ukraine ausgesprochen. Auf die Frage einer Reporterin des Senders Euronews nach einer Aufnahme des Landes in die Gemeinschaft sagte sie: "Im Laufe der Zeit gehören sie tatsächlich zu uns. Sie sind einer von uns und wir wollen sie drin haben."

Die Karte zeigt die Ukraine mit dem Separatistengebiet in Luhansk und Donezk sowie Teile Russlands und Belarus'.

Russland meldet gefallene Soldaten

Erstmals räumte das russische Verteidigungsministerium Verluste bei der Offensive ein, die es noch immer verharmlosend als "Spezialoperation" bezeichnet. Es habe Tote und Verletzte gegeben, zudem seien "einige wenige" russische Soldaten gefangen genommen worden. Genaue Zahlen wurden nicht genannt.

Gleichzeitig wurden militärische Erfolge vermeldet. Es seien bereits mehr als 1000 militärische Ziele - Fluggeräte, Panzer sowie andere Kampffahrzeuge - zerstört worden. 471 ukrainische Soldaten seien gefangen genommen worden, Ukrainer hätten "massenhaft den Kampf verweigert".

Das Innenministerium der Ukraine hatte am Sonntagabend 352 getötete Zivilisten gemeldet, darunter seien 14 Kinder. 1684 Menschen seien verwundet, darunter 116 Kinder.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 27. Februar 2022 um 23:00 Uhr und das Morgenmagazin am 28. Frebruar 2022 ab 05.30 Uhr.