Militärfahrzeuge auf einer Straße in der Ostukraine | REUTERS

Ostukraine Sind die russischen Truppen schon da?

Stand: 22.02.2022 15:56 Uhr

Halten sich russische Truppen bereits in der Ostukraine auf? Die EU geht fest davon aus. Moskau dementiert. Und von Seiten der Separatisten gibt es widersprüchliche Aussagen.

Über die Entsendung russischer Truppen in die Ukraine gibt es widersprüchliche Aussagen. Nachdem Russlands Präsident Wladimir Putin gestern die von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiete in den ukrainischen Verwaltungsbezirken Donezk und Luhansk als unabhängige Staaten anerkannt hatte, ordnete er zugleich die Entsendung russischer Truppen an, um dort für "Frieden zu sorgen".

Die Karte zeigt die Ukraine mit dem Separatistengebiet in Luhansk und Donezk sowie Teile Russlands

Die Separatisten kontrollieren nur den in der Karte schraffiert dargestellten Teil der ukrainischen Verwaltungsbezirke Donezk und Luhansk.

Doch das russische Präsidialamt lässt offen, ob bereits Soldaten in die Gebiete eingerückt sind. Er habe darüber keine Informationen, sagt Dmitri Peskow, der Sprecher des Präsidialamtes. Die Entscheidung über eine Entsendung von Soldaten hänge von der Entwicklung ab.

Russlands Vize-Außenminister Andrej Rudenko sagte laut der Nachrichtenagentur Interfax: "Derzeit will niemand irgendwas irgendwohin verlegen." Zugleich betonte er: "Sollte es eine Bedrohung geben, dann werden wir natürlich Beistand leisten - in Einklang mit dem ratifizierten Vertrag."

Widersprüchliche Aussagen der Separatisten

Auch die Separatisten in der Ostukraine geben an, dass sich im Konfliktgebiet bislang keine russischen Soldaten aufhalten. "Wir wollen uns auf unsere eigenen Kräfte verlassen", sagte der Chef der selbst ernannten Volksrepublik Donezk, Denis Puschilin, im russischen Staatsfernsehen. Es laufe eine Mobilmachung unter den Männern. 

Die Region wolle nur dann auf die Möglichkeit militärischer Hilfe zurückgreifen, wenn dies nötig sei. Es gebe aber weiter Beschuss von ukrainischer Seite, sagte Puschilin. Deshalb würden auch weiter die Menschen in Russland in Sicherheit gebracht.

Damit widerspricht er früheren Aussagen eines anderen Funktionärs der Separatisten. Demnach seien bereits russische Truppen in die Region Donezk eingerückt. Sie hätten im Norden und Westen des Gebiets Stellung bezogen, sagte Wladislaw Brig, Mitglied des separatistischen "Lokalrats" in Donezk.

Medienberichte und Videos über gepanzerte Fahrzeuge

Auch Kreml-nahe Medien berichteten, dass im Donbass bereits russische Truppen seien. Im Internet wurden Videos verbreitet, die russische gepanzerte Fahrzeuge im Donbass zeigen sollen.

Laut Nachrichtenagentur Interfax wurden auf dem Gebiet der selbsterklärten "Volksrepublik" Donezk "eine größere Zahl an gepanzerten Fahrzeugen" gesichtet. In der "Volksrepublik" Donezk sollen auch Panzer gesichtet worden sein, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Ein Reuters-Reporter berichtete, dass die Panzer-Kolonnen keine Kennzeichen hatten. Schon in den Tagen vor dem Einmarsch waren Bilder im Umlauf, die russisches Militärgerät ohne Kennzeichen an der ukrainischen Grenze zeigte.

Borrell: Russische Truppen sind in der Ukraine

Am Vormittag sagte der EU-Außenbeauftragte Joseph Borrell, dass sich russische Truppen in der Ostukraine befinden. Auch der polnische Verteidigungsminister bestätigte das. Er wollte aber nicht von einer "Invasion" sprechen. Die US-Regierung verwendet diesen Begriff hingegen inzwischen.

Derweil ratifizierten Russlands Parlament und der Föderationsrat die Verträge über "Freundschaft und Beistand" mit dem Donbass. Sobald die Abkommen mit Putins Unterschrift Putin in Kraft treten, könnte das den Weg für eine engere militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit ebnen - etwa indem Moskau dort Militärbasen errichtet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Februar 2022 um 06:00 Uhr in den Nachrichten.