Ein ausgebrannter russischer Panzer | EPA

Gegenoffensive im Süden und Osten Weitere Erfolge für Ukraine

Stand: 03.10.2022 17:24 Uhr

Die Armee der Ukraine hat weitere Erfolge im Süden und Osten der Ukraine erzielt - in Gebieten, die Russland völkerrechtswidrig annektiert hatte. Die erste Kammer des russischen Parlaments hat die Annexion inzwischen ratifiziert - ohne Gegenstimme.

Im Zuge ihrer Gegenoffensive haben ukrainischen Truppen im Osten und Süden des Landes offenbar weitere Erfolge verzeichnet. Im Bezirk Luhansk hätten sich ukrainische Soldaten bei der Stadt Lyssytschansk bereits festgesetzt, schrieb ein Militärsprecher der von Moskau gelenkten Luhansker Separatisten im Nachrichtendienst Telegram. Die ukrainischen Einheiten seien jedoch unter dem ständigen Feuer der russischen Armee. Ukrainischen Quellen zufolge ist das Dorf Bilohoriwka bereits seit längerem unter ukrainischer Kontrolle.

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. | ISW/2.10.2022

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. Bild: ISW/2.10.2022

Gegenoffensive weiter in vollem Gange

Zuvor hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auch ein Vorrücken seiner Streitkräfte im südukrainischen Gebiet Cherson sowie die Rückeroberung der dortigen Ortschaften Archanhelske und Myroljubiwka verkündet. Noch nicht offiziell bekanntgegeben wurde ein ukrainisches Vorrücken entlang des Flusses Dnipro. Angeblich sollen sich die Orte Solota Balka und Chreschtscheniwka bereits wieder unter ukrainischer Kontrolle befinden. Ukrainische Medien verbreiteten eine Aufnahme, die ukrainische Soldaten in Chreschtscheniwka zeigen sein soll.

Der Vertreter der russischen Besatzungsverwaltung des Gebiets Cherson, Kirill Stremoussow, sprach außerdem über einen ukrainischen Vorstoß in Richtung des rund 20 Kilometer weiter südlich gelegenen Dudtschany. In einer Videoerklärung räumte Stremoussow ein, dass die ukrainischen Streitkräfte "ein bisschen tiefer" durchgebrochen seien. Es sei jedoch alles "unter Kontrolle". Seit Anfang September hat die ukrainische Armee bereits das östliche Gebiete Charkiw größtenteils befreit und zuletzt auch in Donezk den strategisch wichtigen Ort Lyman zurückerobert.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Duma-Kammern vor Ratifizierung der Annexion

Russland hatte am vergangenen Freitag die nur teilweise eigenen Truppen gehaltenen Gebiete Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson völkerrechtswidrig annektiert. Das Unterhaus der Duma, des russischen Parlaments, hat die Annexionsverträge inzwischen ratifiziert - ohne Gegenstimme; das Oberhaus des vom Kreml kontrollierten Parlaments sollte dies voraussichtlich morgen tun.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte, zwei der Regionen - Donezk und Luhansk im Donbass - träten Russland im Rahmen ihrer vor dem Ausbruch des Konflikts zwischen den von Russland unterstützten Separatisten und den ukrainischen Streitkräften in den Gebieten im Jahr 2014 bestehenden Verwaltungsgrenzen bei. Bei den beiden anderen Regionen, Cherson und Saporischschja, sei die Frage des Grenzverlaufs noch offen. "Wir werden das weiter mit den Einwohnern dieser Regionen diskutieren", sagte Peskow, ohne weitere Details zu nennen.

Chef des AWK Saporischschja offenbar frei

Unterdessen scheint der Leiter des von russischen Truppen besetzten Kernkraftwerkes Saporischschja, Ihor Muraschow, wieder freigelassen worden zu sein. Das teilte der Chef der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA), Rafael Grossi, auf Twitter mit. Er habe die Bestätigung erhalten, dass Muraschow sicher zu seiner Familie zurückgekehrt sei.

Zuvor hatten die russischen Behörden laut IAEA angegeben, dass Muraschow für Befragungen vorübergehend festgenommen worden sei. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte die Festnahme daraufhin als russischen Terrorakt verurteilt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Oktober 2022 um 14:00 Uhr in den Nachrichten.