Das Grande Pettine Hotel liegt in Trümmern, nachdem es von einer Rakete getroffen wurde (Archivbild).  | dpa

Krieg gegen die Ukraine Mehrere Opfer bei Raketenangriffen auf Odessa

Stand: 10.05.2022 05:25 Uhr

Bei russischen Raketenangriffen auf die südukrainische Hafenstadt Odessa gab es weitere Tote und Verletzte. Derweil gibt es Berichte, wonach sich weiterhin Zivilisten im belagerten Asow-Stahlwerk in Mariupol aufhalten.

Bei russischen Raketenangriffen auf die ukrainische Hafenstadt Odessa sind in der Nacht mindestens ein Mensch getötet und fünf weitere verletzt worden. Das berichtete die Agentur Unian unter Berufung auf die örtliche Militärführung. "Der Feind hält seinen psychologischen Druck aufrecht und setzt seine hysterischen Attacken gegen friedliche Zivilisten und die zivile Infrastruktur fort", hieß es.

Die Stadt wurde am Abend von zahlreichen Explosionen erschüttert, die sowohl auf Raketeneinschläge als auch die Luftabwehr zurückzuführen waren. Nach Medienberichten wurden unter anderem ein Einkaufszentrum und ein Warenlager getroffen. Die Bewohner wurden aufgerufen, Schutzräume aufzusuchen.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Angriffe während Michel-Besuch

Am Abend hatte die russische Luftwaffe nach Darstellung des ukrainischen Militärs mehrere Hyperschallraketen vom Typ Kinschal auf Odessa abgefeuert. Dabei seien "touristische Objekte" getroffen und mindestens fünf Gebäude zerstört worden, berichtete die "Ukrajinska Prawda". Die Hafenstadt im Süden der Ukraine ist seit Sonntagabend Ziel verstärkter russischer Raketenangriffe.

Am Montagnachmittag schlugen während eines Besuchs von EU-Ratspräsident Charles Michel mehrere Raketen in der Region ein. Michel und der ukrainische Ministerpräsident Denys Schmyhal mussten deswegen Schutz suchen. Damit zeige Russland seine wahre Haltung gegenüber Europa, kommentierte am Abend Präsident Wolodymyr Selenskyj.

Angeblich noch Zivilisten im Werk Azovstal in Mariupol

Entgegen Berichten über die vollständige Evakuierung aller Zivilisten aus dem von russischen Truppen belagerten Werk Azowstal in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol sollen sich dort derweil offenbar immer noch rund 100 Zivilpersonen aufhalten. Zudem hielten sich immer noch rund 100.000 Menschen in der schwer zerstörten Stadt auf, sagte der regionale Verwaltungschef Pawlo Kyrylenko am Abend."Schwer zu sagen, wer von ihnen die Stadt verlassen will", wurde er von der "Ukrajinska Prawda" zitiert.

Ukrainische Truppen haben sich im Stahlwerk verschanzt, der letzten Bastion in Mariupol. In den vergangenen Tagen wurden von dort mit Hilfe der Vereinten Nationen und des Roten Kreuzes mehrere hundert Frauen, Kinder und ältere Menschen evakuiert. Die Verteidiger von Azowstal wollten aber nicht ausschließen, dass sich noch Zivilisten in einigen Kellern des weitläufigen Geländes aufhielten.

Selenskyj: Die Geschichte wird Russland zur Rechenschaft ziehen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sieht unterdessen die Staaten Europas im Umgang mit dem russischen Angriffskrieg gegen sein Land an einem Punkt von historischer Tragweite. Europa müsse wie im Zweiten Weltkrieg darüber nachdenken, welcher Preis für Frieden auf dem Kontinent gezahlt werden müsse, sagte Selenskyj in der Nacht in seiner Radioansprache. Es gehe um den Preis, den Russland dafür zahlen sollte, "wieder das Übel des totalen Krieges nach Europa gebracht zu haben".

Die Geschichte werde Russland zur Rechenschaft ziehen. Und die Ukrainer würden weiterhin auf ihre Verteidigung, ihren Sieg und eine Wiederherstellung von Gerechtigkeit hinarbeiten - "heute, morgen und an jedem anderen Tag, der nötig ist, um die Ukraine von den Besatzern zu befreien", erklärte Selenskyj. Seine Ansprache schloss er mit einer Danksagung an all jene, die das Land verteidigten. Die ukrainische Flagge werde eines Tages wieder über allen Städten des Landes wehen. "Die ukrainische Flagge wird zurückkehren. Weil dies unser Land ist. Ein freies europäisches Land", sagte Selenskyj.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Mai 2022 um 06:00 Uhr.