Inspekteure begutachten ein explodiertes Auto in Donezk. | REUTERS

Ukraine-Konflikt Hunderte Verstöße gegen Waffenruhe im Donbass

Stand: 19.02.2022 04:47 Uhr

Im ostukrainischen Konfliktgebiet Donbass hat die Zahl der Verstöße gegen die Waffenruhe in den vergangenen Tagen deutlich zugenommen. Der Westen befürchtet, Russlands Präsident Putin könnte einen Zwischenfall zum Vorwand für einen Einmarsch nutzen.

Im Konfliktgebiet Donbass im Osten der Ukraine nehmen die Verstöße gegen die Waffenruhe nach Einschätzung internationaler Beobachter weiter massiv zu. In der Region, wo sich die vom Westen aufgerüsteten ukrainischen Regierungstruppen und die von Russland unterstützten Separatisten gegenüberstehen, registrierte die Mission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) Hunderte Fälle von Beschuss.

In der Region Luhansk seien 648 Verstöße gegen die Waffenruhe festgestellt worden, darunter 519 Explosionen, hieß es in einer am späten Abend veröffentlichten Mitteilung der OSZE. Für die Region Donezk wurden 222 Verstöße gemeldet, darunter 135 Explosionen. Das war eine deutliche Zunahme im Vergleich der vergangenen Tage. In der Vergangenheit hatte es höhere Zahlen gegeben. Die Konfliktparteien geben sich gegenseitig die Schuld an den Verstößen.

700.000 Menschen sollen evakuieren

Der blutige Konflikt in dem Gebiet im Osten der Ukraine in Nachbarschaft zu Russland dauert seit dem Frühjahr 2014 an. Nach UN-Schätzungen starben bisher mehr als 14.000 Menschen, die meisten davon auf dem von Separatisten kontrollierten Gebiet. Im Separatistengebiet Luhansk meldeten die Behörden zwei Gasexplosionen in der Nacht. Ein Feuer an einer Gasleitung sei nach kurzer Zeit gelöscht worden, teilte das Unternehmen Luganskgas mit und veröffentlichte dazu mehrere Videos. Auch an der zweiten Stelle liefen die Löscharbeiten und die Suche nach der Ursache, hieß es. Dutzende Haushalte waren demnach von der Gasversorgung abgeschnitten.

Unterdessen liefen die Evakuierungen der Städte und Dörfer in den Regionen Luhansk und Donezk weiter. Tausende Menschen kamen bereits in der südrussischen Region Rostow an, wo Unterkünfte bereit standen. Die Separatistenführungen hatten zur Flucht aufgerufen und den Appell mit einem drohenden Angriff durch ukrainische Regierungstruppen begründet. Das ukrainische Militär hatte betont, keine Offensive gegen die Region zu planen.

Aus dem Gebiet Donezk sollten insgesamt 700.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden, wie die Behörden mitteilten. Der russische Präsident Wladimir Putin wies die Regierung in Moskau an, den Flüchtlingen zu helfen. Unter anderem sollten pro Person 10.000 Rubel (rund 116 Euro) ausgezahlt werden.

Baerbock und Drian höchst besorgt wegen Waffenstillstandsverletzungen

Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock und ihr Amtskollege Jean-Yves Le Drian sind über die Zunahme der Waffenstillstandsverletzungen entlang der Kontaktlinie äußerst besorgt. In einer gemeinsamen Erklärung vom Freitag zur Lage im Donbass und an den ukrainischen Grenzen verurteilen die Außenminister den Einsatz schwerer Waffen und den wahllosen Beschuss ziviler Gebiete entlang der Kontaktlinie.

Sie fordern Russland auf, seinen Einfluss auf die selbsternannten Republiken Donezk und Lugansk zu nutzen, um zur Zurückhaltung aufzurufen und zur Deeskalation beizutragen. Die beiden Minister befürchten demnach, dass inszenierte Zwischenfälle als Vorwand für eine mögliche militärische Eskalation missbraucht werden könnten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Februar 2022 um 06:00 Uhr in den Nachrichten.