Zerstörtes Gebäude in Serhijiwka nahe Odessa | REUTERS

Krieg gegen die Ukraine 21 Tote bei Raketenangriffen bei Odessa

Stand: 01.07.2022 19:57 Uhr

Bei einem russischen Angriff sind nach ukrainischen Angaben mindestens 21 Menschen getötet worden. Die Geschosse sollen ein Wohnhaus und ein Freizeitgelände getroffen haben. Präsident Selenskyj spricht von einem gezielten Angriff.

Bei russischen Raketenangriffen in der südukrainischen Region Odessa sind nach Angaben des Zivilschutzes insgesamt mindestens 21 Menschen getötet worden. Zunächst war von zehn Todesopfern die Rede gewesen. Mindestens 39 Menschen wurden diesen Angaben zufolge verletzt.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Wohngebäude teilweise zerstört

Ziel des frühmorgendlichen Angriffs auf die Gemeinde Serhijiwka waren ukrainischen Medienberichten zufolge ein mehrstöckiges Wohnhaus und ein Freizeitgelände. Der Militärverwaltung zufolge schlugen insgesamt drei russische Raketen ein. Sie seien von russischen Tu-22-Bombern über dem Schwarzen Meer abgefeuert worden.

Der stellvertretende Leiter des ukrainischen Präsidialbüros, Kyrylo Tymoschenko, sagte, unter den Toten seien auch zwei Kinder. Serhijiwka liegt im Bezirk Odessa, 50 Kilometer südwestlich der Hafenstadt.

Selenskyj spricht von einem gezielten Angriff

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem gezielten Angriff. "Das ist ein gezielter Raketenschlag Russlands, Terror Russlands gegen unsere Städte und Dörfer, gegen unsere Menschen, Erwachsene und Kinder", sagte Selenskyj der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine zufolge.

Die deutsche Bundesregierung verurteilte den Angriff. "Dies führt uns erneut auf grausame Art und Weise vor, dass der russische Aggressor den Tod von Zivilisten bewusst in Kauf nimmt", sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit in Berlin. Die russische Seite spreche von Kollateralschäden - das sei zynisch und menschenverachtend.

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. | ISW/30.06.2022

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. Bild: ISW/30.06.2022

Immer wieder zivile Opfer

Erst am Montag waren bei einem Raketenangriff auf ein Einkaufzentrum in der zentralukrainischen Stadt Krementschuk mindestens 18 Menschen getötet worden. Der russische Präsident Wladimir Putin hat eine Verantwortung der Streitkräfte seines Landes bestritten.

Der Raketenangriff auf das Wohnhaus in der Region Odessa ereignete sich kurz nachdem Russland sich von der ukrainischen Schlangeninsel im Schwarzen Meer zurückgezogen hatte. Kiew feierte den dortigen Abzug der russischen Soldaten als wichtigen militärischen Sieg.

Ukrainischen Truppen droht Einkesselung

Im ostukrainischen Gebiet Luhansk sind die ukrainischen Truppen in der Stadt Lyssytschansk nach eigenen Angaben akut von einer Einschließung bedroht. Die knapp sieben Kilometer westlich der Stadt gelegene Raffinerie sei umkämpft, teilte der Generalstab mit.

Russische Truppen rückten aus dem Süden auf die Stadt vor, auch an der westlichen und südlichen Stadtgrenze werde gekämpft. In russischen Medien wurde die Raffinerie bereits als komplett erobert dargestellt. Lyssytschansk ist der letzte größere Ort im Luhansker Gebiet unter ukrainischer Kontrolle. Zuletzt konnte er nur noch über wenige Versorgungsrouten aus dem Westen mit Nachschub versorgt werden.

Im benachbarten Donezker Gebiet seien russische Vorstöße bei Slowjansk und Bachmut zurückgeschlagen worden, teilte der Generalstab mit. Entlang der gesamten Frontlinie würden ukrainische Stellungen kontinuierlich mit Artillerie beschossen und aus der Luft bombardiert. "Die Überlegenheit der Besatzer bei der Feuerkraft ist extrem spürbar", sagte Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache zur Lage im Osten. Russland greife dafür auf seine Reserven zurück.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. Juli 2022 um 07:23 Uhr.