Mikis Theodorakis | REUTERS

Trauer um Mikis Theodorakis Die Musik immer im Kopf

Stand: 02.09.2021 12:10 Uhr

Nicht nur als Komponist und Dirigent, sondern auch als Widerstandskämpfer und Politiker wurde Mikis Theodorakis berühmt. Bis zuletzt mischte er sich ein - nun ist 96-jährig gestorben.

Von Wolfgang Landmesser, WDR

Ein Mikis-Theodorakis-Konzert im Athener Megaron Mousikis. Mit Mittelpunkt steht der Liederzyklus Mauthausen. Unter den Zuhörern ist Spyros Pallas, der als Kind Bouzouki gelernt und viele Werke von Theodorakis gespielt hat. Er erzählt: "Theodorakis ist für uns wie ein Vater, weil wir mit seiner Musik aufgewachsen sind. Ich erinnere mich an 1965, als ich das erste Mal die Farandouri gesehen habe, in Mauthausen, was wir auch heute hören."

Wolfgang Landmesser

"Antonis" aus den Mauthausenliedern sang Maria Farandouri auch 1974 – in einem der legendären Konzerte nach Ende der Militärdiktatur.

Opfer von Folterung und Misshandlung

Schon früh in seinem Leben war Mikis Theodorakis mit Tod und Folter konfrontiert. Auf der Seite der Kommunisten kämpfte er im griechischen Bürgerkrieg. Er wurde fest genommen und war im Konzentrationslager auf der Insel Makronissos schwersten Folterungen ausgesetzt.

"Wir wussten nicht, ob wir den nächsten Tag überleben würden", sagt Theodorakis. "Wir hatten kein Wasser auf Makronissos. Durst ist das schlimmste. Es war sehr schwer. Musik zu schreiben, das war für mich der Ausweg."

Nach Ende des Bürgerkriegs studierte Theodorakis am Athener Konservatorium und ging in den 50er-Jahren nach Paris, wo er auch Schüler von Olivier Messiaen war. Theodorakis schrieb dort Musik, die von der griechischen Tradition inspiriert ist. Und Theodorakis hat symphonische Ambitionen:

Auf der einen Seite ernste, symphonische Musik, auf der anderen einfachen Volksmusik. Allmählich habe ich dann auch begonnen, solche Lieder zu schreiben - für meine Freunde. Meine allerersten in ganz frühen Jahren geschriebenen Lieder, hatte ich für meine Mutter und die ganze Familie komponiert.

Lieder schnell populär

Schon früh werden seine Lieder in Griechenland populär – wie "Ena to chelidoni" aus der Vertonung von "Axion esti" des griechischen Nobelpreisträger Odysseas Elytis.

"Epitaphios" ist ein weiteres Schlüsselwerk aus 1960er-Jahren. Der Liederzyklus auf Gedichte von Jiannis Ritsos löste eine Kontroverse in Griechenland aus, erinnerte sich der Komponist Mitte der 90er-Jahre: Auf der einen Seite Manos Chatzidakis, der eher westlich geprägte Musik schrieb, auf der anderen Seite seine Lieder mit der Bouzouki als zentralem Instrument.

Mikis Theodorakis dirigiert am 20. Mai 2001 vor der Akropolis von Athen. | EPA

Mikis Theodorakis dirigiert 2001 vor der Akropolis von Athen. Der Komponist starb nun im Alter von 96 Jahren. Bild: EPA

Dazu sagte Theodorakis: "Hinter dieser Auseinandersetzung wurde der Konflikt sichtbar, der unseren speziellen griechischen Zwiespalt ausmacht: Sollen wir unsere Kultur, unsere Musik, unsere Dichtung europäisch gestalten? Und wenn, in welchem Maß? Oder haben wir eigene Kräfte, eigene Mittel, eigenständigen Klang, griechischen Klang?"

Theodorakis‘ Musik ist kaum zu trennen von seinem politischen Engagement. In seinem langen Leben stand er immer wieder im Zentrum der Geschichte seines Landes.

Theodorakis kritisierte Sparpolitik

Auch in der Finanzkrise nach 2009 ergriff er das Wort. Die unselige Austerität, die Sparpolitik, habe die Griechen ins Elend gestürzt. Bei einer Demonstration gegen die Geldgeber-Troika wurde er 2012 von Tränengas getroffen. Danach trat er nur noch selten in der Öffentlichkeit auf.

Mikis Theodorakis spricht am 21. Mai 2011 bei einer Protestkundgebung gegen eines neues Sparpaket der Regierung vor der Uni in Athen. | REUTERS

Auch politisch engagiert: Theodorakis 2011 bei einer Protestkundgebung gegen eines neues Sparpaket der Regierung vor der Uni in Athen. Bild: REUTERS

"Wollte ein vielseitiger Komponist werden"

Seinen Griechen fühlte sich Theodorakis bis zuletzt nahe - und die Musik sei immer in seinem Kopf, sagte er in einem Interview zu seinem 90. Geburtstag. Die Motivation für sein rastloses Schaffen beschrieb er einmal so: "Ich wollte ein vielseitiger, ein vielschichtiger Komponist werden. Ich fühle noch wie der Jüngling von einst, der mit 14, 15, 16 angefangen hat, Farben, Klänge, Hass und Liebe der Menschen zu entdecken".

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. September 2021 um 10:29 Uhr.

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KOMMENTARE

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SinnUndVerstand 02.09.2021 • 15:39 Uhr

"Das Leben ist der Weg vom

"Das Leben ist der Weg vom Nichts ins Nichts." (Mikis Theodorakis): Danke für alles, was er zwischen diesen beiden Nichts geschaffen und bewirkt hat, musikalisch wie politisch. R.I.P.