Moschee in Mariupol | AP

Türken in Mariupol Ankara bittet um Hilfe bei Evakuierung

Stand: 13.03.2022 15:19 Uhr

Die türkische Regierung hat Russland um Hilfe bei der Evakuierung ihrer Staatsbürger aus dem von russischen Truppen belagerten Mariupol gebeten. Ankara gilt als Vermittler für weitere Gespräche zwischen Kiew und Moskau.

Nach Angaben des türkischen Außenministers Mevlüt Cavusoglu versucht sein Land, türkische Staatsbürger aus einer Moschee in Mariupol zu evakuieren. Diese hätten während eines russischen Luftangriffs am Samstag in der Sultan-Suleiman-Moschee Zuflucht gesucht, in deren Nähe dann Granaten einschlugen. Die Moschee sei nicht beschädigt worden, und man habe über Satellitentelefone Kontakt zu den türkischen Staatsbürgern aufgenommen, sagte Cavusoglu.

Er machte keine Angaben über die Zahl der Menschen, die dort Schutz suchten. Nach Angaben der ukrainischen Botschaft in Ankara befanden sich am Samstag 89 Türken, darunter 34 Kinder, in der Moschee.

Betende in der Moschee in Mariupol | AP

In der Moschee hatten türkische Staatsbürger Zuflucht gefunden. Bild: AP

Evakuierung am Samstag gescheitert

Cavusoglu teilte weiter mit, er habe mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow gesprochen, um ihn um Unterstützung für einen humanitären Evakuierungskorridor in Mariupol zu bitten. Die Busse hätten am Samstag für die Evakuierung bereit gestanden, konnten aber wegen der Zusammenstöße nicht in die Stadt einfahren. Die Bemühungen würden aktuell fortgesetzt.

Cavusoglu räumte ein, dass die türkischen Behörden nach dem "Zusammenbruch der Infrastruktur" den Kontakt zu ihren Staatsbürgern in Mariupol "verloren" hätten. Die Türkei unterstütze "die territoriale Integrität der Ukraine", aber sie müsse aus "humanitären Gründen mit beiden Seiten zusammenarbeiten", fügte er hinzu.

Ankara soll offenbar vermitteln

Die Ukraine arbeitet einem Berater von Präsident Wolodymyr Selenskyj zufolge mit Israel und der Türkei als möglichen Vermittlern bei Gesprächen mit Russland zusammen. Es sollten ein Ort und ein Rahmen für Friedensverhandlungen abgesteckt werden. "Wenn dies geklärt ist, wird es ein Treffen geben. Ich denke, es wird nicht lange dauern, bis wir da sind."

Das ukrainische Außenministerium hatte der russischen Armee am Samstag einen Angriff auf die Moschee von Mariupol vorgeworfen, in der rund 80 Zivilisten Zuflucht gefunden hätten, darunter auch mehrere türkische Staatsbürger.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

489 türkische Staatsbürger wurden nach Angaben des Außenministers am Samstag aus Orten evakuiert, in denen die Zusammenstöße andauerten, darunter Cherson und Charkiw.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. März 2022 um 20:00 Uhr.